Organspende
Du hast noch keinen Organspendeausweis im Portemonnaie? Dann wird es höchste Zeit | Foto: BZgA

Zündstoff

29.03.2017

Trauerbegleitung

Auch wenn es schwer fällt: Wir müssen über Tod und Trauer reden

Der Tod eines Menschen tritt eine ganze Welle an Gefühlen los, mit denen man gar nicht umzugehen weiß. UNICUM hat bei einer Expertin nachgefragt, was beim Umgang mit Trau ... mehr »

Autor

21. Feb 2018

Nina Weidlich

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Organspende: Ja oder nein? Erst informieren, dann entscheiden

Allgemeine Infos zur Organspende

Die wenigsten Menschen beschäftigen sich mit dem eigenen Tod. Vor allem, wenn man noch jung ist, liegt das Thema Sterben – und damit auch die Organspende – in unendlich weiter Ferne. Fakt ist aber: Jeder kann in diese Situation kommen, und viele Unbekannte sind auf die Hilfe von anonymen Spendern angewiesen. Momentan warten in Europa rund 15.000 Menschen auf ein lebensrettendes Organ. Deshalb ist es wichtig, dass du dich früh genug mit dem Thema Organspende beschäftigst und für dich selbst herausfindest, wie du damit umgehen möchtest.

Der Tod kann auf zwei verschiedene Art und Weisen eintreten: Durch Hirntod oder Herzstillstand. Beim Hirntod versagt die Durchblutung des Gehirns, die weiteren Körperfunktionen können aber weiterhin künstlich aufrechterhalten werden. Für die Organspende ist das wichtig, denn nur wenn das Herz noch schlägt und die Organe weiterhin durchblutet werden, können sie für eine Spende genutzt werden.

Eine Organspende ist daher nur möglich, wenn der Hirntod eines Patienten einwandfrei festgestellt wurde. Um Fehldiagnosen zu vermeiden, werden hierzu zwei unabhängige Fachärzte zu Rate gezogen. Diese Ärzte sind nicht identisch mit denen, die später die Transplantation durchführen. Die Sorge, dass Pflegekräfte den Hirntod feststellen oder ein Patient zu früh für tot erklärt wird, ist deshalb grundsätzlich unbegründet.

Hat der Patient zu Lebzeiten einer Organspende zugestimmt, wird sein Herz-Kreislauf-System nach dem Tod eine Zeitlang künstlich aufrechterhalten, um die Organe nicht zu beschädigen. Zusätzlich verabreicht der behandelnde Arzt eine Art Narkose. Diese dient aber nicht der Vermeidung von Schmerzen – nach dem Hirntod verspürt der Verstorbene sowieso keine Schmerzen mehr – sondern dient der Durchblutung der Organe und der Muskelentspannung.

In den miesten Fällen tritt der Herzstillstand (auch: klinischer Tod) vor dem Hirntod ein – deshalb ist eine Organtransplantation oft gar nicht möglich. Eine Gewebespende kann aber auch nach dem Herzstillstand vorgenommen werden. Welche Organe und Gewebe gespendet werden können, siehst du in unserer Grafik weiter unten.

Organspende in Deutschland: Die Entscheidungslösung

Die Organspende ist in Deutschland seit 1997 im Transplantationsgesetz geregelt. Seit dem 01. November 2012 gilt hierzulande die Entscheidungslösung. Das bedeutet, dass du ab deinem 16. Geburtstag von deiner Krankenkasse oder der Versicherung regelmäßig Infomaterial zur Organspende in deinem Briefkasten findest  – den Organspendeausweis gibt es gleich mit dazu. Ab 16 kannst du also selbst entscheiden, ob du deine Organe nach deinem Tod spenden möchtest oder nicht. Bereits ab dem 14. Lebensjahr ist es möglich, die Organspende zu verweigern, davor liegt die Entscheidung bei den Eltern.

Die Entscheidungslösung soll sicherstellen, dass sich jede in Deutschland lebende Person von Zeit zu Zeit mit der Frage auseinandersetzt, ob sie nach ihrem Tod ihre Organe spenden möchte oder nicht. Kampagnen, Materialien und die Webseiten der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung helfen dir dabei, dich zu informieren und auf der Grundlage dieser Informationen eine persönliche Entscheidung zu treffen.

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Der Organspendeausweis: Du hast die Wahl

In Deutschland ist die Organspende nur möglich, wenn du zu Lebzeiten deine Zustimmung dazu gegeben hast. Dein Einverständnis kannst du entweder in einer Patientenverfügung oder auf einem Organspendeausweis festhalten. Ist keines dieser Dokumente vorhanden, müssen deine Angehörigen entscheiden, ob Organe und Gewebe nach deinem Tod zur Spende freigegeben werden oder nicht. In jedem Fall solltest du mit einer Vertrauensperson über deine Entscheidung sprechen.

Den Organspendeausweis kannst du entweder im Internet herunterladen und selbst ausdrucken, oder dir kostenlos in Papier- oder Scheckkartenformat zusenden lassen. Um sicherzugehen, dass er im Todesfall schnellstmöglich gefunden wird, solltest du ihn mit deinen persönlichen Dokumenten im Portemonnaie aufbewahren.

