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25. Sep 2015

Barbara Kotzulla

Archiv

Frank

-ARCHIV-

Die schräge Musik-Komödie ist ab dem 30. Oktober auf DVD und Blu-ray erhältlich

Nicht ohne meinen Pappmaché-Kopf!

Das Schicksal bringt Jon (Domnhall Gleeson) und die Soronprfbs zusammen: Während der Hobby-Musiker beobachtet wie der Keyboarder der Gruppe von der Polizei von einem Selbstmordversuch im Meer abgehalten wird, gesellen sich die anderen Bandmitglieder dazu. Beiläufig erwähnt Jon sein eigenes Talent – und ist direkt engagiert.

Worauf er sich dabei eingelassen hat, wird ihm erst klar, als er Frontmann Frank (Michael Fassbender) das erste Mal sieht. Dieser trägt einen riesigen Pappmaché-Kopf. Die ganze Zeit. Selbst beim Duschen nimmt er ihn nicht ab. Und statt richtigem Essen gibt's das Ersatzprodukt "Grownut" durch einen Strohhalm. Dennoch scheint Frank auch ohne Mimik seine Mitmenschen zu begeistern.

So zögert Jon nicht lange, als er zu einem Trip nach Irland eingeladen wird. Was er anfangs nicht weiß: Es handelt sich dabei nicht um einen Gig am Wochenende, sondern um einen monatelangen Aufenthalt in einer abgelegenen Waldhütte. Hier wollen die Soronprfbs ihr Album aufnehmen. Während die Grenzen zwischen Genie und Wahnsinn langsam verschwimmen, versteht Jon immer mehr die Faszination, die von Frank ausgeht. Doch da sind noch die anderen Bandmitglieder, allen voran die taffe Clara (Maggie Gyllenhaal), die dem neuen Keyboarder so gar nichts abgewinnen können.

Diese sind dementsprechend wenig begeistert, als sie erfahren, dass Jon Videos von den Proben der Soronprfbs im Internet veröffentlicht hat. Und plötzlich steht ein Gig in den USA an.

Schräg, schräger, Frank

"In der Suppe/Ingwer-Crouton/Schwenk ihn im Fett/Rohes, gliedriges Würstchen" – das sind die ersten (übersetzten) Songzeilen, die der Zuschauer von den Soronprfbs hört. Nicht nur der Pappmaché-Kopf von Frank, im Übrigen eine Anspielung auf die britische Kultfigur Frank Sidebottom, ist schräg, der ganze Film explodiert schier vor skurrilen Ideen.

Bei den Album-Aufnahmen experimentieren die Musiker mit Zahnbürsten und Wassereimern oder werden von Frank ermutigt, imaginär ein Ei zu legen. Dabei macht sich Regisseur Lenny Abrahamson nie über die Story oder seine Figuren lustig. Wie auch Jon sind wir überrascht, wie natürlich das eigentlich merkwürdige Geschehen wirkt.

So ist "Frank" auch keine Parodie auf die abgedrehte Musikszene, sondern vielmehr die Beobachtung einer Gruppe gebrochener Individuen. Erst im letzten Drittel geht es um den Menschen hinter der Pappmaché-Maske, davor konzentriert sich der Film voll und ganz auf Jon. Das Möchtegern-Genie träumt von einer großen Karriere auf den großen Bühnen der Welt und bemerkt gar nicht, dass er mit diesem Ehrgeiz der Kreativität mehr schadet. Der Preis für den Ruhm ist hoch: Was sagen Hunderttausende YouTube-Klicks letztendlich wirklich aus?

Während anfangs noch die schräg-humorvollen Szenen dominieren, wird der Film gegen Ende immer düsterer. Ein Todesfall und das Ende des Mythos "Frank" lassen die Musik und das Schaffen der Soronprfbs in einem anderen Licht erscheinen. Lenny Abrahamson baut die Story behutsam und nachvollziehbar auf. Dennoch hätte man sich eine andere, weniger offensichtliche Auflösung des Rätsels um den ungewöhnlichen Frontmann gewünscht.

Fazit: "Frank" ist äußerst sehenswert – zumindest für diejenigen, die exzentrische Musik-Dramödien zu schätzen wissen. Der Film wird hierzulande ausschließlich als Original mit deutschen Untertiteln veröffentlicht. Eine gute Entscheidung, würde man doch sonst vom Spiel des Hauptdarstellers Michael Fassbender nichts mitbekommen. Und dieser schafft es, sowohl mit Pappmaché-Kopf als auch ohne zu begeistern.


UNICUM Filmtipp

Frank

Dramödie, GB/IRL/USA 2014

Darsteller u.a.: Michael Fassbender, Maggie Gyllenhaal, Domhnall Gleeson

Verleih: Weltkino Filmverleih 

VÖ: 30. Oktober 2015

Online bestellen (Amazon): Frank

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