Diplomarbeit im Wolfsgehege
Katharina Stenglein verbringt ein halbes Jahr unter Wölfen | Foto: Privat
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17. Okt 2011

Anke-Elisabeth Schoen

Archiv

Fell-Forschung im Wolfsgehege

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Biologie-Diplomarbeit über die Vorfahren des Hundes

"Ich bin ihr Sozialpartner"

Wie kamst du zu deinem Diplomeinsatz im Wolfsgehege?
Vor meinen Diplomprüfungen in Zoologie, Botanik und Psychologie habe ich ein Praktikum im Weserbergland gemacht. Dort habe ich vier Timberwolf-Welpen mitbetreut und einer Doktorandin bei ihren Versuchen assistiert. Anschließend habe ich ein halbes Jahr als Urlaubssemester im Wolfscenter Dörverden gearbeitet. Zusammen mit meinem „Wolfshund“ Paula habe ich auf dem Gelände ein Zimmer bewohnt. Ich war vor allem für die Pflege der Tiere verantwortlich. Nun schreibe ich an meiner Diplomarbeit. 

Was fasziniert dich an Wölfen?
Sie sind anpassungsfähig, sehr vorsichtig und ihr Verhalten ähnelt dem eines Hundes. Das finde ich interessant.

Welche Rolle hast du bei den Wölfen? Bist du eher Rudeltier oder die Alpha-Wölfin?

Nur in Gefangenschaft lebende Wölfe haben eine Rangordnung. Ich bin sozusagen ein Sozialpartner. Wenn ich ins Gehege komme, freuen sich die Wölfe und ich kraule sie. Aber dann verschwinden sie auch wieder.

Erkennen dich die Tiere?

Ich habe letztes Jahr sechs Wölfe großgezogen. Die erkennen mich heute schon von Weitem. Aufgrund meines Gangs und meiner Stimme wissen sie, dass ich komme.

Schnuppern vorboten für Hündin Paula

Wie versteht sich deine Hündin Paula mit ihren „Vorfahren“?
Paula darf zwar mit in den Wildpark, aber Wolf und Hund können nicht aneinander schnuppern. Am Anfang hatte sie Respekt vor ihnen. Der Geruch ist zunächst einmal fremd. Aber das ist ganz normal, die meisten Hunde haben am Anfang Angst. Mittlerweile sind sie aneinander interessiert und kommunizieren miteinander.

Hast du schon einmal ein Rudel heulen hören? Was geht dir in so einem Moment durch den Kopf?
In freier Natur habe ich noch kein Rudel gehört, im Park natürlich schon. Das ist einfach total schön. Am Anfang habe ich immer innegehalten und zugehört. Wenn ich gerade bei ihnen bin, heule ich manchmal mit. Das ist total ergreifend. 

Wie finden Familie, Freunde und Kommilitonen deinen Einsatz?
Am Anfang waren viele besorgt. Jetzt sind alle total gelassen und sorgen sich nicht mehr um mich.

"Man braucht Geduld"

Wie ist es, mit Wölfen zu arbeiten?
Wenn ich eine Studie durchführen will, brauche ich sehr viel Geduld. Wölfe sind vom Menschen unabhängig und sehr ängstlich. Letztens hatte ich einen zusammengeklappten Zollstock mit im Gehege und sie sind vor mir weggerannt, weil sie den nicht kannten. Es sind viele Kleinigkeiten, mit denen ich vorher nicht gerechnet habe. Das macht es manchmal schwierig.

Wie geht’s weiter bei dir nach der Zeit im Wolfsgehege?
Ich schreibe meine Diplomarbeit für das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Nach meinem Studium möchte ich vielleicht promovieren oder in einem Wildpark arbeiten. Auf jeden Fall möchte ich mich gerne weiter mit Wölfen beschäftigen.

Abschließend: Was sagst du zum bösen Wolf im Märchen?
Es ist halt eine Geschichte. Wenn ein Tier in Konkurrenz zum Menschen steht, wird es schlecht gemacht. Bei den Fischern ist es der Kormoran, bei den Jägern der Wolf. Natürlich kann man nicht sagen, dass ein Wolf vollkommen ungefährlich ist. Die in Deutschland frei lebenden Wölfe würden aber sofort flüchten, wenn sie einen Menschen wittern.


Kurz & kompakt

  • Seit dem Ende der 90er Jahre wurden wieder vereinzelt frei lebende Wölfe in Deutschland gesichtet, hauptsächlich in Brandenburg und Sachsen.
  • Katharina Stenglein verbringt für ihre Diplomarbeit ein halbes Jahr unter Wölfen - zusammen mit ihrer "Wolfshündin" Paula.
  • Im Wolfcenter Dörvenden in der Nähe von Bremen ziehen Tierpfleger seit Mai 2010 wieder Wölfe von Hand auf.

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