Planet der Affen 3
Andy Cerkins überzeugt als Affe Cesar | Foto: © 2017 Twentieth Century Fox
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03. Aug 2017

Hannah Essing

Filme

Planet der Affen: Survival

Bildgewaltiger Pathos

Planet der Affen: Survival – Was bisher geschah...

Zwölf Jahre nach dem Ausbruch eines Virus, der die Menschheit größtenteils auslöschte – und damit zwei Jahre nach dem zweiten Teil der Filmreihe – verzichtet "Planet der Affen" größtenteils auf menschliche Charaktere. Während der erste Film noch vor allem Menschen in den Vordergrund stellte und Cesar einer der wenigen Affen war, waren im zweiten Teil schon deutlich weniger zu finden. Der dritte Teil spiegelt die Filmwelt wieder – Menschen sind seltener geworden, die Affen stehen im Mittelpunkt.

Schimpanse Cesar (Andy Serkins), der die Zuschauer schon durch die letzten Filme begleitet hat, ist deutlich gealtert und trägt Spuren der Anstrengungen der letzten Dekade. Sein Wunsch nach einer friedlichen Co-Existenz mit der Menschheit wird zerstört von den Versuchen des fanatischen Colonels (Woody Harrelson), die Affen auszulöschen. Eigentlich plant Cesar, mit allen Artgenossen zu fliehen, doch der Colonel kommt ihm zuvor.

Nach einem verheerenden Anschlag auf das Zuhause der Affen schwört Cesar Rache – und muss sich im Laufe des Films immer wieder seiner "Menschlichkeit" stellen – nicht zuletzt, weil er und seine Begleiter (Karen Konoval, Terry Notary) auf das stumme Mädchen Nova (Amiah Miller) stoßen, das weniger menschlich zu sein scheint als gedacht.



Jetzt fühl doch mal was!

Der erste Teil der Filmreihe erschien 2011 – seitdem hat sich einiges getan, wenn es um CGI geht, was zu einer deutlich realistischeren, natürlichen Darstellung der Affen führt. Der Film ist ein Augenschmaus, von den bunten Aufnahmen des Dschungels hin zu den detailgetreuen Shots der Affen.

Auch wenn die Kamera manchmal zu oft auf den Gesichtern verweilt und den Zuschauer dazu einlädt, genauer hinzusehen. Klar, das macht die Identifizierung mit den eigentlichen Helden der Filmreihe leichter, ist aber völlig unnötig – die einzigen menschlichen Charaktere sind stereotypisierte, oberflächliche Gestalten, deren fantatische Weltvorstellung und Umgang mit den Affen wenig Platz für Sympathie oder Identifizierung bieten.

Auch die Musik ist sehr pathetisch. Zwar fiebert und bangt man mit und nicht jeder Plottwist ist hervorsehbar, allerdings fühlen sich einige Szenen fast schon gewzungen an. Der Film versucht den Zuschauer wiederholt daran zu erinnern, dass er etwas fühlen muss, statt sich auf die Kraft der Story und der Bilder zu verlassen.

Daraus entstehen frustrierende Szenen wie Nahaufnahmen von Cesars Gesicht, während seine Affen-Freunde hinter ihm stehen und sich über Zeichensprache mit ihm unterhalten – und er alles zu verstehen scheint, was sich hinter seinem Rücken abspielt. Auf so viel Pathos hätte der Zuschauer verzichten können, denn auch ein dystopisches Zukunftsszenario, in dem es um Affen geht, muss bis zu einem gewissen Grad realistisch bleiben, um authentisch zu sein.

Die Storyline um den neuen Charakter von Nova, dem kleinen Mädchen, das Maurice aufnimmt und das Cesar in vielerlei Hinsicht immer wieder herausfordert, hätte durchaus Potential gehabt, wenn sie weiter ausgebaut worden wäre. Zwar ist Nova ein wichtiger Charakter, bringt aber weniger Neues mit in den Film als möglich gewesen wäre – so erinnert sie den Zuschauer oft an Newt aus "Aliens". Ein elternloses, verwahrlostes Mädchen, das von einem Hauptcharakter aufgenommen wird und deren Hauptaufgabe es ist, und die gnadenlosen Charaktere ein Stück weit an ihre eigenen Werte und Menschlichkeit erinnert. Sogar optisch erinnert Amiah Miller an die kleine Newt.


Planet der Affen: Survival Filmszene


Fazit zu "Planet der Affen 3: Survival"

"Planet der Affen 3: Survival" ist mit Sicherheit der bisher spannendste Teil der Filmreihe und besticht mit einer guten CGI-Umsetzung und wunderschönen Bildern. Der Film will anregen, zu hinterfragen, was "Menschlichkeit" ist und welche Grenzen Empathie und Ethik haben und erschafft damit sicher nichts Neues, denn auch die Art und Weise, wie diese Aussagen präsentiert werden sind nicht neu. Und doch schafft der Film es, den Zuschauer zum Nachdenken zu bringen – wenn er die Bilder einfach wirken lässt sehr viel mehr, als wenn er versucht, durch Nahaufnahmen und pathetische Musik Gefühle zu übertragen.

Der Film will eindeutig eine Parabel für Rassismus sein, zeigt dabei aber eine problematische Anzahl von misshandelten Affen. Man kann soziale Missstände nicht bekämpfen, indem man sich nur ihrer Methoden bedient. Auch wenn der Film am Beispiel von Affen ein negatives Bild von Gewalt gegen Andersartigkeit zeigen wollte, zeigt er vor allem eines – nämlich genau diese Gewalt gegen Andersartigkeit.

Gerüchten zufolge ist ein vierter Film bereits in Planung und würde die weitere Entwicklung von einem größtenteils friedlichen Affenstamm zu dem gewalttätigen Planeten, den man im Original-Film kennenlernt, darstellen. Dann hat vielleicht auch Nova mehr Raum, um als Charakter zu wachsen und eine neue Perspektive für die Affen darzustellen. 


Filmplakat Planet der Affen: SurvivalUNICUM Film-Tipp

Planet der Affen: Survival

Science-Fiction/Action, USA 2017

Regie: Matt Reeves

Darsteller: Andy Serkins, Woody Harrelson, Amiah Miller, Steve Zahn, Karen Konoval, Terry Notary

Verleih:Twentieth Century Fox

Kinostart: 3. August 2017

Mehr Infos unter www.facebook.com/PlanetderAffen.Film

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