Claire Foy Interview
Für die Rolle als Lisbeth Salander musste Claire Foy an einen düsteren Ort gehen. | Foto: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH
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26. Nov 2018

Hella Wittenberg

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Claire Foy im Interview

"Die Leute waren weniger freundlich zu mir"

Claire Foy hat viel von Lisbeth gelernt

UNICUM: Gab es etwas, das du von Lisbeth Salander lernen konntest?
Claire Foy: Eine ganze Menge sogar! Ich mochte es, mir anzuschauen, wie ruhig und einzigartig sie an alles herangeht und wie komplex sie denkt. In ihre Art das Leben zu leben, habe ich mich verliebt. Gleichzeitig ist Lisbeth auch sehr verletzlich, weshalb ich mich nicht nur wie eine Schauspielerin, sondern auch wie eine Beschützerin für diesen Charakter gefühlt habe. Ich wollte, dass alles, was ich für sie empfinde, auch im Film rüberkommt.

Lisbeth ist schon auch Punk, oder?
Ich denke, Lisbeth hat einen Weg gefunden, sie selbst sein zu können. Und das ist eben kein Girly Girl. Sie hat realisiert, dass es nicht gut für sie ausgeht, wenn sie so wahrgenommen wird. Dann lieber das Stachelschwein sein. Oder ganz unsichtbar sein, im Schatten von allem leben und allein sein.

Warum denkst du, ist das so?
Für Lisbeth ist die Welt ein verwirrender Ort. Sie versteht nicht, wieso Menschen so auf sie reagieren, wie sie es tun. Emotionale Bindungen sind schwierig für sie. Wer sie zum ersten Mal trifft, findet sie unhöflich und unangenehm. Aber wenn man sie kennenlernt, stellt sich heraus, wie extrem intelligent sie ist. Das Leid, das sie erlebt hat, macht sie menschlicher als jeden anderen.



Der Film rückt das Schlechte der Welt in den Fokus. Braucht es da eine Balance, wenn man sich beim Dreh rund um die Uhr damit befassen muss?
Klar, für die Rolle musste ich an einen düsteren Ort gehen. Aber wenn ich versucht hätte, vor ihrem Leid davonzulaufen und eine Balance zu finden, wäre das nicht richtig für die Rolle gewesen. Ich hätte meine Figur damit nicht geehrt.

Ich habe gehört, dass du mit dem kurzen Haar, das du für die Rolle haben musstest, nicht so glücklich warst.
Der Undercut war schon in Ordnung. Nur hatte ich diesen Haarschnitt über ein Jahr lang und irgendwann habe ich mich einfach damit gelangweilt. Aber auch wenn ich die kurzen Haare nicht weiter schlimm fand, habe ich gemerkt, dass ich dadurch anders behandelt wurde. Ich wusste vorher nicht, dass ein derartiger Kurzhaarschnitt so sehr den Umgang mit anderen beeinflusst. Er hat beeinflusst, wie mich die Leute sehen und wie sie auf mich zugegangen und auf mich reagiert haben.


Claire Foy Verschwörung


Claire Foy im Interview: "Die Leute hielten mich für komisch"

Was waren das für Reaktionen?
Die Leute waren weniger freundlich zu mir. Sie gingen oft erst einmal auf Abstand und guckten mich irgendwie überrascht an. Ich glaube, sie dachten, ich wäre ein bisschen komisch.

Mit welchem fiktionalen Charakter konntest du dich als Kind am meisten identifizieren?
Ich konnte mich immer in den Rollen wiederfinden, die Doris Day gespielt hat. Aber ich erinnere mich auch daran, dass ich, als ich noch richtig jung war, voll auf die Bücher von Enid Blyton abgefahren bin. In einem ging es um ein Mädchen, das damals ungefähr in meinem Alter gewesen sein muss, welches zum ersten Mal ihre Periode bekam. Sie war mitten in der Pubertät. Als ich das las, dachte ich nur so: "Endlich versteht mich einer!"

Was wäre, wenn du mit dem Wissen von heute noch einmal 18 sein könntest?
Ich würde nur noch reisen, reisen, reisen. Einmal um die ganze Welt. Und vielleicht nie wieder nach Hause kommen (lacht). Ich bin zwar damals auch eine Menge gereist, aber mit 25 kam ich wieder daheim an und erklärte allen: "Na gut, jetzt werde ich dann wohl erwachsen." (lacht)

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