Lerntypen Individualität
Jeder lernt auf eine individuelle Weise, die durch den jeweiligen Lerntypen bestimmt werden kann. I Foto: Fauxels / Pexels
Autor

15. Sep 2022

Hannah Dautzenberg

Lerntipps

Lerntypen: Das solltest du wissen!

Den eigenen Lerntyp erkennen

Die Kursinhalte, Vorlesungen und anschließende Prüfungen innerhalb eines Studiengangs sind für alle Studenten /-innen einheitlich oder werden nach einem strukturierten System vorgegeben. Der Weg dahin ist für jede /-n aber ein anderer, denn: Ein Studium und damit auch das Lernverhalten ist eine ganz individuelle Thematik. Um das Lernverhalten optimieren zu können und in Klausuren sowie Projekten bessere Ergebnisse erzielen zu können, ist es wichtig, den persönlichen Lerntypen herauszufinden. So können die Lernmethoden darauf abgestimmt werden und dein gesamtes Studium wird dir leichter fallen. Bei uns erfährst du, welche verschiedenen Lerntypen es gibt, wie du deinen Lerntypen herausfinden kannst und welche Lernmethoden zu deinem Lerntypen passen.


Inhaltsverzeichnis 

  1. Definition
  2. Lerntypen
  3. Einordnung
  4. Methoden
  5. FAQ
  6. Überblick

Definition Lerntypen: Jeder ist anders

Jede Person verfügt über fünf Sinne, mit denen er/sie die Welt wahrnimmt. Dazu zählen

  • Sehen
  • Hören
  • Fühlen
  • Riechen 
  • und Schmecken.

Nur durch diese fünf Sinne ist es uns überhaupt möglich, mit unserer Außenwelt in Verbindung zu stehen, kommunizieren zu können und einen Zugang zu unserer Umwelt zu haben. Wenn wir etwas lernen wollen, sind ebenfalls unsere fünf Sinnesorgane dafür verantwortlich, die Informationen in unser Gedächtnis zu bringen und sie dort zu speichern. Allerdings sind die Sinnesorgane nicht bei jedem Menschen gleich ausgeprägt oder beschaffen. Das hat zur Folge, dass wir automatisch auch unterschiedlich lernen. Neben den Sinnesorganen spielen natürlich auch Gewohnheiten und Vorlieben eine Rolle, die uns seit der Kindheit prägen. Es ist wichtig, unseren Lerntypen zu kennen, um nicht gegen unsere Natur zu lernen und den Lernprozess dadurch unnötig schwierig zu gestalten. Wenn wir mit unserem Lerntypen arbeiten, gelingt uns ein viel leichteres Aufnehmen der zu lernenden Informationen und unser angepasstes Lernverhalten bewirkt dadurch bessere Ergebnisse.

Lerntypen beschreiben Grundformen unseres Verhaltens in einer Lernsituation. Der Begriff steht für die verschiedenen Wege des Lernens, durch die jeder in seiner/ihrer individuellen Art und Weise Lerninhalte aufnehmen kann. Mit einem tieferen Verständnis für den persönlichen Lerntypen kann das Lernen erleichtert werden und vor allem der Frust über bisherige Lernmethoden überwunden werden, die nicht zum gewünschten Erfolg geführt haben. Die Einteilung in die verschiedenen Lerntypen erfolgt vor allem über die Analyse und das Bewusstwerden des individuellen Wahrnehmungstypen. Dadurch kannst du deine Fähigkeiten besser einschätzen und sie an deinen Lernprozess anpassen. Projekte wie Vokabeln lernen, Inhalte auswendig lernen und sogar Fremdsprachen lernen gehen so bedeutend leichter von der Hand. 

Lerntypen

Grundsätzlich lassen sich Lerntypen in fünf verschiedene Stile einteilen:

  • den auditiven Lerntyp (den/die Zuhörer/-in),
  • den visuellen Lerntyp (den/die Betrachter/-in)
  • den kognitiv-intellektuellen Lerntyp (der/die Denker/-in)
  • den haptisch-kinästhetischen Lerntyp (der/die Praktiker/-in)
  • und den kommunikativen Lerntyp (der/die Diskutierer/-in).

Im Folgenden gehen wir genauer auf die einzelnen Typen ein, damit du ein klareres Verständnis darüber erhältst, was sich hinter den jeweiligen Lerntypen verbirgt.

