Blaskapelle "Move Your Brass"
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21. Jun 2016

Entertainment

UNICUM Plattenkritik: Blaskapelle "Move Your Brass!"

Blasmusik trifft Hip-Hop. Und Techno. Und Pop. Und das funktioniert?

Mehr Brass, bitte!

Von Clubs über die großen Festivals wie Rock am Ring bis hin zu Touren mit The BossHoss und Scooter: Die 15-köpfige Blaskapelle ist seit der Gründung 2011 mit Trompeten, Posaunen und jeder Menge Spielfreude auf Erfolgskurs. Die Kombi aus klassischem Brass-Band-Style und Songs, die im Radio rauf und runter laufen, verspricht durchgetanzte Partynächte. Die Musik lebt vor allem von den dynamischen Liveauftritten, bei denen die Musiker auch von Tänzern unterstützt werden. Für den Alltagsgebrauch ist die Platte allerdings etwas gewöhnungsbedürftig.

Dabei wird es dem Hörer relativ leicht gemacht, denn die Songs könnten deutlich mutiger sein. Die Interpretationen der Blaskapelle bleiben recht nah an den Originalstücken und sind oft kaum mehr als eine nette Unterfütterung. Den Blasmusikern wird auf den Stücken leider nicht genug Platz eingeräumt, als das man sie als Hauptinterpreten wahrnimmt. Da stellt man sich die Frage, wer hier wen featured. Mehr Wagemut hätte sich gelohnt und die Platte deutlich innovativer gemacht!

Mit Charthits zum Erfolg

Auch die Songauswahl scheint zunächst konzeptionell wenig durchdacht, ist jedoch prinzipiell nicht weiter verwunderlich, denn mit (größtenteils) Top-Ten-Hits kann man eben nicht viel falsch machen. Die Blaskapelle schafft es aber in jeden Fall, die einzelnen Songs zu einem runden Endprodukt zusammenzuspielen. Songs mit bereits sehr dichten Beats, wie z.B. "Whatever" von Cro, profitieren auf "Move Your Brass" von den voluminösen Sounds, die zusätzlich Druck und Tempo machen.

Liedern wie "Rosa, Blau, Grün" von den Orsons nehmen sie jedoch die Klarheit, andere (z.B. "Mr. Saxobeat") haben eine Verstärkung der bereits vorhandenen Blasinstrumente einfach nicht nötig. Auf den Songs "Get Lucky" und "Sexy Back" muss sich der Kapellensänger als Pharell Williams bzw. Justin Timberlake versuchen, was leider dazu führt, dass man die Originale doch sehr vermisst.

Ist man Fan bestimmter Künstler und sieht die jeweiligen Songs als einfache Remixe, sind sie definitiv mal was anderes und ein Reinhören wert! Musikalisch überzeugen die Bläser nämlich auf ganzer Linie. Songs der Zugpferde wie Cro und Sido sind auf iTunes allerdings nur im kompletten Album erhältlich. "Papaya" von Alexander Marcus gibt es dafür schon für 69 Cent – dabei ist das wohl der Song, der durch die Blaskapelle am meisten gewinnt.

Kurzum: Live ein echtes gute Laune Spektakel, zu dem es sich wunderbar feiern lässt; auch um vor der Party erfolgreich in Stimmung zu kommen eine gute Wahl; für den Morgen (und den Nachmittag) danach aber ein bisschen zu viel des Guten!

 

Move your Brass

Blaskapelle

Kontor Records

VÖ: 29.08.2014

Gebrauchsanweisung: Anmachen, aufdrehen, krachen lassen. 

www.jaegermeister.de

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