Willkommen bei den Hartmanns
Nigerianer Diallo (Eric Kabongo) wird von seiner Gastfamilie empfangen | Foto: Warner Home

Promis & Interviews

26.10.2016

Willkommen bei den Hartmanns Palina Rojinski

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31. Mär 2017

Ann-Christin Kieter

Filme

Willkommen bei den Hartmanns

Culture-Clash-Komödie mit großem Star-Aufgebot, ab 06. April fürs Heimkino

Satirische Komödie über die "Flüchtlingskrise": Darf man das?

In gesellschaftlich unruhigen Zeiten fällt es einem nie besonders leicht, zu beurteilen, was richtig und was falsch ist. Und nun kommt Regisseur Simon Verhoeven ("Männerherzen") mit einer Komödie über einen Flüchtling, der bei einer spießigen Münchner Familie leben soll, um die Ecke. "Willkommen bei den Hartmanns" schreit nach Klischees und einem Feuerwerk an oberflächlichen Gags.

Doch allen politisch Korrekten, die dem Film sofort eine Geschmacklosigkeit unterstellen sei gesagt: Es handelt sich bei dem weniger um eine "Flüchtlingskomödie" als vielmehr um eine Gesellschaftssatire, bei der viele Seiten ihr Fett weg bekommen. Und bei der wir mal lachen und mal in nachdenkliche Grübelei verfallen können.


DVD Willkommen bei den Hartmanns


Darum geht’s in "Willkommen bei den Hartmanns"

Die Kinder sind groß, der Ruhestand ist eingeläutet: Die ehemalige Schuldirektorin Angelika Hartmann (Senta Berger) sucht dringend nach einer neuen Lebensaufgabe. Flüchtlingshilfe wäre da doch eine gute Idee! Doch leider ist der Bedarf an Deutschlehrern bereits gedeckt. Daher beschließt sie, den Nigerianer Diallo (Eric Kabongo) in ihre Münchner Vorstadt-Villa einziehen zu lassen – sehr zum Leidwesen ihres Mannes Richard (Heiner Lauterbach).

Der leicht cholerische Chefarzt ist gerade viel zu sehr mit seiner eignen altersbedingten Psychokrise beschäftigt, die er mit Botox, Disco-Besuchen und einem Facebook-Account bekämpft. Da parallel auch noch das langzeitstudierende Töchterchen Sofie (Palina Rojinski) und der burnoutfgefährdete Workaholic-Sohn Philipp (Florian David Fitz) samt Enkel Basti ins Hotel Mama zurückkommen, ist das Chaos bei Familie Hartmann perfekt. Diallo erlebt einen Kulturschock vom feinsten und wird unfreiwillig zum Eheberater, Lebenshelfer und großem Bruder.

Überambitioniert, aber mit Tiefgang

Irgendwie lässt es die Inhaltsangabe schon vermuten: Durch die ganzen Wehwehchen der Hauptfiguren kommt "Willkommen bei den Hartmanns" auf den ersten Blick ein wenig zu ambitioniert rüber. Dabei ist von den abgedrehten Nebenfiguren wie dem durchgeknallten Schönheitschirurgen (Uwe Ochsenknecht), der übermotivierten Flüchtlingshelferin Heike oder Sofies Stalker, der sich als Nazi entpuppt, noch gar nicht die Rede. Doch genau diese kleinen Abschweifungen verleihen dem Film die nötige Tiefe, denn trotz aller Zuspitzungen verlieren alle Figuren zu keinem Zeitpunkt ihre menschliche Seite.

Dialoge untermauern eine Achterbahn der Gefühle

Dass die Handlung nie aus der Spur gerät, ist hauptsächlich das Werk von Newcomer Eric Kabongo als Diallo, bei dem alle Erzählebenen immer wieder zusammenlaufen. So wie er den offenherzigen Flüchtling aus Nigeria spielt, kommt es glaubwürdig rüber, dass dieser mal mit in sich gekehrter Traurigkeit zu kämpfen hat und dann wieder neuen Lebensmut schöpft. Seine Highlight-Szene ist sicherlich, als er vor Bastis Schulklasse ein bewegendes Referat über seine Terrormiliz- und Fluchterfahrungen hält.

Durch den ständigen Wechsel von quietschbunten Bildern samt schrägem Humor und schonungslosen Dialogen über schicksalhafte Erlebnisse bekommt "Willkommen bei den Hartmanns" eine ganz eigene Dynamik. Als Zuschauer fährt man quasi die Gefühlsachterbahn in Dauerschleife.

Apropos Gefühle: Natürlich darf auch ein bisschen Liebe nicht fehlen! Und so kommt auch "Fack Ju Göhte"-Star Elyas M’Barek zu seinem (ungewöhnlich) kleinen, aber feinen Einsatz: als junger Arzt und Schwarm von Palina Rojinskis Figur Sofie. Ohne viel Tamtam trägt dieser kleine Exkurs dazu bei, dass die mutige Komödie zu einem wunderbar facettenreichen, authentischen Film wird.



Fazit zu "Willkommen bei den Hartmanns"

Flüchtlings-, Tragi- oder  Culture-Clash-Komödie? Oder gar Gesellschaftssatire? Es ist gar nicht so leicht, die richtige Bezeichnung für "Willkommen bei den Hartmanns" zu finden. Einen reinen, seichten Unterhaltungsfilm hat Simon Verhoeven auf jeden Fall nicht produziert. Und auch keinen fröhlich-unglaubwürdigen "Refugees Welcome"-Movie. Es ist mehr eine kritische Bestandsaufnahme geworden, die dank eines tollen Casts und jeder Menge Humor trotzdem viel Spaß macht und bei einem so schwierigen Thema wie der "Flüchtlingskrise" den richtigen Ton trifft.


Willkommen bei den Hartmanns DVDUNICUM Film-Tipp

Willkommen bei den Hartmanns

Drama/Komödie, Deutschland 2016

Regie: Simon Verhoeven

Darsteller u. a.: Senta Berger, Heiner Lauterbach, Eric Kabongo, Florian David Fritz, Palina Rojinski, Elyas M’Barek

Verleih: Warner Home Entertainment

Heimkinostart: 06. April 2017

Artikel-Bewertung:

3.16 von 5 Sternen bei 90 Bewertungen.

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