Der auditive Lerntyp (der/die Zuhörer/in)

Auditive Lerntypen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie problemlos und über eine längere Zeit zuhören können und die gehörten Informationen verinnerlichen. Die Aufmerksamkeit von auditiven Lerntypen nimmt erst nach längerer Zeit ab, weshalb Vorlesungen besonders gut für sie geeignet sind. Die Notizen fallen bei diesem Lerntyp häufig gering aus, da die volle Konzentration auf dem Zuhören liegt. Wenn du zu der Gruppe der Zuhörer gehörst, fällt es dir in der Regel eher schwer, schnell zu lesen und die Inhalte zu verstehen. Auch bei Abbildungen wie Grafiken oder Diagrammen bevorzugst du es, die Informationen darüber eher aus einer mündlichen Besprechung zu erhalten, anstatt nur mit dem Betrachten der Grafiken weiterzukommen. Dafür bist du stark darin, deine Sätze erst im Kopf genauestens auszuformulieren, bevor du sie aufschreibst. 

Du gehörst zur Gruppe der auditiven Lerntypen, wenn: 

  • du über längere Zeit gut zuhören kannst
  • du eher kurze Notizen verfasst und deine Konzentration auf dem Zuhören liegt
  • du Probleme mit schnellem Lesen hast
  • du Grafiken und Diagramme lieber in einer mündlichen Besprechung reflektierst
  • du Sätze erst genauestens im Kopf ausformulierst, bevor du sie aufschreibst.

Lerntypen visuell


Der visuelle Lerntyp (der/die Betrachter/in)

Visuelle Lerntypen lieben Infografiken, Diagramme, Bilder und Videos über die zu lernenden Inhalte. Visuell aufbereitete Informationen prägen sich bei diesen Menschen enorm gut ein, schwerfällt es ihnen dagegen, wenn sie nur durch einen Text oder gesprochene Inhalte etwas lernen müssen. Sobald in der Vorlesung oder dem Seminar eine Abbildung integriert ist, steigt die Aufmerksamkeit und die Merkfähigkeit. Außerdem sind die Betrachter wesentlich konzentrierter bei Vorlesungen, die von Dozenten oder Professoren gehalten werden, die viel gestikulieren oder eine bildstarke Sprache benutzen. Wenn du zum visuellen Lerntyp zählst, sind die Notizen mit Symbolen, Grafiken und Skizzen gespickt, ausformulierte Texte notierst du während der Vorlesung eher selten.

Du gehörst zur Gruppe der visuellen Lerntypen, wenn: 

  • du am liebsten mit Infografiken, Diagrammen, Bildern oder Videos Lerninhalte aufnimmst
  • es dir schwerfällt, mit Texten zu arbeiten
  • du gesprochene Lerninhalte selten langfristig verinnerlichst
  • es dir leichter fällt, Personen zuzuhören, die viel gestikulieren
  • deine Notizen viele Symbole, Grafiken oder Skizzen enthalten.

Der kognitiv-intellektuelle Lerntyp (der/die Denker/-in) 

Kognitiv-intellektuelle Lerntypen benötigen Zeit, um über die Lerninhalte nachdenken zu können, bevor sie sich diese dauerhaft merken. Erst, wenn sie die Informationen verstanden und tief durchdrungen haben, können sie diese langfristig anwenden. Sie müssen sich kritisch mit dem Stoff auseinandersetzen, um ihn im Gedächtnis zu behalten. Wenn sie die Inhalte nur lesen, hören oder notieren, bleibt davon nahezu nichts hängen. Stattdessen müssen sie sich im Anschluss an die Informationsaufnahme ganz konkret damit auseinandersetzen, kritische Fragen stellen und recherchieren. Nach der intensiven Beschäftigung mit dem Thema können sie dann langfristig auf das Gelernte zurückgreifen. 

Du gehörst zur Gruppe der kognitiv-intellektuellen Lerntypen, wenn: 

  • du tief in Themen einsteigen musst, um sie zu verinnerlichen
  • dir das Lesen, Hören oder Sehen von Lerninhalten nur kurzfristige Erfolge bringt
  • du dich gerne kritisch mit Themen auseinandersetzt
  • du dich intensiv mit Themen beschäftigen musst, um langfristig auf die Inhalte zurückgreifen zu können

Der haptisch-kinästhetische Lerntyp (der/die Praktiker/-in)

Dieser Lerntyp setzt sich aus zwei Begriffen zusammen: der Haptik und der Kinästhetik. Während das Wort Haptik für die "Lehre vom Tasten" steht, bezeichnet die Kinästhetik die "Lehre von der Bewegungsempfindung". Was komplex klingt, ist eigentlich ganz simpel: Der haptisch-kinästhetische Lerntyp lernt vor allem durch Praxiserfahrungen, also eigenes Ausprobieren und Anpacken. Wenn du mit deinen Händen etwas anfassen kannst und praktische Aufgaben erledigst, lernst du als haptisch-kinästhetischer Lerntyp am besten. Wenn du deine Hände einsetzen kannst, bleiben die meisten Informationen hängen. Das muss nicht zwangsläufig auf dem handwerklichen Weg passieren, auch Rollenspiele oder Computerprogramme mit Praxisbezug sind für dich ein besserer Lernweg, als das Lesen oder Hören von Texten und Lerninhalten. Du musst das zu Lernende in konkreten Situationen umsetzen und den praktischen Nutzen begreifen, um auf das Gelernte auch zu einem späteren Zeitpunkt zurückgreifen zu können.

