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Und was schaust du so außer "Neo Magazin royale"? | Foto: ZDF/Ben Knabe
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09. Nov 2017

David Streit

Filme

Film-News: Was erwartest du von ARD und ZDF?

FILMICUM in der KW 45/46 im Überblick:

Neu im Kino

"Thor 3: Tag der Entscheidung" (Start: 31. Oktober 2017)

"The Big Sick" (Start: 16. November 2017)

Thema der Woche

 

Der Status-quo des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks

 

Streaming-Perle

 

"Homo Digitalis" (Dauerhaft verfügbar in der BR-Mediathek)

 

Darauf freuen wir uns

 

"Three Billboards outside Ebbing, Missouri" (Kinostart: 25. Januar 2018)

 


Neu im Kino

"Thor 3: Tag der Entscheidung" (Start: 31. Oktober 2017) – Die Erwartungen an den dritten Teil von Donnergott Thor (Chris Hemsworth) hätten eigentlich nicht niedriger sein können. Seit 2011 mischt er irgendwie im Marvel-Universum mit und ohne seinen Hammer Mjölnir war er nicht zu so richtig viel zu gebrauchen. Nun wird ihm ausgerechnet dieser gleich zu Beginn von "Thor 3: Tag der Entscheidung" von der Göttin des Todes (Cate Blanchett) genommen. Sie überfällt Thors Heimat Asgard und urplötzlich scheint sich eine völlig neue Dynamik in Thors Leben einzustellen: Er ist auf sich allein gestellt.

Was folgt ist ein wilder Road-Trip durch fremde Planeten, der schwer an den Anarcho-Humot des ersten Teil von "Guardians of the Galaxy" erinnert. Das Glück von Regisseur Taika Waititi ("5 Zimmer, Küche, Sarg"): Er konnte sich zu 100% von Thors vergangenen Abenteuern lösen. Avengers? Who cares. Seine Erdenfreundin? Als hätte sie nie existiert. Also blicken wir nach vorne und amüsieren uns darüber, wie Thor von Comic-Legende Stan Lee die Haare geschnitten bekommt und in der Arena des Müllplaneten Sakaar auf seinen Kumpel Hulk (Mark Ruffalo) trifft. Das alles ist unterlegt von einem erstklassigen 80er-Jahre-Soundtrack. Der Humor im Film ist übrigens vergleichbar mit dem im Vorfeld erschienenen Kurzfilm "Team Thor":

"The Big Sick" (Start: 16. November 2017) – Endlich darf "Silicon Valley"-Darsteller Kumail Nanjiani mal mehr spielen, als nur den sarkastischen Pakistani aus der zweiten Reihe. Alles was dafür nötig war: ein Drehbuch mit ihm als Hauptdarsteller. Also hat er sich hingesetzt und so eines geschrieben. Und dabei herausgekommen ist die romantische Dramödie "The Big Sick".

Als Comedian versucht Kumail (ja, die Figur heißt genauso) die Chicagoer Clubszene für sich zu erobern. Doch seine traditionsbewussten Eltern interessiert viel eher, wann ihr Sohn endlich eine Familie gründet. Als er sich in Emily (Zoe Kazan) verliebt, weiß er aber leider schon genau, dass seine Eltern mit seiner Wahl alles andere als einverstanden sein werden. Also erzählt er ihnen erst gar nicht von ihr. Doch plötzlich fällt Emily ins Koma und Kumail muss sich entscheiden, ob er zu seiner großen Liebe steht.


Thema der Woche

Jedes Jahr fragen ARD und ZDF bei den Deutschen nach, wie sich ihre Mediengewohnheiten verändern – um sich gegebenenfalls an die Nutzerbedürfnisse anpassen zu können. In diesem Jahr zeigt die sogenannte Onlinestudie vor allem, dass wir Deutsche immer mehr Streamen (aber nicht unbedingt in den Mediatheken). Doch was macht man nun mit dieser Erkenntnis? Der Trend in Richtung Streaming deutete sich ja schon in den letzten Jahren immer stärker an. Den großen Wandel in den verstaubten Programmstrukturen sucht man trotzdem vergebens. Immerhin gibt es ihn im Kleinen.