Diese Angaben kannst du im Organspendeausweis machen

Auf dem Organspendeausweis kannst du ankreuzen, ob du im Todesfall generell für oder gegen eine Organspende bist. Außerdem hast du die Möglichkeit, nur bestimmte Organe und Gewebe für die Spende freizugeben oder ausgewählte Organe auszuschließen. Eine weitere Option ist, eine Vertrauensperson anzugeben, die im Fall des Todes die Entscheidung für dich treffen soll. Wichtig ist, dass du diese Person über deine Entscheidung informierst und sie auf dem Laufenden hältst, falls du deine Meinung änderst.

In dem Feld "Besondere Anmerkungen/Hinweise" ist Platz für Infos darüber, ob du eine schwerwiegende Erkrankung hast oder hattest oder ob du unter einer Allergie leidest. Auch die Person, die im Todesfall als erste benachrichtigt werden soll, kann hier eingetragen werden.

Die Entscheidung, die in deinem Organspendeausweis vermerkt ist, ist bindend und gilt auch im Ausland. Sie wird aber nirgendwo registriert und kann jederzeit geändert werden. Dazu musst du einfach den alten Ausweis vernichten und einen neuen beantragen. Vergiss nicht, in diesem Fall auch deine Familie zu informieren. In Zukunft soll es außerdem möglich sein, die Entscheidung über die Organentnahme auf der elektronischen Gesundheitskarte zu hinterlegen. Dies soll aber zunächst einmal auf freiwilliger Basis geschehen.

Die Vergabe von Organen ist zentral geregelt

Die Organvergabe läuft zentral über die Stiftung Eurotransplant in den Niederlanden. Hier werden alle Spender und Empfänger aus acht europäischen Ländern gelistet und der Organaustausch koordiniert. Zu den Mitgliedern von Eurotransplant zählen neben Deutschland auch Belgien, Kroatien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Ungarn und Slowenien – insgesamt gibt es in diesen Ländern 81 lokale Transplantationszentren.

Aktuell stehen rund 15.000 Menschen auf der Warteliste, pro Jahr kann Eurotransplant etwa 7.000 Organe vermitteln. Wer ein Organ bekommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Natürlich müssen Blutgruppe und Gewebetyp von Spender und Empfänger übereinstimmen, um Komplikationen zu vermeiden und die Erfolgschancen der Transplantation zu steigern. Außerdem fließen Kriterien wie die Wartezeit eines Patienten und die Dringlichkeit der Transplantation in die Entscheidung mit ein. All diese Bedingungen werden von Experten festgelegt und überprüft.

Woanders ist alles besser? So läuft die Organspende in anderen Ländern ab

In Deutschland gab es 2017 bundesweit nur 797 Organspender und 2.594 transplantierte Organe – damit ist der niedrigste Stand der letzten 20 Jahre erreicht worden. Obwohl laut einer bundeweiten Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) 81 Prozent der Organspende positiv gegenüberstehen, haben nur 36 Prozent ihre Entscheidung in einem Organspendeausweis oder einer Patientenverfügung festgehalten. Die meisten von ihnen gaben an, sich zu wenig mit dem Thema beschäftigt zu haben (42 Prozent), ein kleinerer Teil (16 Prozent) möchte sich einfach nicht damit auseinandersetzen.

In anderen europäischen Ländern sieht die Situation ganz anders aus: Spanien ist weltweit Spitzenreiter in Sachen Organspende und konnte im letzten Jahr über 5.000 Transplantationen durchführen. 46,9 Spender kommen dort auf eine Million Einwohner. Zum Vergleich: in Deutschland sind es 9,7 Spender pro Million. Aber was machen die Spanier anders? Dort gilt – wie in den meisten anderen europäischen Ländern auch – statt der Entscheidungslösung die Widerspruchslösung. Wer der Entnahme von Organen zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widerspricht, ist nach seinem Tod automatisch Organspender. Jeder, der 18 Jahre alt ist, wird also erst einmal als Spender erfasst, sofern er sich nicht aktiv dagegen entscheidet.

Zuletzt haben die Niederlande sich mit einer knappen Mehrheit für diese Regelung entschieden. Andere Länder mit Widerspruchslösung sind unter anderem Belgien, Italien, Kroatien und die Türkei. Auch in Deutschland ist die Einführung einer Widerspruchslösung aufgrund der sinkenden Spenderzahlen immer wieder Thema. Neben ethischen Bedenken wird aber häufig kritisiert, dass eine solche Lösung die Bürger bevormunden und eine selbstbestimmte Entscheidung verhindern würde. Auch Transplantationsskandale wie zuletzt 2012 sorgen immer wieder für Skepsis in der deutschen Bevölkerung. Damals kam es zum Beispielin Göttingen, Regensburg und München zu Fälschungen von Krankenakten, wordurch Patienten schneller an ein Spenderorgan kommen sollten. Seitdem sind die Strafen für solche Vergehen verschärft worden, außerdem sollen regelmäßige Kontrollen und das zentrale Transplantationsregister dafür sorgen, das Vertrauen der Bevölerung zurückzugewinnen.


Weitere Infos zum Thema Organspende findest du auf den Seiten des Bundesamtes für gesundheitliche Aufklärung. Dort kannst du auch kostenlos einen Organspendeausweis beantragen.

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