Girl on the Train
Was ist real, was Illusion? Szene aus "Girl on the Train" | Foto: © 2016 Constantin Film
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24. Okt 2016

Barbara Kotzulla

Filme

Girl on the Train

Packende Beststeller-Verfilmung – ab dem 27. Oktober im Kino

Illusion und Betrug

Depressiv, alkoholabhängig, von Blackouts geplagt: Rachel (Emily Blunt) findet seit der Scheidung von ihrem Mann Tom (Justin Theroux) keinen Halt im Leben. Ihr einziges Ritual ist die tägliche Fahrt nach Manhattan – mit der sie vor ihrer Mitbewohnerin (Laura Prepon) vorgibt, weiterhin einem Job nachzugehen. Doch diese Scharade hat noch einen weiteren Grund: Die Zugstrecke führt genau an der Häusersiedlung entlang, in der sie in glücklichen Zeiten wohnte und in der nun Tom mit seiner Jetzt-Ehefrau Anna (Rebecca Ferguson) und der gemeinsamen Tochter lebt. 

Da Rachel den Gedanken an das neue Leben ihres Ex-Mannes nicht erträgt, fängt sie stattdessen an, das Nachbarpaar zu beobachten. In ihrer Fantasie steigert sie sich in die scheinbar perfekte Beziehung zwischen Megan (Haley Bennett) und Tom (Luke Evans) hinein. Eines Tages beobachtet sie dann jedoch vom Zug aus, wie Megan auf der Veranda mit einem anderen Mann Zärtlichkeiten austauscht. Für Rachel bricht erneut eine Welt zusammen – mit fatalen Folgen.



Zwischen Manie und Manipulation

In "Girl on the Train" gilt: Nichts ist so wie es scheint. Ist Rachel eine Lügnerin oder ein Opfer? Diese Frage zieht sich für den Zuschauer wie ein roter Faden durch den Film. Regisseur Tate Tayler lässt uns darüber im Unklaren, dafür sind wir ganz nah an der Hauptfigur auf ihrem Weg durch das Labyrinth aus bruchstückhaften Erinnerungen. Mit Emily Blunt wurde die perfekte Darstellerin für diese schwierige Rolle gefunden: Gleichzeitig zerbrechlich und kämpferisch will sie die Wahrheit ans Licht bringen. Eine starke Performance von Blunt, die "Girl on the Train" maßgeblich trägt.

Mit Rebecca Ferguson und Haley Bennett sind es die weiteren weiblichen Cast-Mitglieder, die das Geschehen auf der Leinwand packend gestalten. Ihre Figuren schwanken zwischen den Extremen: Auf der einen Seite steht die bedingungslose Fürsorge, auf der anderen die verzweifelte Verführung. Dabei spricht "Girl on the Train" gewiss nicht nur Frauen an. Der Sog aus Zeitsprüngen, sich einer Stück für Stück offenlegenden Realität und einer überraschenden Auflösung fesselt von der ersten bis zur letzten Minute. Dabei verzichtet der Thriller auf übermäßige Schockmomente, erzählt stattdessen in ruhigen Bildern von Manipulation, Manie und bedingungsloser Liebe. Damit gleicht er in seiner Erzählform der gleichnamigen Romanvorlage Paula Hawkins, einem der meistgefeierten internationalen Bestseller der letzten Jahre.

Fazit zu "Girl on the Train"

"Girl on the Train" wird immer wieder gerne in einem Atemzug mit der grandiosen Romanverfilmung "Gone Girl" genannt. Schließlich stehen in beiden Büchern Frauenfiguren und ein nicht vorauszusehender Twist im Fokus. "Girl on the Train" kann dem direkten Vergleich nicht ganz standhalten, wird aber definitiv dennoch alle "Gone Girl"-Fans gut unterhalten. Und nicht nur die: Wer sich von einem Psychothriller in Spannung versetzen lassen will, ist hier richtig.


UNICUM Film-Tipp

Girl on the Train Plakat Girl on the Train

Thriller, USA 2016

Regie: Tate Taylor

Darsteller: Emily Blunt, Rebecca Ferguson, Haley Bennett, Justin Theroux, Luke Evans, Allison Janney, Edgar Ramirez, Lisa Kudrow, Laura Prepon

Verleih: Constantin Film

Kinostart: 27. Oktober 2016

Mehr unter: www.facebook.com/GirlOnTheTrainFilm und www.constantin-film.de/kino/girl-on-the-train

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Veröffentlicht am 10. Nov 2016 um 14:59 Uhr von Angela Fleischmann
super