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09. Jan 2015

Barbara Kotzulla

Archiv

Dschungelcamp: Würgereiz oder Wow-TV?

-ARCHIV-

Der UNICUM Schlagabtausch zur RTL-Show "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!"

Einschalten!

UNICUM Redakteurin Barbara (31) liebt "Game of Thrones". Da geht's zwar manchmal auch eklig zu, aber Kakerlaken hat noch niemand gegessen.

Ja, ich gestehe: Ich sehe mir das RTL-Dschungelcamp an. Schon seit Jahren. Für mich ist das TV-Ereignis ein sogenanntes "Guilty Pleasure". Also ein Vergnügen, für das man sich eigentlich schämen sollte. Merkwürdigerweise lasse ich mich ansonsten kaum von der Glotze berieseln, weil – genau! – mir alles zu stumpf und blöde ist.

Warum dann ausgerechnet "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus"? Zum einen legen die Moderatoren Sonja Zietlow und einst Dirk Bach, nun Daniel Hartwich eine Moderation auf's Parkett, die man in der deutschen (Privat-)Fernseh-Landschaft erst ein zweites Mal suchen muss. Bissig, böse und im höchsten Grad ironisch – großes Kino.

Zum anderen: Die Kandidaten. Anders als in vielen Shows werden hier keine ahnungslosen "Normalos" vor der Kamera vorgeführt. Die "Promis" wissen genau, worauf sie sich einlassen. Mir geht es dabei gar nicht um Känguru-Hoden oder nackte Silikon-Brüste, sondern vielmehr um die Dynamiken, die sich im Dschungel entwickeln. Da zeigt so mancher Möchtegern-Star unfreiwillig sein wahres Gesicht, da entwickeln sich Feindschaften, Verschwörungen und Zusammenhalt. Eine TV-gewordene Sozialstudie.

Außerdem – ich gestehe ein weiteres Mal – zieht 2015 ein Schwarm meiner Jugendzeit ein: Benjamin Boyce von "Caught in the Act". Oh, guilty, guilty Pleasure...

Abschalten!

UNICUM Redakteur Simon (33) hat noch nie im Dschungel Urlaub gemacht, zum Campen fährt er aber eh lieber nach Holland.

Es ist wieder so weit: Irgendwelche mir völlig unbekannten abgehalfterten B- bis Z-Promis werden von RTL in den australischen Dschungel geflogen, um die "Karriere" zu pushen. Unter den Augen und den zynischen Kommentaren von Sonja Zietlow und Daniel Hartwich lassen die Kandidaten keine Chance aus, jeglichen Rest an Würde zu verspielen.

Dabei schauten bei den acht bisherigen Staffeln im Schnitt 6,5 Millionen Menschen zu, wie sich die Dschungelkönige und -Königinnen Costa Cordalis, Brigitte Nielsen oder zuletzt Melanie Müller zum Affen machten. Der leidgeprüfte RTL-Zuschauer ergötzt sich daran, wie Schaben oder Kakerlaken von Promis mit Schulden, Alkoholsucht oder sonstigen Problemen in engen Tunneln gequält werden.

Wem das noch nicht reicht, darf sich garantiert darauf freuen, wie ausgehungerte Selbstdarsteller Tiergenitalien oder Körpersäfte verspeisen und trinken. Und das nur, um für die Camp-Mitbewohner Reis und schwarze Bohnen zu erspielen. Als Dankeschön werden sie dann direkt für die nächste Prüfung nominiert.

Anstelle sich diesen werbefinanzierten Menschenzoo zu geben, empfehle ich den Besuch in einem Streichelzoo. Gerade im Winter freuen sich die Tiere dort über jeden Besucher.


"Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!", allgemein als "Dschungelcamp" bekannt, startet am 16. Januar 2015 um 21.15 Uhr auf RTL. Die elf Kandidaten müssen sechzehn Tage lang Prüfungen über sich ergehen lassen, bevor am Ende die Zuschauer den/die "Dschungel-König/in" wählen. Mehr unter www.rtl.de

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