Handy Kinofilm
Steven Soderbergh drehte "Unsane" komplett mit dem iPhone. | Foto: 20th Century Fox Germany
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05. Apr 2018

Hella Wittenberg

Filme

Film-News: Machen Handys die besseren Kinofilme?

Neu im Kino: "Im Zweifel glücklich" und "Ready Player One"

"Im Zweifel glücklich" (Start: 29. März 2018) – Wer legt fest, dass man erfolgreich oder doch eher erfolglos ist im Leben? Gibt es dafür einen universal erkennbaren Maßstab? Brad (Ben Stiller) stellt sich genau solche Fragen als er mit seinem Sohn (Austin Abrams) ein College nach dem anderen an der amerikanischen Ostküste besucht, um das eine richtige zu finden. Eigentlich geht es ihm und seiner Familie gut – aber wie toll ist das schon im Vergleich zu seinen Collegefreunden, die entweder Hollywoodstars, Bestsellerautoren oder große Unternehmer bzw. Hedgefonds-Manager geworden sind?

Brad verliert sich mehr und mehr in Selbstzweifeln. Was er dabei nicht bemerkt: Das Beste ist direkt vor seinen Augen. Denn erstens liebt ihn sein Sohn abgöttisch und zweitens bekommt er von jedem College positives Feedback. So hat er bald die Qual der Wahl. Ein kleiner, aber detailverliebter Film, der einem verdeutlicht, dass es nur auf die richtigen Menschen in unserem Leben ankommt. Nicht auf Geld, Ruhm und Fans.

"Ready Player One"(Start: 05. April 2018) – Im Jahr 2045 leben die meisten Menschen nicht mehr auf der bis dahin bekannten Erde. Ein Großteil des Alltags findet in einer virtuellen Welt namens OASIS statt. Auch der 18-jährige Wade (Tye Sheridan) und seine Freunde (Olivia Cooke, Lena Waithe) verbringen dort am liebsten ihre Zeit. Ihr Ziel: die Herausforderungen dort als erste meistern und so Ruhm und Reichtum gewinnen.

Steven Spielberg zeigt mit seinem Sci-Fi-Actionfilm, dass er immer noch genau am Zahn der Zeit ist. Er nutzt die neueste Filmtechnologie, um beeindruckende VR-Welten zu kreieren. Seine Autorennen, epochalen Schlachten und wunderschönen Tanzeinlagen wirken allesamt so, als hätte man sie noch nie so in einem Film gesehen. Hut ab!

Thema der Woche: Machen Smartphones die besseren Filme?

Dass wir im Alltag nur noch ungern das Smartphone aus der Hand legen wollen, ist ja überall bekannt. Aber dass damit auch immer lieber ganze Filme gedreht werden, ist etwas neuer. Das aktuellste Beispiel ist hier der Horrorstreifen "Unsane" von Steven Soderbergh, indem eine Frau (Claire Foy) gegen ihren Willen in einer psychiatrischen Einrichtung eingesperrt wird und dort glaubt, ihrem früheren Stalker ausgeliefert zu sein. Der US-Regisseur Soderbergh kommt gar nicht aus dem Schwärmen von der Bildqualität heraus. Eigentlich hatte er vor das Werk an einen Streamingdienst zu verkaufen, doch als er sah, wie solide die Bilder waren, entschied er sich für einen Kino-Release. Denn ob man es glaubt oder nicht: Mittlerweile hat so ein iPhone tatsächlich 4K-Qualität. Und das kann sich echt sehen lassen.

Auch Sean Bakers Drama über eine Transgender-Sexarbeiterin, "Tangerine L.A.“, wurde mit dem Handy gedreht – besser gesagt mit dem iPhone 5. Aber was bewegt Filmschaffende dazu, lieber zum kleinen Bildschirm als zur Riesenkamera zu greifen? Es ist nicht nur so, dass die Kameras von unseren Telefonen immer bessere und hochauflösendere Bilder machen, – das Smartphone erlaubt auch eine ganz neue Nähe zum Geschehen. Die winzige Technik kommt in jeden noch so kleinen Winkel, ohne das ein großer Aufbau nötig ist. Aber auch die Farben, die leichten Schwankungen: alles wirkt ungefiltert. Ganz so, als würde man es selbst gerade erleben. Und speziell bei einem Horrorfilm macht das natürlich den Grusel umso extremer. Wenn in einer Einstellung einmal nicht genau erkennbar ist, wer da gerade in einer dunklen Ecke des Raumes steht, erhöht es den Gänsehautfaktor. Das Telefon ist nicht allein das Aufnahmegerät, es ist auch eine Erzählstütze, ein weiterer Protagonist.

