Apple TV+ Kosten
Apple geht im Herbst mit seinem eigenen Streamingdienst live. | Foto: Apple
Autor

28. Mär 2019

Hella Wittenberg

Filme

Brauchen wir wirklich noch einen Streamingdienst, Apple?

FILMICUM KW 13/14

Thema der Woche: Brauchen wir wirklich noch einen Streamingdienst, Apple?

Dass Apple richtig ins Streaminggeschäft einsteigen will, war schon länger bekannt. Am Montag, den 25. März, wurde CEO Tim Cook während der Apple-Keynote in Cupertino endlich konkret. Was dabei vor allem herauskam: Man will Netflix an den Kragen. Ob man darüber nur müde lächeln oder das tatsächlich ernst nehmen soll, wollen wir hier herausfinden.

Facts first: Apple TV+ wird im Herbst weltweit starten, geräteübergreifend funktionieren und vollkommen werbefrei sein. Was die Kosten für ein Abo betrifft, herrscht noch Unklarheit, was die Inhalte betrifft, weniger. Dafür stellten sich die großen Namen der Filmbranche auf die Bühne des Steve Jobs Theaters, um ihre Projekte kurz und knackig vorzustellen.

Einer der Stars war Steven Spielberg, über den wir erst kürzlich berichteten, weil er seinen Unmut über Netflix-Filme bei den Oscars so gar nicht im Zaum halten konnte. Der Regisseur hat scheinbar kein Problem mit Apples Streamingdienst und tut sich nun mit dem Technikriesen für eine Neuauflage seiner Sci-Fi-Serie aus den 80er-Jahren "Amazing Stories" zusammen. Von seiner Seite kann der Kampf gegen Netflix also jetzt wirklich losgehen. 

Außerdem stellten Reese Witherspoon, Jennifer Aniston und Steve Carell ihr Comedy-Format "The Morning Show" vor. Jason Momoas Dystopie-Serie "See" wird dort ab dem zweiten Quartal 2019 ebenfalls zu sehen sein, genauso wie Kumail Nanjianis "Little America", wo Immigranten im Amerika zu Wort kommen werden.

Auch der "Star Trek"- und "Star Wars"-Regisseur J.J. Abrams war mit von der Partie. Er will mit "Little Voice" die Geschichte einer Newcomer-Musikerin in mehreren Episoden erzählen und somit für ihn ein recht neues Genre betreten. Sogar Oprah Winfrey konnte für zwei Dokus gewonnen werden, die sich mit Themen wie sexuellem Missbrauch und psychischen Erkrankungen befassen. 

Apple als Netflix-Konkurrenz?

Das ganze Promi-Aufgebot macht auf den ersten Blick natürlich mächtig was her – aber ist das nun echte Netflix-Konkurrenz? Na wohl kaum! Die Eigenproduktionen von Apple TV+ scheinen allesamt auf ein Publikum abzuzielen, das mindestens 30 Jahre oder sogar älter ist. Für jüngere Zuschauer und Zuschauerinnen ist da erst mal nichts zu holen. Lediglich mit dem Vorschul-Spezial der "Sesamstraße" können die ganz Kleinen ihre Freude haben. Doch guckt man sich mal zum Vergleich das Aufgebot an Netflix-Originals für Teens und Twens an (u.a. "Stranger Things", "Tote Mädchen lügen nicht", "Everything Sucks!", "The Get Down" und "Girlboss"), glaubt wohl keiner an einen Kampf auf Augenhöhe

Mal abgesehen vom Content – was denken denn so die Leute? Immer öfter kann man nun lesen, dass viele genervt sind von der schieren Masse an Streamingdiensten. Wer mitschauen und -reden möchte, der sollte idealerweise ein Abo bei Netflix, Amazon Prime sowie Sky und dazu auch noch Zugriff zum linearem Fernsehen haben. Bock auf ein weiteren Geld-Posten, der monatlich vom Konto abgebucht wird, hat da keiner. Vielmehr ist das Interesse groß, dass es ein gebündeltes Angebot gibt und man nicht von App zu App wechseln muss.

So bleibt das Gefühl, dass Apple mit seinem Streaming-Service auf einen Trend-Zug aufspringt, aber damit dennoch nicht ganz den Zahn der Zeit trifft mit Apple TV+. An diesem ist das US-Unternehmen viel eher mit seiner neu vorgestellten Magazin-Flatrate, die Zugriff auf über 300 Magazine ermöglicht. Eine geniale Idee, die dem Print-Sterben klug etwas entgegensetzt, aber das leider erst einmal nicht in Deutschland.

Genau so eine smarte Lösung hätte man sich auch für das Streaming im Jahr 2019 gewünscht. Stattdessen wird es jedoch nur eine weitere Streamingplattform geben, die für jeden die Chance erhöht, dass man bald gar keinen Überblick mehr behalten kann, wo gerade welche Serie gebinged wird.


Neu im Kino: "Dumbo" und "Shazam!"

