Fack Ju Göhte 3
Chantal und Abi – passt das zusammen? | Foto: ©2017 Constantin Film Verleih GmbH/Matthias Neidhardt
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24. Okt 2017

Nina Weidlich

Filme

Fack ju Göhte 3

Der letzte Teil der Komödie kommt am 26.Oktober ins Kino

Ausflug ins Verderben

Schulausflüge sind ja generell erst einmal gut, immerhin ist man dann nicht in der Schule. Für die Klasse 11b der Goethe-Gesamtschule endet ein Ausflug ins Berufsinformationszentrum allerdings in einer mittelschweren Sinnkrise. Laut einem angeblich hochintelligenten PC-Jobtest sollte Chantal (Jella Haase) Altenpflegerin werden, Danger (Max von der Groeben) eine Ausbildung zur Fachkraft für Abwassertechnik machen und Herr Müller (Elyas M'Barek) am besten zum Schlachter umschulen. "Ihr Jobtest ist behindert" lautet das vernichtende Urteil der Klasse.

Auf die leichte Schulter nehmen die Fast-Abiturienten die vom Algorithmus ausgespuckten Berufsperspektiven allerdings nicht. Zwar würde in der Kanalisation gar nicht mehr so auffallen, dass Danger unter den Armen stinkt wie die Umkleidekabine eines Altherren-Fußballklubs – in der drei Wochen lang nicht mehr gelüftet wurde. Seine  Zukunft hat er sich trotzdem irgendwie weniger fäkalienlastig vorgestellt.

Fack Ju Göhte 3 Kinostart

"Habt ihr denn gar keine Träume?"

Wer eh nur für niedrigqualifizierte Jobs taugt, braucht auch kein Abitur. Wozu also noch anstrengen? Blöd nur, dass der Gesamtschule nach einer Prüfung durch das Bildungsministerium die Schließung droht und die Schulleiterin Frau Gerster (Katja Riemann) plötzlich ganz andere Saiten aufziehen will: Erneute Abitur-Zulassungstests, eine Neuausrichtung der Schülerzeitung "Klassenfurz" und einen Kunststipendiaten fordert die Schulleitung deshalb von Herrn Müller und seiner Klasse.

Ansonsten will sie persönlich dafür sorgen, dass der Fake-Lehrer mitsamt seiner gefälschten Zeugnisse wieder ins Gefängnis wandert. "Habt ihr denn gar keine Träume?", fragt der Lehrer die 11b deshalb in der Hoffnung, doch noch einen Funken Motivation in den sonst so ausdruckslosen Augen aufblitzen zu sehen. "Doch, aber halt nichts mit arbeiten."  Nicht die besten Voraussetzungen, um die Schule und den eigenen Hintern zu retten.

Aber wenn Herr Müller eines kann, dann kreative Problemlösungen finden. Als er dazu verdonnert wird, in einer Grundschule Werbung für die Goethe-Gesamtschule zu machen – Neuschülerakquise sozusagen – wird schnell klar: Jeder Einzelne der kleinen Scheißer hat genauere Vorstellungen von seiner beruflichen Zukunft als Herr Müllers Idiotenhaufen. Kurzerhand lässt er die Architekten, Molekularbiologinnen und Sängerinnen von morgen ihre Berufswünsche aufschreiben und verkauft sie seinen Schülern als ihre eigenen Zukunftspläne, die sie angeblich damals in der Grundschule aufgeschrieben hatten.

Als Chantal sich "erinnert", dass sie eigentlich schon immer Journalistin werden wollte, ist ihr Job als Beauty-Bloggerin der Schülerzeitung gesichert. Mit den neu gewonnenen Träumen steigt dann auch die Motivation, den Abi-Zulassungstest zu bestehen. Der Weg dorthin hält aber natürlich noch einige unangenehme Überraschungen bereit, in denen unter anderem Drogen, Cybersex, Selbstmordversuche und Stuhlgang nicht zu vernachlässigende Rollen spielen.



Goodbye, Frau Schnabelstedt

Gleich zu Beginn des Films fällt auf, dass irgendwas fehlt. Oder besser gesagt: Irgendwer. Elisabeth Schnabelstedt (Karoline Herfurth), Vorzeige-Nerd und Exfreundin von Zeki Müller, ist im letzten Teil von "Fack Ju Göhte" nicht mit dabei. Bevor man sich überlegen kann, ob man Karoline Herfurths Abwesenheit akzeptieren kann und will, ist der Verlust aber auch schon fast wieder vergessen. Denn der Neuzugang im Lehrerzimmer, Biggi Enzberger (Sandra Hüller), ist eine würdige Vertretung – wenn nicht sogar eine Bereicherung für den Film. Ein bisschen weniger nörgelig-nervig, dafür ein bisschen mehr durchgeknallt-unterhaltsam als die überkorrekte Schnabelstedt.

Spätestens ihre Britney Spears-Tanzchoreo mit Chantal dürfte dann auch die letzten Zweifler milde stimmen. Besonders bemerkenswert ist außerdem, dass wir zwischen Biggi und Zeki nicht die drölftausendste Schnulzenstory in der Geschichte deutscher Komödien zu befürchten haben. Danke an den Regisseur Bora Dagtekin!

Fazit zu "Fack Ju Göhte 3"

Zugegeben: Zu Beginn kommt das "Fack Ju Göhte"-Finale ein bisschen flach. Obwohl der letzte Teil schon wieder zwei Jahre her ist, hat man irgendwie das Gefühl, genug vom ewig gleichen Assi-Slang und den sorgsam eingestreuten Vulgarismen zu haben. Hat man sich aber erstmal wieder "eingegroovt" und an Dangers schrilles Gejammer und Chantals dummdödelige Sprüche gewöhnt, kommen auch die Lacher mal wieder nicht zu kurz.

Wer die ersten beiden "Fack Ju Göhte"-Filme mochte, wird also vom neuen Teil auf keinen Fall enttäuscht sein. Wer auf frischen Wind hofft, sollte allerdings lieber zuhause bleiben. Die Schuldirektorin Frau Gerster schnüffelt immer noch am Klebstoff, Uschi Glas als Lehrerin Leimbach-Knorr ist immer noch das Opfer Nummer Eins der Schule – aber wenn wir ehrlich sind, wollen wir ja auch genau das sehen.

Ein bisschen neu ist allerdings, dass neben Herr Müllers Klasse 11b auch die unteren Jahrgänge eine etwas größere Rolle spielen. Das ist auf jeden Fall positiv zu bewerten, weil zu viel Chantal dann doch irgendwann Kopfschmerzen verursacht. Die heimlichen Stars sind allerdings die Grundschulkinder, die leider einen viel zu kurzen Auftritt im Film haben. Mit den niedlich-rotzigen Sprüchen der Grundschüler zeigt "Fack Ju Göhte 3" nochmal eine ganz neue Facette, die vor allem eine Frage aufwirft: Soll dieser dritte Teil wirklich das Ende gewesen sein?


UNICUM Film-Tipp:

Fack Ju Göhte 3 PlakatFack Ju Göhte 3

Komödie, Deutschland 2017

Regie: Bora Dagtekin

Darsteller u.a.: Elyas M'Barek, Jella Haase, Sandra Hüller, Katja Riemann

Verleih: Constantin Film

Kinostart: 26. Oktober 2017

Mehr Infos unter www.constantin-film.de/kino/fack-ju-goehte-3

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