Weinwissen
Lieblich, halbtrocken oder trocken? Weine können schon verwirren! | Foto: Thinkstock/ViewApart
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30. Aug 2017

Ann-Christin Kieter

Studentenfutter

Hoch die Gläser: Weinkunde für Dummies

Weinfachhandel vs. Supermarkt-Regal 

Eine Flasche Wein ist das ideale Mitbringsel für den Gastgeber einer schickeren Party oder eines Dinners. Nur muss es dann auch das richtige Tröpfchen sein. Und jetzt? Die Flasche mit dem schönsten Etikett kaufen? Kann man machen. Dann aber eher als Entscheidungshilfe, wenn mehrere passende Weine schon in der engeren Auswahl sind. Und die findet man am besten im Fachgeschäft, rät Weinkenner und Autor Marcus Reckewitz (Lexikon "Populäre Wein-Irrtümer").

Und bevor du jetzt aufschreist: "Das ist viel zu teuer für mein schmales Studentenbudget!", lass dir vom Profi gesagt sein: Auch dort bekommt man durchaus Weine zu ähnlichen Preisen wie im Supermarkt oder Lebensmitteldiscounter. Und der große Vorteil: Statt einer schnöden Beschilderung am Regal erwartet dich einer Weinhandlung eine fachmännische Beratung.

Ab fünf Euro geht es auch im Fachgeschäft schon los 

Falls du dich bisher davor gescheut hast, ein Weingeschäft zu betreten, werden dich diese Geldbeträge beruhigen: "Weißweine gibt es schon für knappe fünf Euro. Die sind dann zwar relativ belanglos, aber handwerklich gut gemacht und problemlos trinkbar", weiß Marcus Reckewitz. Wenn es etwas spannender werden soll, müsse man ihm zufolge sechs bis sieben Euro ausgeben.

Und was kostet wohl so ein "Alltags-Wein" eines echten Kenners? "Meiner liegt irgendwo bei acht bis 15 Euro." Du siehst: Auch wer weniger investieren kann oder will, wird im Weinladen fündig.  

Welchen Wein bringe ich mit, wenn ich irgendwo eingeladen bin?

Selbst wenn du nun vorhast, dich einem Fachhändler anzuvertrauen und ihm die Auswahl des passenden Weins zu überlassen, musst du ihm zumindest beschreiben können, für welchen Anlass du den Wein benötigst und in welche Richtung es grundsätzlich gehen soll. Dafür muss man sich vor Augen halten, wem man den Wein mitbringt. Wir sind mit Marcus Reckewitz  drei mögliche Szenarien durchgegangen.

Szenario 1: Der Beschenkte ist Weinkenner

Wer einem echten Profi eine Freude machen will, sollte sich unbedingt informieren, welche Weinregion oder zumindest welches Land bevorzugt wird. Laut Reckewitz gebe es zwar offene und neugierige Weinkenner, bei denen man experimentieren könne, aber die meisten hätten eben doch ganz bestimmte Vorlieben: "Der Chianti-Liebhaber wird in den wenigsten Fällen empfänglich sein für einen Bordeaux."

Außerdem sollte man wissen, ob der Wein sofort getrunken wird. Denn dann muss er trinkreif sein. Falls es eher einer sein soll, der noch ein paar Jahre reifen muss, sollte man das Alter des Beschenkten berücksichtigen: "Ein Wein, der noch 20 Jahre liegen muss, macht bei einem 70-Jährigen mitunter wenig Sinn."

Szenario 2: Kompromiss für eine größere Gruppe

Will man mit einem Wein gleich mehrere Leute glücklich machen, muss dieser möglichst unverfänglich sein. Im Weißwein-Bereich sind das zum Beispiel der Weißburgunder, Grauburgunder, Chardonnay oder Lugana vom Gardasee. Momentan sehr en vogue sei zudem der Sauvignon Blanc oder ein Grillo im Sommer, so Marcus Reckewitz. Bei diesen Weinen könne man dann ruhig die trockene Variante der halbtrockenen vorziehen, weil sie eine gewisse Frische haben und eher fruchtig und blumig sind.

Oder anders ausgedrückt: "Das sind Weine, die eigentlich jedem durch die Kehle gleiten." Rot und massenkompatibel hingegen seien gefällige Spanier oder Chianti sowie die sehr beliebten Rhône-Weine, die ein bisschen fruchtiger sind. Nur bei sehr jungen Bordeaux ist Vorsicht geboten: "Die können einem die Geschmacksknospen weghauen!"

Szenario 3: Der Beschenkte ist Weinanfänger

Ist dein Gegenüber in Sachen Weine noch genauso planlos wie du selbst, kannst du im Grunde nicht viel falsch machen. Denn Amateure wollen wissen, was es alles gibt, und sind sehr experimentierfreudig. Du könntest zum Beispiel gleich zwei Flaschen mitbringen, einen ganz billigen und einen teureren der gleichen Sorte – einfach, um mal zu schauen, worin der Unterschied liegt und ob sich der Preis im Geschmack bemerkbar macht. Oder du tust dich mit mehreren Leuten zusammen und ihr schenkt eine Reise durch die Weinregionen, indem ihr verschiedene regionaltypische Klassiker auswählt.



Je leichter das Gericht, desto leichter der Wein

Wenn es dir weniger um ein Geschenk geht, sondern viel mehr um das passende Getränk zum Essen, ist es gut zu wissen, welcher Wein zu welchen Gerichten passt. Die Grundregel lautet: Je leichter die Speise, desto leichter sollte auch der Wein sein. "Sonst zerhauen Sie sich das Essen", warnt Marcus Reckewitz und empfiehlt zu dezenten Gerichten einen duftigen Wein, der sich nicht in den Vordergrund drängt. Dabei ist die Bandbreite bei den Weißweinen ein bisschen größer als bei den Roten. Eine genaue Übersicht findest du in unserer Infografik oben. Übrigens weiß der Experte, dass Weine häufig zu warm getrunken werden. Sein Tipp: "Auch Rotweine dürfen immer Sommer gerne ein bisschen runtergekühlt werden."

Ist das Essen kräftiger im Geschmack, braucht man einen "etwas brummigen" Wein, der dagegenhält. In der Regel sind das Rotweine, wobei die Bandbreite gigantisch ist. Es dürfen ruhig Tannine, also Gerbstoffe, enthalten sein, die ein leicht pelziges Gefühl im Mund hinterlassen. Ein bisschen Frucht hilft, gegen die Röstaromen anzustänkern. Kommt auch noch eine gewisse Schärfe ins Spiel, zum Beispiel beim Thailänder, darf es noch ein bisschen süßer werden, gefragt sind jetzt "mollige Weine, die den Mund so richtig schön vollmachen."

Beim Dessert angekommen, solltest du lieber auf einen Espresso umsteigen, sonst zahlst du dich dumm und dämlich. Der Wein müsste nämlich süßer sein als die Süßspeise und das ist nur bei extrem teuren Süßweinen der Fall: "Bei richtigen Spätlesen, Portweinen oder Sauternes aus Frankreich geht es ab 20 Euro los – bis etwa  50, 100 Euro pro Flasche."


Super für eine Recherche in der Welt der Weine ist die Seite von Captain Kork. Die dortigen Beschreibungen samt Menü-Vorschlägen überzeugen sogar unseren Experten Marcus Reckewitz.


Buch Populäre Wein-IrrtümerUNICUM Buchtipp

Populäre Wein-Irrtümer. Ein unterhaltsames Lexikon

Marcus Reckewitz

Anaconda Verlag

Preis: 7,95 Euro (gebundene Ausgabe, 160 Seiten)

 

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