Sotschi 2014:
Die freiwilligen Helfer beim "Sochi 2014 Volunteers Training" | Foto: Sochi2014
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31. Jan 2014

Barbara Kotzulla

Archiv

Sotschi 2014: Als freiwillige Helferin von der Uni zu den Olympischen Spielen

-ARCHIV-

UNICUM sprach mit Studentin Hanna Messerschmidt vor ihrer Zeit als Volunteer in Sotschi

Freiwillige vor!

Nimmt man die Paralympics mit hinzu, sind es sogar 25.000 freiwillige Helfer, die sich in den kommenden Wochen in Sotschi engagieren. Damit decken die Volunteers über 35 Prozent des Service-Personals bei den Winterspielen ab. Die meisten von ihnen stammen aus Russland, dahinter folgen die USA, die Ukraine und Kanada; Deutschland folgt auf Platz sechs. 82 Prozent der Helfer, die ein strenges weltweites Auswahlverfahren durchlaufen mussten, sind zwischen 18 und 30 Jahren alt, 60 Prozent sind weiblich.

Somit liegt Hanna Messerschmidt mitten im Durchschnitt, wobei die Reise nach Russland sicherlich nichts Durchschnittliches für die 21-Jährige ist. Die Teilnahme am Volunteers-Programm in Sotschi macht in Hinblick auf ihr Studienfach Sinn: Hanna studiert Übersetzungswissenschaft in der Sprachkombination Englisch-Deutsch, Russisch-Deutsch mit Themenschwerpunkt Medizin und ist gerade im fünften Semester.

"Ich hoffe, möglichst viele positive Erfahrungen zu machen"

UNICUM: Hanna, du bist wahrscheinlich ein richtiger Wintersport-Fan, oder?
Hanna Messerschmidt: Ja! Ich fahre selbst seit meinem fünften Lebensjahr Ski. Außerdem verfolge ich regelmäßig die Wettkämpfe im Skispringen, der Abfahrt, der Nordischen Kombination und auch im Biathlon – also einfach alles, was mit Ski zu tun hat. Daneben habe ich während meines Highschool-Jahres in den USA das Interesse am Eishockey entdeckt.

Bist du über den Sport nach Sotschi gekommen?
Eine unserer Dozentinnen hat das Ganze für uns in die Wege geleitet und einfach angefragt, ob denn noch Helfer im Sprachendienst gebraucht werden. Nach einer positiven Rückmeldung hat sie mehrere Studenten darauf angesprochen, da wir uns das auch für ein studienrelevantes Praktikum bzw. Hospitation anrechnen lassen können. Allerdings mussten wir dann trotzdem das ganz normale Auswahlverfahren durchlaufen.

Ab wann wirst du in Sotschi sein und welche Aufgaben übernimmst du dann dort?
Ab dem 22. Januar bin ich in Sotschi. Welche Aufgaben mich konkret erwarten, weiß ich noch nicht. Was ich jedoch weiß, ist, dass ich bei der medizinischen Sprachdienstleistung beim Eishockey eingesetzt werde.

Was reizt dich ganz besonders an der Arbeit als freiwillige Helferin bei den Olympischen Winterspielen?
Mich reizt es generell, die Chance zu haben, in einem fremden Land etwas Zeit zu verbringen. Natürlich auch einmal den Alltag der Sportler hautnah mitzuerleben und wirklich so nah an sie heranzukommen. Bei so einem international beliebten Event teilzunehmen, ist sehr reizvoll. Aber vor allem ist es einfach eine tolle Möglichkeit für mich, in meinen zukünftigen Beruf "reinzuschnuppern".

Was erwartest du von deiner Zeit bei Olympia?
Ich hoffe, ganz viele neue Leute kennenzulernen, eine neue Gegend Russlands zu entdecken, persönliche Kontakte zu knüpfen und möglichst viele positive Erfahrungen zu machen.

Versprichst du dir durch dein freiwilliges Engagement auch bessere Berufschancen für später?
Durchaus! Es kann nicht schaden, später beim Bewerben schon ein derartiges praktisches Arbeitsverhältnis nachweisen zu können.

