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03. Feb 2015

Barbara Kotzulla

Archiv

Foxcatcher

-ARCHIV-

Das Oscar-nominierte Sport-Drama

Nach einer wahren Begebenheit

Multimillionär John du Pont (mit Nasenprothese: Steve Carell) errichtet auf seinem Anwesen in Pennsylvania ein Trainingslager für Ringer. Als Aushängeschild kann er Mark Schultz (Channing Tatum), Goldmedaillen-Gewinner der Olympischen Spiele 1984, in sein Team "Foxcatcher" locken. Bald entwickelt sich zwischen dem Sportler und dem reichen Mäzen eine seltsame, beinahe zerstörerische Freundschaft.

Nach dem erfolgreichen Start bei den Weltmeisterschaften eskaliert die Situation – du Pont verlangt einmal mehr von Mark, dass dieser seinen Bruder zu "Foxcatcher" holt. Dave (Mark Ruffalo), ebenfalls ein prämierter Ringer und Trainer, lässt sich nach langem Zögern auf einen Deal mit du Pont ein und zieht mit seiner Familie (u.a. Sienna Miller) auf das abgeschottete Privatgelände. Gemeinsam wollen sie für die Olympischen Spiele 1988 in Seoul trainieren, doch die Dreiecks-Beziehung zwischen dem Sponsor und seinen beiden Ringern steuert auf ein tragisches Ende zu...

Beklemmendes Drama um Macht und Einsamkeit

Was uns Regisseur Bennett Miller ("Moneyball") mit "Foxcatcher" serviert, ist weder ein leichtfüßiges Sport-Stück, noch ein bis ins kleinste Detail entschlüsseltes Psycho-Porträt. Vielmehr lässt der New Yorker Filmemacher das Meiste ungesagt und setzt stattdessen auf eine beklemmende Atmosphäre und auf ein erdrückendes Gefühl der Unwissenheit. Selbst nach der letzten Szene fragt man sich: Was ist auf dem Anwesen von du Pont wirklich passiert?

Vor der Kulisse des Ringer-Sports entfaltet er in äußert ruhiger Erzählweise eine mit Sogkraft versehene Geschichte um Macht und Einsamkeit, um Minderwertigkeitskomplexe und Sehnsucht. Im Zentrum steht dabei John du Pont, der – von seiner Mutter (Vanessa Redgrave) verachtet, im Schatten des "alten" Familiengeldes lebend – um jede Form der Anerkennung buhlt. Nachdem er Bücher geschrieben und Briefmarken gesammelt hat, sucht er sich mit der Förderung des Ringersports ein neues Hobby. Er will als Cheftrainer wahrgenommen werden, als Wohltäter für das amerikanische Volk, als Hoffnungsträger einer ganzen Nation. Selbst gibt sich du Pont den Spitznamen "Goldener Adler", der jedoch niemals fällt. 

In Mark, der ihm aus Dankbarkeit und freundschaftlicher Zuneigung bald wie ein Schoßhündchen folgt, hat er anfangs das perfekte Talent für sein Team gefunden. Obwohl Mark es ist, der "Foxcatcher" trainiert, kann sich du Pont nach außen als wichtigster Mentor und liebevolle Vaterfigur präsentieren. Nur er alleine ist für den Erfolg verantwortlich.

Als du Pont sich jedoch durch sein eigenes Zutun von dem Sportler enttäuscht sieht, kauft er sich Dave Schultz regelrecht ein. Dieser ist jedoch wesentlich charimatischer, einnehmender und dominater als sein kleiner Bruder. Dave tritt selbstbewusst als wichtigster Trainer von "Foxcatcher" auf, gibt Widerworte, schützt Mark vor dessen Zugriff und kann du Pont nur mit Widerwillen als "Mentor" bezeichnen.

Oscar-reife Schauspielleistung

Die Darsteller geben die feinen Nuancen, die sichtbaren wie verborgenen Motivationen ihrer Figuren beeindruckend an den Zuschauer weiter: Komiker Steve Carell ("Crazy, Stupid, Love"), kaum wiederzuerkennen unter seiner Maske, deutet den Wahnsinn in du Ponts Seele mal vage an, mal lässt er ihn sich leise entfalten. Mark Ruffallo ("Can a Song save your Live") bietet ihm als in sich ruhender Ringerprofi die Stirn. Beide Darsteller sind durchaus zu Recht für die Oscars 2015 nominiert – im gleichen Zuge ist es jedoch eine Schande, dass Channing Tatum diese Ehre nicht zu Teil geworden ist.

Tatum, den viele aus lockeren Filmen wie "Magic Mike" oder "21 Jump Street" kennen, liefert in "Foxcatcher" ohne Zweifel die wohl beste Darstellung seiner bisherigen Karriere ab. Körperlich überpräsent merkt man seinem Charakter die Unsicherheit, die Leere und den Konflikt zwischen der eigenen Ehre und dem Wunsch nach Ruhm in einer fast greifbaren Intensität an. Ohne große Gesten und ausladende Mimik macht er die Zerissenheit seiner Figur spürbar. Großes Kino!

Fazit zu "Foxcatcher"

Trotz der großartigen Darstellerleistung ist eine Empfehlung für "Foxcatcher" nur vorsichtig auszusprechen – auf dieses Drama muss man sich als Zuschauer einlassen (wollen).

Die ruhige Erzählweise, die vielen Deutungsebenen und das abrupte Ende dürften vielen im Kinosessel vor den Kopf stoßen. "Foxcatcher" ist anders, irgendwie sperrig, dennoch faszinierend. Kennt man die historischen Hintergründe nicht, schwebt man als Zuschauer die meiste Zeit in der Leere. Wer sich dem aber hingibt, denkt noch lange über die entscheidende Frage nach: Was zum Teufel ist da passiert?



UNICUM Filmtipp

Foxcatcher

Sport-Drama, USA 2014

Darsteller u.a.: Channing Tatum, Steve Carell, Mark Ruffalo, Sienna Miller, Vanessa Redgrave

Verleih: KochMedia

VÖ: 25. Juni 2015

www.foxcatcher.de

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