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21. Jun 2016

Entertainment

UNICUM trifft: Jon Bon Jovi

Mit neuem Album ("What abot now") und einer Tournee im Gepäck in Deutschland

"Ich weiß ungefähr, was ich kann und was in mir steckt"

UNICUM: Jon, habt ihr ausgiebig für die "Because we can"-Tour geprobt oder könnt ihr das längst im Schlaf: Auf die Bühne gehen, Lieder spielen, weiterfliegen?Bon Jovi: So mühelos funktioniert das nicht. Einfach rauszugehen auf die Bühne und wie die Eier in der Pfanne aufzuschlagen, dafür sind wir inzwischen zu alt (lacht). Wir haben uns also in der Tat recht ausführlich vorbereitet. Für unsere Verhältnisse. Diese Band probt jedoch immer noch am besten auf der Bühne und am allerbesten direkt vor Publikum. Denn das brauchen wir – die ganzen Augen, die Gesichter, den Druck insbesondere.

Ist Druck nur beim Livespielen wichtig oder auch schon beim Komponieren und Texten der Songs?Nein, nur live. Beim Songschreiben mache ich mir eh keinen Druck, da funktioniert das bei mir nicht. Ich schreibe einfach unglaublich viel und setze immer darauf, dass genug taugliches Material dabei sein wird. Wenn ich komponiere, dann ist es bei mir immer schon so gewesen, dass ein paar brauchbare Nummern gleich am Anfang kommen, die besten aber wirklich erst am Schluss. Daran bin ich gewöhnt, und deshalb werde ich auch nicht nervös.

Ist jedes neue Bon-Jovi-Album für dich eine Reise in unbekanntes Gebiet?Nein, dafür mache diese Sache hier schon viel zu lange (lacht). Ich weiß ja ungefähr, was ich kann und was in mir steckt. Meist läuft es also folgendermaßen: Ich schreibe ein Dutzend Songs, wir nehmen Demos auf, nächstes Dutzend, wieder Demos, letztes Dutzend. 35 Songs pro Album sind ein guter Richtwert. Davon nehmen wir dann die zwölf Stücke, die wir am stärksten finden.

Wie objektiv bist du, wenn es um dein eigenes Schaffen geht?Oh je, ich fürchte, ich bin miserabel schlecht darin, mich selbst einzuschätzen. Ich habe schon Songs geschrieben, die hielt ich für die größten Meisterwerke aller Zeiten, und dann kamen die bei den Hörern absolut nicht an (lacht). So etwas passiert immer wieder. Ich bin kein guter Juror meiner Arbeit.

Wer übernimmt den Job?Das Publikum. Ganz eindeutig. Die Leute geben dir zu verstehen, was sie von deinen Songs halten. Die Fans sind unbestechlich (lacht).

Eure aktuelle Single "Because we can" gilt als politischer Songs, ist aber eigentlich ein Liebeslied, oder? Es geht um ein Paar, das schon eine Weile zusammen ist, hier und da seine Probleme hat und sich doch immer wieder zusammenrauft.Man kann den Song im Grunde auf sämtliche Situationen anwenden, in denen es um Rivalitäten geht: Yankees- gegen Red-Sox-Fan, Republikaner gegen Demokraten, Junge gegen Mädchen. Doch je eingehender ich jetzt über das Album nachdenke und spreche, desto deutlicher wird für mich selbst, dass eine Vielzahl der Lieder gesellschaftliche Beobachtungen und soziale Kommentare aus dem und für das Jahr 2013 sind. Es sind Songs aus der Halbzeit der Obama-Präsidentschaft. "What's left of me", "Because we can", "What about now" oder "I’m with you" gehen alle in diese Richtung.

"Politik ist ein sehr frustrierendes Geschäft"

Wie stellt sich dir die Lage momentan dar?Wir kommen allmählich raus aus der großen Krise, aber der Weg ist beschwerlich und lang. Es ist nicht mehr alles so deprimierend wie vor ein paar Jahren, aber es ist auch nicht alles toll.

Wobei Barack Obama auch nicht für alles verantwortlich ist.Nein, natürlich nicht. Wir sind in einer Phase der Ernüchterung und der realistischen Neubewertung. Anfangs war das natürlich eine supercoole Sache: Dieser junge, afro-amerikanische, hippe, Basketball spielende Präsident. Ich meine: Wow! Ich war auch hingerissen vor vier Jahren und habe, romantisch wie ich bin, geglaubt, der Wandel würde riesig sein. Nun ja. Aber dann lief er immer wieder mit dem Kopf vor die Wand, oder man ließ ihn auflaufen.