"Dumbo" (Kinostart: 28. März) – Für den Zirkusdirektor Max Medici (Danny DeVito) läuft es überhaupt nicht rund. In dem Star Holt Farrier (Colin Farrell) sieht er die letzte Chance, neuen Schwung in die Manege zu bringen. Doch der allein kann den Abwärtstrend auch nicht aufhalten – erst als man herausfindet, dass der neugeborene Elefant tatsächlich fliegen kann, stehen die Menschen vor dem Zirkus wieder Schlange. Doch mit der Mundpropaganda wird auch der geldbesessene Unternehmer V.A. Vandevere (Michael Keaton) auf das Wundertier aufmerksam. Also will er Dumbo für seinen Vergnügungspark haben, koste es, was es wolle! 

Hier ist nichts so, wie man es kennt: Der "Nightmare Before Christmas"-Meister Tim Burton bleibt sich stilmäßig treu. Er gibt nicht nur der altbekannten Story einen neuen Dreh, sondern dem ganzen Film seinen eigenen Touch in Farbe, Tonalität und Dramatik. Umso besser ist es, dass Disney ihn ausgewählt hat, um "Dumbo" als Realfilm mit animierten Elementen zum Leben zu erwecken. Die Geschichte ist düster, hat mit "Birdman"-Hauptdarsteller Michael Keaton einen brillanten Bösewicht und viele virtuose Szenen, die so sehr zum Staunen bringen, dass über manche inhaltliche Holprigkeiten hinweggeschaut werden kann.


Shazam!

"Shazam!" (Kinostart: 4. April) – Wie genial ist das denn, bitte? Wenn der 14-jährige Billy (Asher Angel) "Shazam!" ausruft, dann wird er mit einem Mal zu einem ausgewachsenen Superhelden (Zachary Levi). Seit er diese übernatürliche Fähigkeit von einem mysteriösen Magier verliehen bekommen hat, ändert sich das Leben des Waisenjungen elementar. Jetzt kann er Blitze kontrollieren, hat unfassbare Kräfte und kann obendrein noch Fliegen. Doch aus dem Spaß wird schnell bitterer Ernst, als Fiesling Dr. Thaddeus Sivana (Mark Strong) Billys Welt in Schutt und Asche legen will. Jetzt muss er seine vielfältige Superpower für das Richtige einsetzen.

Wer "Deadpool", "Kick-Ass" oder beispielsweise auch "Thor 3: Tag der Entscheidung" geschaut hat, kann sich das Humor-Level von "Shazam!" vorstellen. Eine Slapstick-Nummer folgt auf den nächsten Meta-Gag. Hier geben sich Sarkasmus und verschiedenste Genre- und Kulturanspielungen die Klinke in die Hand. So ist der Superheldenfilm ein kurzweiliges Vergnügen, bei dem es sich lohnt, dennoch nicht den Kopf auszuschalten. Außerdem wird sich viel Zeit genommen, um den 14-Jährigen genauer vorzustellen. Es wird gezeigt, wie er in Pflegefamilien weitergereicht wird und dabei die Hoffnung nicht aufgibt, seine leibliche Mutter zu finden. So gefällt der Actioner gleich auf zwei Ebenen, denn das Witzefeuerwerk wechselt sich gelungen mit familiärer Dramatik und viel Innenansicht des jungen Protagonisten ab.


Streamingperle: "Einer wie Bruno"

"Einer wie Bruno" (Dauerhaft verfügbar bei Netzkino) – Die 13-jährige Radost (Lola Dockhorn) lebt allein mit ihrem Vater Bruno (Christian Ulmen), der vom Kopf her auf dem Stand eines Zehnjährigen ist. Er hat eine geistige Behinderung, was ihn im Alltag mehr zu einem Spielkameraden als zu einem Erziehungsberechtigten macht. Das Zusammenleben der beiden geht so lange gut, bis Radost in die Pubertät kommt und sich verliebt. Ein schmerzlicher Bruch ist unausweichlich.

Hier kannst du "Einer wie Bruno" auf Shelfd streamen.


Trailer der Woche: "Booksmart"

"Booksmart" (Kinostart: unbekannt) – Die Schule haben die Freundinnen Molly (Beanie Feldstein) und Amy (Kaitlyn Dever) so gut wie geschafft. Mit Bestnoten können sie sich auf die besten Unis der Staaten freuen. Doch jetzt wollen es die beiden noch mal so richtig krachen lassen. Denn bisher waren sie vor allem als die überbraven Einser-Schülerinnen bekannt. Die eigentlich als Schauspielerin bekannte Olivia Wilde hat es sich auf dem Regie-Stuhl bequem gemacht, um eine Coming-of-Age-Geschichte zweier Nerds zu erzählen. Das sieht nach jeder Menge guter Laune und herrlich schrägen Momenten aus!

Artikel-Bewertung:

2.05 von 5 Sternen bei 42 Bewertungen.

Deine Meinung: