Infamous Second Son
Foto:

09. Aug 2016

Entertainment

Im UNICUM Game-Test: Infamous: Second Son

-ARCHIV-

Ab dem 21. März für die Playstation 4 erhältlich

Vom Hänger zum Superhelden

Alles beginnt in einer verschlafenen Kleinstadt namens Salmon Bay, irgendwo im Nordwesten der USA. Hier vertreibt sich der junge Rebell Delsin die Zeit, indem er seine postpubertären Sinnkrise durch großformatige Graffitis auf öffentlichen Gebäuden zum Ausdruck bringt – sehr zum Leidwesen seines großen Bruders Reggie, der es sich als Dorfpolizist zur Aufgabe gemacht hat, für Recht und Ordnung zu sorgen.

Letztere ist nur allzu schnell dahin: Denn als ein Gefangenenkonvoi des Department of Unified Protection (kurz D.U.P.) den beschaulichen Fischerort durchquert, gelingt den Insassen die Flucht. Und wäre dies nicht schon Aufregung genug, handelt es sich bei den Entlaufenen nicht etwa um gewöhnliche Kriminelle, sondern um sogenannte Conduits, Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten, die von der Gesellschaft gemeinhin als Bioterroristen verrufen sind.

Als unser Protagonist eher unsanft mit einem der Gefangenen in Kontakt kommt, muss er mit Überraschung feststellen, dass er dessen "Rauch"-Kraft absorbieren und von nun an selbst beherrschen kann. Und so rückt Delsin, als frisch gebackener Conduit, unweigerlich in den Fokus der skrupellosen D.U.P.-Chefin Brooke Augustine, die sich der Jagd auf Bioterroristen verschrieben hat.

Selbst ein mächtiger Conduit, macht sie auf der Suche nach den Flüchtigen auch nicht vor den Einwohnern Salmon Bays Halt. Schnell wird Delsin klar, dass er seine Familie und Freunde nur retten kann, wenn er sich Augustines Kräfte aneignet. Und so machen wir uns gemeinsam mit Bruder Reggie auf den Weg zum D.U.P.-Hauptquartier in Seattle.

In Seattle nichts Neues…

Einmal dort angekommen, heißt es hauptsächlich: prügeln, sammeln, Fähigkeiten ausbauen. Bewaffnet mit einer Stahlkette und unter Einsatz unserer Superkräfte rennen, springen und klettern wir fortan durch die 19 Zonen Seattles und stellen uns Scharen von D.U.P.-Soldaten. Unterstützt werden wir dabei von Bruder Reggie, der uns per Funk Missionsdetails sowie die Ziele der nächsten Story-Mission durchgibt.

Obwohl Infamous: Second Son auf den ersten Blick wie ein genuines Open-World-Spiel wirkt, bleibt das digitale Seattle leider nur Kulisse – und unser Handlungsspielraum abseits der Hauptstory extrem übersichtlich: Hier sammeln wir blaue Energie-Scherben, um unsere Fähigkeiten aufzuleveln, dort erobern wir eine feindliche Stellung, um an Kernfragmente zu kommen, mit denen wir neue Kräfte freischalten.

Wer mag, kann sich auch der Nebenmissionen annehmen, von denen es zwar reichlich, aber lediglich eine Hand voll unterschiedlicher Typen gibt, sodass sich sehr bald ein unangenehmes Déjà-vu Feeling, wenn nicht sogar gähnende Langeweile einstellt. Kurz gesagt: Nach gefühlten 45 Minuten haben wir alles gesehen, was das Spiel gameplaytechnisch zu bieten hat – und das ist leider nicht besonders viel!

Ein Leckerbissen fürs Auge

Dafür geht Infamous: Second Son bei der optischen Präsentation hingegen in die Vollen. Seattle – vor allem bei Nacht – kann durchaus beeindrucken. Neben den hochaufgelösten Texturen und der durchweg stabilen Framerate punktet der Next-Gen Titel aber vor allem mit wirklich spektakulären Beleuchtungs- sowie schicken Lens Flare Effekten – J. J. Abrams lässt grüßen!

Sehr schade ist allerdings, dass auf den Straßen Seattles im Vergleich zu GTAs Los Santos nur wenig Leben zu spüren ist. Umso lebendiger wirken hingegen die Charaktere, die durch eine ausgezeichnet animierte Mimik das große Potenzial der neuen Konsolen-Generation erahnen lassen. Gerade in den erzählenden Cutscenes kann Infamous: Second Son uns immer wieder in seinen Bann ziehen, wenn es die Protagonisten mit einer bisher kaum dagewesenen Bandbreite an Affekten bespielt, die wir von ihren Gesichtern ablesen und nachempfinden können.

Fazit

Infamous: Second Son entpuppt sich schnell als zweischneidiges Schwert: Als Technik-Demo, die zeigt, was mit der Next-Gen-Technologie alles möglich ist, liefert der Action-Titel ein spektakuläres Feuerwerk an Sinneseindrücken und setzt dabei in der noch jungen Konsolen-Generation sicher den ein oder anderen Maßstab.Als Spiel allerdings, das uns fordern, unterhalten und mitreißen will, versackt Infamous: Second Son hingegen leider in Monotonie und Ideenlosigkeit.

Wer auf Action, Explosionen und eindrucksvolle Effekte steht oder etwas Simples für Zwischendurch sucht, der wird mit Infamous: Second Son nicht viel falsch machen. Wer allerdings auf der Suche nach einer intensiven Spielerfahrung ist, die fesselt, anspornt und auch nach dem Ausschalten der Konsole im Gedächtnis bleibt, sollte sich definitiv nach etwas anderem umsehen.

 

Infamous: Second Son

Sony/Sucker Punch Productions

Erhältlich für PS4

USK ab 16

infamous-second-son.com

Artikel-Bewertung:

2.76 von 5 Sternen bei 72 Bewertungen.