Du gehörst zur Gruppe der haptisch-kinästhetischen Lerntypen, wenn: 

  • du Dinge ausprobieren und vor allem anpacken musst, um einen Zugang zu ihnen zu finden
  • du den praktischen Nutzen verstehen musst, um ein Interesse zu entwickeln
  • du mit Texten, Grafiken, Videos oder Audiodateien weniger anfangen kannst, als mit konkreten Gegenständen
  • du durch Rollenspiele Inhalte verinnerlichen kannst

Lerntypen kommunikativ


Der kommunikative Lerntyp (der/die Diskutierer/-in)

Menschen, die zur Gruppe der kommunikativen Lerntypen gehören, gehen in Gruppenarbeiten auf und finden diese wesentlich hilfreicher als Vorlesungen. Sie brauchen den Austausch untereinander, um Lerninhalte zu verstehen und miteinander verbinden zu können. In Diskussionen und Gesprächen kommen sie zu viel weitreichenderen Erkenntnissen, die sie sich merken können. Das bloße Lesen eines Textes oder Zuhören im Hörsaal hinterlässt bei ihnen kaum Informationen, auf die sie später noch zurückgreifen können. Sobald die Kommunikation jedoch im Mittelpunkt steht, sei es bei selbst gehaltenen Vorträgen oder gemeinschaftlichen Diskussionen, können sie sich an die Sachverhalte und das Gelernte viel besser erinnern. 

Du gehörst zur Gruppe der kommunikativen Lerntypen, wenn: 

  • du dich in Lerngruppen wohlfühlst
  • du Inhalte über Diskussionen und Gespräche aufnehmen kannst
  • du durch das Halten von Vorträgen auch die Informationen darin verinnerlichst
  • du durch Texte lesen und zuhören in Vorlesungen nur wenig Informationen langfristig aufnimmst

Literaturverzeichnis HinweisTipp: Zusätzlich zur richtigen Lernmethode, ist auch deine Konzentrationsfähigkeit enorm wichtig fürs Lernen. Deine Konzentration steigern kannst du zum Beispiel mit Gedächtnistraining und Konzentrationsübungen.


Einordnung

Im Internet kursieren diverse Online-Tests, mit deren Hilfe du deinen persönlichen Lerntypen herausfinden können sollst. Natürlich kannst du solche Test zur groben Einordnung absolvieren, allerdings solltest du diese Tests nur als oberflächliche erste Kategorisierung sehen. Die Tests können dabei helfen, sich mit seinen Stärken und Schwächen zu beschäftigen oder reflektierende Fragen zum eigenen Lernverhalten zu stellen. Allerdings wird das Testergebnis in der Regel nicht ausreichen, um deinen tatsächlichen Lerntypen festzustellen. Denn was die meisten Tests außer Acht lassen: Das individuelle Lernverhalten setzt sich bei den meisten Menschen aus einer Kombination unterschiedlicher Lerntypen zusammen. Die wenigsten können "nur" auditiv lernen oder sind "nur" auf visuelle Lerninhalte beschränkt. Viele von uns besitzen in allen Bereichen Stärken und Schwächen, die wir einordnen und reflektieren müssen, um unsere Stärken am Ende sinnvoll nutzen zu können. 

Lernmethoden

Sobald du festgestellt hast, welche von den oben genannten Lerntypen bei dir ausgeprägt sind, kannst du mit diesem Wissen Methoden und Strategien entwickeln, die dir zukünftig beim Lernen helfen können. Dafür zeigen wir dir im Folgenden verschiedene Methoden, die für die unterschiedlichen Lerntypen hilfreich sein können. 

Methoden für den auditiven Lerntyp (den/die Zuhörer/-in)

  1. Verpasse keine Vorlesung! In Vorlesungen kannst du viel verinnerlichen, weswegen du hier nicht schwänzen solltest. 
  2. Höre Podcasts! Visuelle Medien helfen dir am besten, Lerninhalte zu verinnerlichen. Höre daher Podcasts, die sich mit deinen Studieninhalten befassen oder nimm eigene auf, indem du die Lerninhalte einsprichst. 
  3. Lies laut! Wenn du um Texte lesen nicht herumkommst, lies dir die Texte selbst laut vor. So bleibt für dich das Meiste hängen. 