Jetzt hast du deinen romantischen Glauben an eine bessere Welt verloren?Nein, eben nicht! Ich sage nur, dass es nicht ein Obama alleine schafft. Die Politik kann es nicht alleine. Die Unternehmen können es nicht alleine. Die privaten Haushalte können es nicht alleine. Wir schaffen es nur alle zusammen. Das ist die Aussage von "Because we can". Ich wende mich an den Zyniker in uns allen, der denkt "Ach, es bringt ja doch nichts, sich einzusetzen" und sage "Doch. Zusammen können wir es". Was ist außerdem die Alternative? Dass man resigniert, aufgibt, sich zurückzieht? Das wäre genau der falsche Weg.

Du und Obama, ihr seid fast gleich alt und habt ähnliche Interessen…Ne, das will ich nicht behaupten, dass wir ähnliche Interessen haben. Okay, uns beiden ist die Familie sehr wichtig, wir interessieren uns für Sport, aber ich weiß nicht, wie viele Gemeinsamkeiten wir sonst haben.

Seid ihr Freunde?Das wäre mir zu dick aufgetragen, jetzt zu behaupten, ich wäre mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten befreundet. Wie hört sich das denn an? Aber kennen und schätzen wir uns? Ja, das tun wir.

Weiß er, dass du seinen Slogan "Yes we can" leicht verändert wiederverwendest?Nein, das würde ich bezweifeln. Ich habe ihm das neue Album auch noch nicht zukommen lassen. Ich musste leider seine Amtseinführung schwänzen, weil wir dringend für die Tour proben mussten, sonst hätte ich ihm dort eine CD zugesteckt.

Bleibt es dabei, dass Du selbst keine politischen Ambitionen hast?Dabei bleibt es.

Und doch hat dich Obama ins "White House Council for Community Solutions" berufen. Was ist deine Aufgabe in dem Gremium?Ich kümmere mich um benachteiligte Kinder und Jugendliche. Etwa um Heimkinder, die von ihren Eltern im Stich gelassen wurden und nun keine Geburtsurkunden haben. Ohne solche Papiere bekommen sie keinen Job, keine Wohnung. Es ist so wichtig, dass gerade Teenager eine faire Chance bekommen. Und wenn nötig, auch eine zweite.

Was ist dein Eindruck von der Politik?Politik ist ein sehr frustrierendes Geschäft. Ich würde es niemandem empfehlen, Politikerin oder Politiker zu werden. Es ist unheimlich komplex, und am Ende sind doch wieder alle unzufrieden mit deinen Entscheidungen. Die Politik ist so schrecklich extrem, so polarisierend und verletzend. Wie gesagt, wir alle hatten vor vier Jahren den naiven Glauben daran, die Welt verändern, allen Menschen gleiche und gerechte Chancen bieten zu können. Und der Präsident hat manches erreicht: Homo-Ehe, schärfere Regulierung für Kreditkartenunternehmen, Wiederbelebung der Autoindustrie. Aber es bleibt zäh.

Also?Also konzentriere ich mich auf meine Wohltätigkeitsarbeit. Das bringt viel mehr für die Menschen. Der Durchschnittsbürger auf der Straße muss sehen, wie er Essen auf den Tisch bringt und hat vielleicht Angst um seinen Job. Dem geht das Theater in Washington doch verdammt noch mal am Arsch vorbei (lacht).

"Ich war immer ein Kämpfer. Ich habe mich nie aufgegeben"

Du schreibst Songs über genau diesen Menschen auf der Straße – ein Charakter in "What’s left of me" beispielsweise ist ein Mann, der 35 Jahre lang die Zeitung ausgetragen hat. Ja, definitiv. Diese Menschen, das sind wir letztendlich selbst.

Nun ja, du bist der Chef eines Multimillionendollar-Unternehmens und fliegst seit Jahrzehnten im eigenen Jet durch die Welt. Ich weiß, worauf du hinauswillst, aber diese ewigen Einwände, wir würden in einer Blase des Wohlstands leben und nichts mitbekommen vom wirklichen Leben, die prallen an mir ab. Weil sie nicht stimmen. Denn die Welt der einfachen Menschen, das ist auch unsere Welt. Dort kommen wir her, dort sind wir aufgewachsen und dort haben wir immer noch Freunde, Bekannte und Familienmitglieder. Das ist also das Leben, das wir kennen, und deshalb schreibe ich auch darüber.