So ist mit funk im letzten Jahr ein non-lineares und von ARD und ZDF finanziertes Content-Netzwerk an den Start gegangen, das sich allein der Zielgruppe von 14 bis 29 Jahren verschrieben hat. Die Erkenntnis: Für uns brauchte es weniger einen neuen Sender, als viel mehr gute Inhalte. Somit finanziert funk inzwischen über 50 YouTube-Channels und Nischen-Projekte auf Snapchat & Co., um uns Nutzer dort zu erreichen, wo wir eh sind. Die Bandbreite reicht dabei von Kanälen zu den Themen Politik über Comedy bis hin zu sexueller Aufklärung.

Nun muss man den Öffentlich-rechtlichen zu Gute halten, dass ihnen Veränderungen nicht sonderlich leicht gemacht werden. Die Verlagsbranche sieht sich durch "subventionierte Journalismus-Angebote" in ihrer Existenz gefährdet und hat vor langer Zeit die Auflage für Mediatheken bestimmt, dass diese ihr Angebot nur über den Zeitraum von sieben Tagen bereitstellen dürfen. Die Politik hat auf der anderen Seite erkannt, dass es notwendige Änderungen am Rundfunkstaatsvertrag geben muss, um der Bevölkerung auch im Online-Zeitalter ein ansprechendes Informations-, Orientierungs- und Unterhaltungsangebot machen zu können.

Die Ministerpräsidenten-Konferenz hat Ende Oktober ein klares Signal gesendet: Sie hören zu und wollen den Rundfunk an die Bedürfnisse der Nutzer und (!) der Verlage anpassen. Das bedeutet zum einen, dass man die 7-Tage-Regel auf mindestens einen Monat ausweiten und zum anderen die Verbote für "presseähnliche Angebote" konkretisieren will. Konkret bedeutet das wahrscheinlich, dass Tagesschau.de weniger mit den Tageszeitungen konkurrieren und sich gänzlich auf die Bereitstellung von Video-Inhalten aus dem linearen TV konzentrieren soll.

Nun muss man wissen, dass die Rahmenbedingungen für den Rundfunk von der Politik vorgegeben werden und die wollen es sich mit keinem verscherzen. Genau darin steckt das Problem: Diese Haltung lähmt eine gesunde Diskussion über die Relevanz und Aufgabe des Rundfunk im Zeitalter von Twitter, Instagram und Co. Aus Nutzersicht ist klar, dass wir lieber auf Inhalte zurückgreifen werden, die eh kostenlos verfügbar sind. Aber gerade von dieser Einstiegshürde lebten private Medienhäuser früher. Nun sorgen aber selbst öffentlich-rechtliche Formate für "gratis Content" (bezahlt durch den Rundfunkbeitrag) und das schwächt natürlich die Zukunftschancen aller anderen.

Schreib uns gerne in die Kommentare, was du dir von ARD, ZDF und funk in der Zukunft wünschst. Worin siehst du die Aufgabe von gebührenfinanzierten Angeboten im Jahr 2018? Die mögliche Bandbreite reicht dabei von der Bereitstellung von Bildungsangeboten bis hin zu gleichen Zugangschancen für alle Bürger sich zu informieren. Vielleicht hast du ja auch eine konkrete Projektidee, mit der du dich bei einem der vielen Förderinstitutionen wie dem Medieninnovationszentrum Babelsberg bewerben möchtest? Frei nach der Devise: Lieber machen statt meckern.


Streaming-Perle

"Homo Digitalis" (Dauerhaft verfügbar in der BR-Mediathek) – In kurzen Clips gehen der Bayerische Rundfunk und Arte der Frage nach, wie die Digitalisierung unser Leben verändert. Dabei werden Themen wie Freizeit, Gesundheit und Sexualität beleuchtet und es wird erklärt, welchen Einfluss das Smartphones oder die Vision von künstlicher Intelligenz bereits jetzt haben.


Darauf freuen wir uns

"Three Billboards outside Ebbing, Missouri" (Kinostart: 25. Januar 2018) – Wenn der Regisseur Martin McDonagh einen neuen Film rausbringt, gilt es den Kinostart dick im Kalender zu vermerken. Nach "Brügge sehen… und sterben" und "7 Psychos" präsentiert er nun eine Geschichte über eine Mutter (Frances McDormand), die vor sieben Monaten ihre Tochter verloren hat. Sie regt sich zu Recht darüber auf, wie die örtliche Polizei nach dem schlimmen Mord nur untätig herumsitzen kann. Wer ist der Schuldige? Und wieso gibt es keine neuen Spuren? Also schaltet sie kurzerhand selbst drei große Plakatwände und versucht den Prozess damit wieder ins Rollen zu bringen.


Die nächste Ausgabe FILMICUM erscheint am 23. November 2017.

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