Methoden für den visuellen Lerntyp (den/die Betrachter/in)

  1. Visualisiere so viel du kannst! Transformiere Lerninhalte in Schaubilder und Grafiken, um dir die Inhalte besser einprägen zu können. 
  2. Schau Videos! Suche nach Videos, die sich mit deinem Lernthema beschäftigen und schaue dir diese an, um möglichst viele Lerninhalte zu verinnerlichen.
  3. Erschaffe geistige Bilder! Denke dir ein Bild vor deinem inneren Auge zu den verschiedensten Lerninhalten, welches du dann in der Prüfung abrufen kannst.

Methoden für den kognitiv-intellektuellen Lerntyp (den/die Denker/-in)

  1. Recherchiere online! Um die Themen genauer zu durchdringen, kannst du Recherchen im Internet durchführen, die dich zu verschiedensten Websites bringen, mit denen du die Lerninhalte genauestens durchdenken kannst.
  2. Recherchiere offline! Suche nach Büchern oder Zeitschriften, die sich mit deinem Lernthema beschäftigen, um auch offline näher darin einsteigen zu können.
  3. Nimm dir Zeit! Es ist wichtig für dich, die Themen genauestens zu durchdenken. Daher solltest du dich nicht unter Zeitdruck setzen und von Beginn an genug Zeit einplanen.

Methoden für den haptisch-kinästhetischen Lerntyp (der/die Praktiker/-in)

  1. Kreiere Übungen! Schaffe dir selbst Übungen zu theoretischen Themen, um so die Theorie in die Praxis führen zu können.
  2. Gestalte Lernmaterial! Wenn du Inhalte nicht in die Praxis umsetzen kannst, versuche wenigstens, dein Lernmaterial praktisch zu gestalten, damit du etwas in den Händen hältst. Dazu eignen sich beispielsweise Karteikarten oder Lernplakate.
  3. Nutze Konzentrationsgegenstände! Stressbälle oder andere Gegenstände, die du in den Händen halten kannst, während du dich mit theoretischen Inhalten beschäftigst, können deine Konzentration steigern.

Methoden für den kommunikativen Lerntyp (der/die Diskutierer/-in)

  1. Sprich über den Stoff! Tausche dich mit deinem sozialen Umfeld über deine Lerninhalte aus - egal ob mit Kommilitonen /-innen, Freunden /-innen oder der Familie.
  2. Halte Vorträge! Gestalte Vorträge zu deinem Lernthema, die du entweder vor dir selbst oder einer anderen Person halten kannst.
  3. Erkläre die Inhalte! Suche dir eine Person, der du deine Lerninhalte erklären kannst. Im Idealfall kannst du mit dieser Person im Anschluss auch über die Inhalte diskutieren, damit du den Stoff noch besser verinnerlichst.

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FAQ: Häufige Fragen

Welche Lerntypen gibt es?

Insgesamt gibt es fünf verschiedene Lerntypen. Diese sind der auditive Lerntyp, der visuelle Lerntyp, der kognitiv-intellektuelle Lerntyp, der haptisch-kinästhetische Lerntyp und der kommunikative Lerntyp.

Welche Lerntypen gibt es am häufigsten?

Die meisten Menschen gehören zum visuellen Lerntyp. Damit nehmen sie Inhalte am leichtesten über Bilder, Grafiken und Darstellungen auf.

Wie erkenne ich unterschiedliche Lerntypen?

Um den Lerntypen festzustellen, kannst du verschiedene Online-Tests machen oder dein Lernverhalten genauestens analysieren. Wichtig ist dabei, dass du am Ende wahrscheinlich nicht einem klaren Lerntypen zuzuordnen sein wirst, sondern vielmehr einem Mix verschiedener Lerntypen entsprichst. 

Lerntypen im Überblick

  • Menschen lernen Inhalte auf unterschiedliche Art und Weise. Das liegt vor allem an den unterschiedlich ausgeprägten Sinneswahrnehmungen.
  • Die verschiedenen Arten zu lernen werden in fünf Lerntypen kategorisiert. 
  • Die fünf Lerntypen sind: der auditive Lerntyp, der visuelle Lerntyp, der kognitiv-intellektuelle Lerntyp, der haptisch-kinästhetische Lerntyp und der kommunikative Lerntyp.
  • Wichtig ist, dass kaum jemand nur einem Lerntypen zuzuordnen ist. Das Lernverhalten der meisten Menschen entspricht einem Mix aus verschiedenen Lerntypen.
  • Je nach Lerntyp gibt es verschiedene Methoden, die einem das Lernen erleichtern können.

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