Nochmal zurück zu dem, was Du eben sagtest: Interessant, dass Du Paarbeziehungen mit der Beziehung zwischen Demokraten und Republikanern vergleichst.So machen wir Autoren das doch schon immer. Schau mal, Shakespeare. Der schreibt über Monarchien und Könige, aber unterm Strich geht es auch bei ihm um Papa, Mama und das Kind, das denkt, dass es von seinen Eltern nicht genug geliebt wird. Dieser Ansatz, diese Geschichte ist also schon uralt. Und so handhabe ich das bei meinen Songs: Das Ideal ist, zeitlose Stories zu erzählen, die auch in 500 Jahren noch relevant sind. Auch wenn es wie ein Klischee klingt, so finde ich es ganz entscheidend, dass deine Songs von deinem Leben handeln.

Was heißt das für Jon Bon Jovi konkret?Ich komme immer wieder auf diesen Familienbild zu sprechen. Jeder will doch abends nach Hause kommen zu seinen Kindern, zu seiner Familie. Du willst, dass es den Babies - und die Kinder sind immer irgendwie Babies – gut geht. Dass deine Frau sich freut, ihn zu sehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob du irgendwo in Afrika oder Afghanistan lebst oder ob du ein Rocksänger aus Amerika bist.

Du nimmst in den neuen Stücken immer wieder Bezug auf das Bild des Kämpfers und des Soldaten.  Ein Song heißt auch "The Fighter". Was steckt dahinter? Die Idee für "Army of one" hatte ich, als ich diese Phrase auf einem zerborstenen Spiegel, irgendwo auf den Straßen von New York City entdeckte. Da wusste ich gleich "Das ist ein Songtitel". "The Fighter" habe ich so angelegt wie einen Brief an meine Kinder. Aus dem Grund ist der Song auch so gebaut wie er ist, nämlich sehr akustisch und reduziert.

Was möchtest du Stephanie, Jesse, Jacob und Romeo mit dem Lied denn genau mitteilen? Ich denke, wenn du ein gewisses Alter erreicht hast, dann willst du dein Vermächtnis schreiben. Etwas, das du deinen Liebsten hinterlassen kannst, wenn du mal nicht mehr auf der Welt bist. Also schrieb ich diesen Song für die Kinder. Der Text zu "The Fighter" könnte auch die Inschrift auf meinem Grabstein sein.

Mensch Jon, ist das nicht etwas früh?Ich bin 50, werde 51, was weiß denn ich, wann es soweit ist? Aber ich will, dass die Welt weiß und die Kinder wissen: Ich war immer ein Kämpfer. Ich habe mich nie aufgegeben.

Du singst "These eyes can hold no secret/ I am not hiding the truth". Sind Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit Werte, die du deinen Söhnen und deiner Tochter vermitteln möchtest?Yeah. Absolut. Ich will nicht, dass die Kids irgendwann glauben, dass die Fassade des Jon Bon Jovi nicht der wirkliche Jon Bon Jovi war. Dass sie irgendwann feststellen "Dad war ja ganz anders als wir dachten". Wir können als Familie über alles sprechen, ich bin offen und verstecke mich nicht. Abends am Esstisch bin ich ein Mensch und Vater wie jeder andere auch. Ich führe ein anderes Leben als der Angestellte um die Ecke oder der Soldat in Afghanistan, aber unsere Sorgen, unsere Probleme und unsere Träume sind die gleichen wie die von allen Familien.

Wie finden deine Kinder "The Fighter"?Um ehrlich zu sein, glaube ich, die haben den Song noch gar nicht gehört.

Echt nicht?Also, ich bin ziemlich sicher, dass ich das Album noch nicht den Jungs gegeben habe. Ich weiß, dass Stephanie es im Auto hat, aber ob sie sich schon die Mühe gemacht hat, es sich anzuhören? Ich bezweifele das stark (lacht).

Och.Sie kennt die Single, aber sie hat es glaube ich noch nicht bis zum Ende gehört. Allerdings, vielleicht auch doch. Ich habe sie noch gar nicht danach gefragt.

Man sagt, Du hast ein sehr enges Verhältnis zu deinen Kindern…Das habe ich, ja. Aber das heißt nicht, dass wir uns im Familienkreis versammeln und mal hören, was Daddy so für Songs aufgenommen hat. Bei uns in der Familie sind anderer Dinge wichtiger.

"Ich bin 51 Jahre alt und habe niemanden wirklich je verarscht"

Aber deine Frau ist doch sicher eingebunden?Auch nicht richtig. Weißt du, meine Familie meint irgendwie immer, sie könne sich schon denken, wie meine Songs klingen. Naja. Wobei ich ihr "The Fighter" zuhause an der Gitarre vorgespielt und vorgesungen habe, direkt nachdem ich das Lied geschrieben hatte. Weil es so intim und persönlich ist, wollte ich, dass sie es kennt.