Es gibt aber auch noch einen weitaus praktischeren Grund, der für Handyfilme spricht: Sie werden einfach schneller fertig. Der Regisseur von "Searching For Sugar Man“, Malik Bendjelloul, arbeitete zig Jahre an seiner Doku über den totgeglaubten Musiker Sixto Rodriguez – irgendwann ging ihm schlichtweg das Geld aus. Doch zum Glück hatte er zu jeder Zeit sein Smartphone parat und nutzte es für weitere Aufnahmen. Was für ein Geschenk!

Selbst Surrealist Michel Gondry ist inzwischen auf den Geschmack gekommen. Der Franzose realisierte allein mit einem iPhone bewaffnet den Kurzfilm "Détour" (Hier "Détour" auf Shelfd streamen). Voller visueller Spielereien, die für ihn so typisch sind, hat er damit einen leicht chaotischen Urlaubsausflug einer Familie inszeniert. Es lohnt sich also wirklich, das eigene Smartphone noch mal neu zu überdenken. Vielleicht steckt in einem selbst ja der nächste Christopher Nolan?

Natürlich wird das kompakte Telefon dennoch nicht so schnell richtige Filmkameras ersetzen. Aber die neue Vielseitigkeit sollte auf jeden Fall gefeiert werden! Außerdem ermöglicht das Filmen mit dem Handy vielen den Einstieg in die Filmbranche bzw. die sofortige Umsetzung eines kreativen Gedankens.

Rekordverdächtig: Was die geleakten Amazon-Zahlen aussagen

Bisher hat Amazon ungern Zahlen zu seinem Streamingdienst preisgegeben. Aber nun sind tatsächlich einige Infos rund um Amazon Prime Video ans Tageslicht gekommen. Zum Beispiel sollen sich allein 1,15 Millionen Menschen neu für ein Prime-Abo angemeldet haben, um die Sci-Fi-Serie "The Man in the High Castle"zu bingen.

Dafür wurde ausgewertet, was Neukunden gleich als Erstes schauen – da das wahrscheinlich der Grund für ihre Registrierung war. Dieser Wert stellt sich für das Unternehmen also als wichtigste Kennzahl für die Erfolgsmessung von Neuentwicklungen und Marketing heraus. Generell zeigen die Zahlen auch, wie gut es Amazon geht und sie verdeutlichen, warum das Unternehmen bereit ist, gleich eine Milliarde Dollar für eine neue "Herr der Ringe“-Serie auszugeben.

Streaming-Perle: "Oh Boy"

"Oh Boy" (Verfügbar bis 24. Mai 2018 in der One-Mediathek) – Der Endzwanziger Niko (Tom Schilling) lebt so in den Tag hinein. Er lässt sich mal vom Kumpel zum Filmdreh mitschleppen, vom Vater zum Golfen, von der Ex-Mitschülerin zum Sex überreden und in heikle Diskussionen mit Betrunkenen verwickeln. Aber irgendwie fühlt sich alles immer so an, als wäre er gerade am falschen Ort zur falschen Zeit.

Darauf freuen wir uns: "Adrift"

"Adrift" (Kinostart: 12. Juli 2018)Shailene Woodley und Sam Claflin geben ja schon ein ziemlich schönes Leinwandpärchen ab. Aber darum soll es gar nicht gehen! Hier stehen nämlich Action und Drama im Vordergrund. In "Adrift“  fahren die zwei mit dem Segelboot auf den Pazifischen Ozean hinaus und geraten dabei in einen wirklich heftigen Sturm. Das Schlimmste daran: diese Story ist wahr. Der Film kommt im Juli in die deutschen Kinos.


Die nächste Ausgabe FILMICUM erscheint am 12. April 2018

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