"Natürlich kenne ich die politische Lage in Russland, aber..."

Warst du schon einmal in Russland?
Ja, ich war bereits vor einem Jahr als Au-Pair für zwei Monate im Großraum Moskau. Ich denke, dass Sotschi viel ländlicher sein wird als Moskau. Ich erwarte sowohl klimatechnische als auch kulturelle und sprachliche Unterschiede zu Moskau und St. Petersburg zu entdecken.

Hast du keine Angst, dass du dich dort nicht zurechtfindest?
Ich wurde von meinem Team-Leader sehr gut darüber informiert, wie ich mich zurechtfinde, wann ich zum Beispiel an bestimmten Treffpunkten sein soll, wo es Essen gibt, wo ich wohnen werde, sodass ich mich eigentlich sehr gut vorbereitet fühle.

Die Olympischen Winterspiele in Sotschi sind ja politisch nicht unumstritten ...
Diese Debatten verfolge ich eigentlich nur am Rande. Natürlich kenne ich die politische Lage in Russland, aber ich gehe nicht wegen der Politik dorthin, sondern wegen der Kultur und den Menschen, die dort leben, und wegen des Sports.

Wie finden es deine Eltern und Freunde, dass du nach Sotschi reist?
Meine Eltern sehen es als große Chance für mich und unterstützen mich auch finanziell, damit der Reise nichts im Wege steht. Meine Freunde finden es auch großartig, dass ich bei einer so großen Veranstaltung mit dabei sein kann.

Auf welche Sportarten und Sportler freust du dich am meisten?
Ich freue mich am meisten auf Slalom und Riesenslalom und hoffe, dass ich da mal zuschauen kann. Ich würde gern Felix Neureuther oder einen unserer Skispringer sehen.

Was meinst du: Wie viele Goldmedaillen wird Deutschland einheimsen?
Das kann ich wirklich nicht abschätzen. Einfach drauf los geraten, denke ich acht.


Die Olympischen Winterspiele 2014

  • Die Olympischen Winterspiele finden 2014 vom 07.–23. Februar im russischen Sotschi (oder auch Sochi) statt.
  • Die Paralympischen Winterspiele werden einen Monat später (07.–16. März) veranstaltet.
  • Die Universitätsstadt Sotschi liegt direkt am Schwarzen Meer und ist daher ein beliebter Badeort. Sie wird auch gerne als "Russische Riviera" bezeichnet.
  • Olympia 2014 hat gleich drei Maskottchen: einen Schneeleoparden, einen Hasen und einen Eisbär.
  • Aus rund 90 Nationen stellen sich Athleten den Wettkämpfen in 15 Sportarten, darunter Snowboarding und Freestyle-Skiing.
  • Etwa 152 deutsche Sportler sind in Sotschi dabei, wie etwa Eisschnellläuferin Claudia Pechstein und Ski-Cross-Fahrer Daniel "Bohne" Bohnacker.
  • Mit 76 Athletinnen sind im deutschen Aufgebot erstmals mehr Frauen als Männer (75) aufgestellt.
  • So sehr sich die Olympioniken auf die Wettbewerbe freuen, so sehr stößt das Austragungsland Russland auf Ablehnung. Vor allem die andauernden Menschenrechtsverletzungen sowie die Einschränkung der Pressefreiheit und der Umgang mit dem Thema Homosexualität stehen in der Kritik. 
  • Hochrangige Politiker wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Joachim Gauck, US-Präsident Barack Obama und der französische Präsident François Hollande werden nicht nach Sotschi reisen.
  • Daheim kann man vor dem Fernseher und im Internet die Daumen für die deutschen Athleten drücken: ARD und ZDF übertragen insgesamt 740 Stunden Olympia, davon 240 im TV. Die Eröffnungszeremonie wird am 07. Februar ab ca. 17 Uhr gezeigt.
  • Weitere Infos zu den Olympischen Winterspielen gibt's auf www.sochi2014.com

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