Songs wie "Pictures of you, in dem du eine Frau mit einem Gemälde vergleichst und singst "You are my masterpiece" oder auch die Du-und-ich-durch-dick-und-dünn-Ballade "Thick as Thieves" sind doch vermutlich von deiner Ehe inspiriert, oder?Ja, das sind sie, wenngleich nur in Teilen. Unsere Songs beinhalten und transportieren ja immer in erster Linie ein "Wir-Gefühl", nicht so sehr ein "Ich-Gefühl". Aber natürlich schreibe ich über meine Ansichten und meine Gefühle.

Speziell in den Liebesliedern, aber auch in den sozialkritischen Songs, bleibt der Grundton immer positiv. Die Liebenden lieben sich, die Menschen bleiben zusammen, man kämpft, und am Ende verliert man zumindest nicht. Jon, bist Du ein Idealist? Ein Romantiker?Ich denke, das kann ich unterschreiben. Aber ich bin kein Naivling. Ich lebe die Werte, von denen unsere Songs handeln, ja selbst. Ich habe seit Jahrzehnten dieselbe Band, ich habe seit Jahrzehnten dieselbe Plattenfirma, und ich habe seit Jahrzehnten dieselbe Ehefrau. Das ist also kein Quatsch, was ich da singe. Keine verlogene, heuchlerische Scheiße. Mir ist es wichtig, dass ich 51 Jahre alt bin und niemanden wirklich je verarscht habe (lacht). Darauf bin ich sogar ein wenig stolz. Ich bin ein Mann, der sagt, was er tut und tut, was er sagt.

Was ist schwieriger: 30 Jahre mit derselben Band oder 30 Jahre mit derselben Frau auszuhalten?Bon Jovi: Die Band! Eindeutig (lacht).

Die Antwort kam schnell.Schau mal, bei mir in der Familie gab es, wie jeder wohl mitbekommen hat, zuletzt Turbulenzen. Aber das ist eine Geschichte, an der du zusammen arbeiten kannst, weil das alle hinter sich lassen und nach vorne schauen wollen. Niemand ist perfekt, aber man hat das dann eben auszuhalten und muss es gemeinsam durchstehen.

Mit der Band gehst du schon wieder auf weltweite Tournee. Macht das eigentlich Spaß?Ich bin nicht versessen aufs Touren. Das ist anstrengend und verlangt dir sehr viel ab. Langweilig und einsam ist es oft auch, wenn man nicht gerade auf der Bühne steht und seinen Auftritt hat. Aber mir ist bis jetzt keine bessere Art eingefallen, wie ich meinen Lebensunterhalt verdienen könnte.

Du müsstest ja nicht mehr.Aber ich will. Wenn du Songs geschrieben hast, willst du sie mit den Leuten teilen. Dazu muss mich wirklich niemand zwingen.

Die Einsamkeit, die du erwähnst, hört man im Stück "The Fighter" deutlich heraus.Ich weiß. Angst ist auch ein Thema in dem Song. Ich hasse es, Angst zu haben, aber ich muss mich ihr hin und wieder stellen. Ich stelle mir vor, wie ich im Auto sitze, in New Jersey die Ausfahrt nehme, und plötzlich kriecht die Angst in mir hoch. Das Leben fliegt immer so vorbei, man kommt so selten zum Innehalten und Reflektieren, und wenn man es gelegentlich tut, dann erschrickt man: Bin ich wirklich schon 50 Jahre alt? Singe ich tatsächlich schon seit 30 Jahren in dieser Band? Ich habe in diesen drei Jahrzehnten ganz sicher mehr erlebt und gesehen als die meisten anderen Menschen in ihrem kompletten Leben. Ich habe Sachen gemacht und erreicht, die ich mir in den wildesten Träumen nicht hätte ausdenken können. Auf der anderen Seite kann der Hörer ruhig wissen, dass der Ich-Erzähler weder unfehlbar noch ohne Ängste oder Selbstzweifel durchs Leben geht. Aber dieser Ich-Erzähler, der hier vor dir sitzt, hat eine anständige Rückhand, kann laufen und sich aus unguten Situationen befreien (lacht).

Auf dem Album gibt es die schöne Ballade „Amen“. Ich wusste gar nicht, dass du religiös bist.Wenn, dann bin ich eher spirituell als religiös. "Amen" ist kein Liebeslied, sondern ein Song über einen Aufriss. Mit diesem Song kriegst du jede rum, das kann ich dir versprechen (lacht), entschuldige meine Ausdrucksweise.

