Robert Pattinson Good Time
"Twilight"-Image ade: Robert Pattinson in "Good Time" | Foto: Temperclayfilm
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02. Nov 2017

Rüdiger Sturm

Promis & Interviews

Robert Pattinson, warum drehst du eigentlich keine Blockbuster mehr?

Der Ex-"Twilight"-Star im Interview

Das Wichtigste für Robert Pattinson: "Ich brauche Kontrolle über mein Leben"

UNICUM: Für deinen neuen Film "Good Time" hast du hervorragende Kritiken bekommen. Wie wichtig ist das für dich?
Robert Pattinson: Sehr wichtig. Viele Schauspieler behaupten, dass sie keine Kritiken lesen oder dass die ihnen egal sind, aber das nehme ich ihnen nicht ab. Das bedeutet jedem etwas. Mich hat es auch gestört, wenn die "Twilight"-Filme schlecht bewertet wurden.

Du hast ja seit der "Twilight"-Serie fast nur künstlerisch anspruchsvolle Projekte gedreht – nichts mehr fürs breite Publikum. Woher kommt das?
Die großen Filme, die man mir angeboten hat, waren alle nicht interessant. Ich brauche eine echte künstlerische Herausforderung und bin bereit, darauf zu warten. Und die meisten Blockbuster erzählen doch irgendwelche Superhelden-Geschichten. Bei denen musst du dich für mehrere Filme verpflichten – da gehen schon mal zehn Jahre deines Lebens drauf. Auf das kann ich dann doch verzichten. Ich muss nicht immer nur Nummer-Eins-Hits feiern.

Aber die sind doch gut fürs Bankkonto. Wäre das nicht beruhigend?
Nein, ich brauche Kontrolle über mein Leben und Ruhe zum Nachdenken. Bei so einem großen Film habe ich die nicht.

Du könntest ja auch weniger arbeiten, um Ruhe zu finden.
Das ist gefährlich. Ich bin am glücklichsten, wenn ich versuche, mich zu beweisen. Wenn ich nur herumhocke und chille, das hasse ich. Das beste Gefühl ist es, wenn ich abends nach der Arbeit nach Hause komme und weiß "Ich habe heute genau das gemacht, was ich tun wollte".

Was machst du aber, wenn du nichts zu tun hast?
Ich sitze dann sprichwörtlich in meinem Hotelzimmer einsam wie ein Einsiedler und surfe ich im Netz. Ich muss mich dann wirklich wieder daran erinnern, wer ich eigentlich bin und was ich tun sollte. Aber du versinkst eben so leicht in solchen alternativen Realitäten.

"Wenn du nach dir im Internet suchst, ist das eine ganz schlechte Idee"

Wer so sensibel ist, der geht in dieser wilden Branche leicht unter.
Aber zumindest weiß ich, wer ich bin und wie ich ticke. Und genau aus dem Grund schaffe ich es, irgendwie die Balance zu halten.

Wie geht es dir mit den Paparazzi, die dir früher das Leben schwer gemacht haben?
Ich habe mich gezwungen, mit ihnen klarzukommen. Das heißt, ich trage jetzt keine Hüte oder Verkleidungen mehr. Denn wenn du deine Klamotten nur mit dem Ziel auswählst, dich darunter zu verstecken, hinterlässt das psychologisch Spuren. Du wirst echt wahnsinnig. Die Paparazzi sind sowieso der geringere Teil des Problems. Ich hatte jahrelang Angst, was die Leute über mich denken, wenn sie mich sehen. Noch viel schlimmer war es, als ich mich selbst gegoogelt habe. Wenn du nach dir im Internet suchst, ist das eine ganz schlechte Idee.

Das hast du wirklich gemacht?
Das würde jeder tun. Davon wirst du süchtig. Wenn du weißt, dass jemand im Zimmer neben dir über dich etwas erzählt, dann willst du das wissen. Letztlich bleibst du dann einfach in diesem Zimmer sitzen und wartest, welche Geschichte als nächstes kommt.

Und was siehst du dir jetzt an, wenn du in deinem Zimmer bist?
Meine Filme! Aber nicht absichtlich. Aber vor kurzem habe ich "Cosmopolis" im Fernsehen gesehen, der eigentlich nicht so gut angekommen ist. Doch ich weiß, es wird irgendwo auf der Welt eine Person geben, die diesen Film um drei Uhr morgens anschaut und sich fragt: "Wache ich oder träume ich?" Und genau für so jemand habe ich diesen Film gemacht.


Good Time FilmplakatUNICUM Kino-Tipp

Good Time

Thriller/Drama, USA 2017

Regie: Ben und Joshua Safdie

Darsteller u.a.: Robert Pattinson, Jennifer Jason Leigh, Ben Safdie, Buddy Duress

Verleih: Temperclayfilm

Kinostart: 02. November 2017

Artikel-Bewertung:

3.34 von 5 Sternen bei 29 Bewertungen.

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