Schiller, Charlotte und Caroline vereint - Die geliebten Schwestern
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09. Aug 2016

Entertainment

Neu im Kino: Die geliebten Schwestern

-ARCHIV-

Am 31. Juli startet die Dreiecksgeschichte um Friedrich Schiller im Kino

Friedrich Schiller im Sturm und Drang

Hatte Albert Schweitzer Recht mit seinem Spruch "Das Glück ist das einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt"? Zumindest die Schwestern Caroline von Beulwitz (Hannah Herzsprung) und Charlotte von Lengefeld (Henriette Confurius) glauben daran. Denn beide wollen stets alles miteinander teilen. Freude, Liebe und Leid. Diesen Schwur nimmt Caroline der jüngeren Charlotte ab, bevor sie die Heirat mit dem ungeliebten Herrn von Beulwitz (Andreas Pietschmann) eingeht. Eine reine Pflichtheirat. Richtig bewusst, was dieser Schwur für ihr Leben bedeutet, wird den Schwestern erst klar, als Friedrich Schiller in ihr Leben tritt. Zunächst entspinnt sich zwischen ihnen eine einträchtige Ménage à trois, doch schleichend bricht Eifersucht zwischen den Schwestern aus ...

Ein Historienfilm voller poetischer Leichtigkeit

Der Film "Die geliebten Schwestern" kommt daher wie ein lebhaftes, unglaublich bezauberndes und bewegendes Märchen. Seichte, leichte Töne, die zarte Kunst des Briefeschreibens und zahlreiche Off-Stimmen lassen das Geschehen in schillernden Farben leuchten. In jeder Minute des Films ist die pure Freude an Sprache, Sätzen und Worten spürbar. Briefe werden vorgelesen und mit Geheimzeichen kodiert. Sie zetteln Intrigen an, lassen die Liebenden verzweifeln oder sehnsüchtig auf Antwort warten. Selbst der Akt des Schreibens wird unterhaltsam in Szene gesetzt. So probiert sich Schiller zum Beispiel ziemlich unbeholfen darin, zwei Briefe gleichzeitig an Caroline und Charlotte zu schreiben. 

Wenn die Schwestern Schiller kennenlernen, ist er bereits der berühmt-berüchtigte Autor des Dramas "Die Räuber" (1781). Sein bewegtes Leben voller Geldsorgen, Flucht und Ruhm wird nur in Grundzügen nachgezeichnet. Der Liebesgeschichte sei es geschuldet. Doch wir sind als Zuschauer dabei, wenn Schiller 1788 das erste Mal Goethe trifft. Wir sind dabei, wenn er 1789 seine Antrittsvorlesung in Jena hält. Lauschen gebannt seinen Worten und verspüren den Geist der Revolution und den damit verbundenen Zauber, der durch die alten Gemäuer zieht. Die finanziellen Nöte Schillers scheinen damit besiegt. Aber da zeigen sich andere Wolken am Himmel. Die Liebe der Schwestern stößt an ihre Grenzen. Mittlerweile hat Charlotte im Februar 1790 Schiller geheiratet, auch um die Ménage à trois vor der Öffentlichkeit zu schützen.

Kaum beginnt Caroline jedoch für die Arbeit an ihrem eigenen Roman, den Rat von Schiller einzuholen, erfährt die Geschwisterliebe einen empfindlichen Riss. Der Film reißt uns mit in den wilden Strudel aus Emotionen aus Trennung, Schmerz und Wut. Die Gefühle kochen bei den Schauspielern hoch und machen den Film zum Ende hin so unglaublich stark.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Mit einem Liebesdrama kehrt Dominik Graf nach Jahren der Abstinenz zum Kino zurück und liefert dann geschlagene drei Fassungen von "Die geliebten Schwestern". Eine 170-minütige Fassung für die Berlinale, eine 190-minütige für einen Fernseh-Zweiteiler und schlussendlich knackige 138 Minuten für die Kinozuschauer. Die Versionen erzählen aber alle eine Geschichte: Drei Leute lieben sich in einer Zeit, in der ihre Liebe ein kleiner-großer Skandal ist und sie alle dennoch für einen kurzen Augenblick an dessen Dauerhaftigkeit glauben. Wer sich auf den Film nicht einlassen möchte, der kann alternativ zum Buch greifen und zwar zu Ursula Naumanns Roman "Schiller, Lotte und Line". Den unheimlichen Sog der Ménage à trois wird auch dort spürbar werden. Es kann gar nicht anders sein.

Graf ist kein Regisseur, der es seinen Zuschauer leicht macht. Da fliegen in "Die geliebten Schwestern" Orte und Jahreszahlen in quietschbunten Farben wie in einer schlechten Powerpoint-Präsentation ein, da werden ganze Briefpassagen von den Schauspielern direkt in die Kamera gesprochen. Und der Schluss: Das ist ein echter Graf-Moment ... Alle, die Filme wie "Die Katze" (1988) oder "Der Felsen" (2002) bisher nicht kannten, werden hier sehr schnell herausfinden, ob sie Graf-Fan sind oder nicht. Ein Versuch ist es wert, vor allem, weil die Besetzung so grandios ist!

Die geliebten Schwestern

Drama, Deutschland/Österreich/Schweiz 2014

Darsteller u.a.: Hannah Herzsprung, Henriette Confurius, Florian Stetter

Verleih: Senator Film

Kinostart: 31. Juli 2014

www.senator.de/die-geliebten-schwestern

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