Was genau ist die Geschichte?Die beiden treffen sich, die Funken fliegen und es ergibt sich eine Einheit aus zwei Körpern. Ganz einfach. Und anstatt ein lebenslanges Versprechen abzugeben, genießen diese beiden einfach ihre Zeit zusammen. Ich sage mal so: Die Frau ist und bleibt schließlich Gottes größtes Geschenk an die Menschheit, deshalb auch der Titel "Amen".

Ich bin mir sicher, "Amen" hast du deiner Frau noch nicht vorgespielt.Doch, doch, Dorothea kennt das Lied und sagt auch: Mit dem Song kriegst du sie alle. Natürlich entwickelt sich keine große Diskussion anhand eines solchen Liedes bei uns zu Hause. Ich mache diesen Job seit 30 Jahren. Ich bin ein Geschichtenerzähler. Die Ideen können von überall herkommen.

"in den vergangenen drei Jahren bin ich derbe gealtert"

Auch wenn Du sagst, Du fühlst dich alt, siehst Du immer noch ordentlich jung aus. Wie kriegst Du das hin?Puh, ich habe keine verdammte Ahnung. Tagsüber trinke ich viel Wasser, abends manchmal Wein. Ich habe kein Geheimrezept für die ewige Jugend.

Nochmal: Was hält dich jung?Sehe ich denn wirklich so jung aus? Ich finde, in den vergangenen drei Jahren bin ich derbe gealtert. Ich habe mir gestern noch unsere aktuellen Pressefotos angeguckt und nur gedacht "Verdammte Scheiße, ich werde alt". Wirklich wahr. Aber was willst du machen? Ich habe kein Bock, mit Botox herumzuhantieren oder mir irgendwas an den Augen machen zu lassen. Oder Haarteile. Igitt. Nee, das ist für mich alles nichts.Ein weiteres, sich wiederholendes, Bild auf dem neuen Album ist: Sich die Hände schmutzig machen, anpacken, malochen. Ach, selbstverständlich. Ich packe an, ich gehe dorthin, wo die Arbeit schwer ist und gemacht werden muss. Ich setze mich ein. Darum geht es auch in unserem Restaurant "Soul Kitchen" in New Jersey. Wir haben das Restaurant jetzt seit ungefähr zweieinhalb Jahren, und es bedeutet mir sehr viel, auf diese Weise zu helfen.

In der "Soul Kitchen" können die Leute essen und so viel bezahlen, wie sie wollen?Nein, das muss ich präzisieren. Du kannst nicht einfach kommen, essen und wieder gehen. Das wäre nicht richtig. Ein jeder muss sich nach seinen Möglichkeiten einsetzen und etwas beitragen. Wenn du hungrig bist, aber nicht die zehn Dollar für das Dreigangmenu hast, das wir jeden Tag anbieten, möchten wir, dass du freiwillige Arbeit leistest: Servietten faltest. Geschirr spülst, solche Sachen. Es ist wirklich ein schönes Restaurant mit Silberbesteck, Kellnern und allem. Das ist keine Armenküche.

Kann ich dich dort in der Küche antreffen, wenn ich Glück habe?Anfangs hast du mich dort öfters getroffen als zuletzt. Denn, wenn ich im Restaurant bin, nehme ich jemand anderem den Job weg, der sich in Würde sein Essen verdienen möchte. Und so viel Spaß mir die Arbeit in der "Soul Kitchen" auch macht und so herrlich scheißegal es da den Leuten ist, dass ich da ein Prominenter bin, habe ich beschlossen, nur noch zum Hallo-Sagen und Essen vorbeizuschauen und mich ansonsten um die Spenden zu kümmern.

Apropos Prominenter: Du wirkst stets sympathisch unbeeindruckt vom Berühmtsein.Echt, das interessiert mich einen Scheiß! Ich brauche das für mein Leben nicht, es bedeutet mir rein gar nichts. Ich bin so sehr der Typ von Nebenan, wie ich es in meinem Job überhaupt sein kann.

Kurz & kompakt

  • Die Band Bon Jovi feiert in diesem Jahr ihren 30. Geburtstag.
  • Das im März erschienene neue Album "What about now" erreichte in den US-Charts Platz 2.
  • Im Mai und Juni ist Bon Jovi auf Tournee in Deutschland, in
  • München (18.05.), Berlin (18.06.), Stuttgart (21.06.) und Köln (22.06.).
  • Mehr zu Bon jovi gibt's im Netz unter www.bon-jovi.de und facebook.de/BonJovi

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