Tom Schilling Film Werk ohne Autor
"Werk ohne Autor" kommt am 4. Oktober in die Kinos. | Foto: Walt Disney
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04. Okt 2018

Julian Baltruschat

Promis & Interviews

Tom Schilling im Interview

"Aus mir wäre ein richtig guter Tischler geworden."

Tom Schilling hat schon in seiner Jugend viel gemalt

UNICUM: In dem Film spielst du einen jungen Maler, der nach seiner Flucht in den Westen an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert. Du wolltest früher selbst Malerei studieren. Was hat dich daran fasziniert?
Tom Schilling: Dass ich es konnte (lacht). Ich hatte eine Kunstlehrerin, die bei mir ein Talent entdeckt hat. Ich habe sogar mit dreizehn schon ein Bild verkauft. Da waren wir nämlich mit unserer Klasse vor der Schule und haben alle so ein Gründerzeithaus malen müssen. Da kam ein Mann vorbei, dessen Vater das Haus gehörte und der fand das natürlich super spannend, dass das Haus seines Vaters gemalt wird. Er hat dann mal so durchgeguckt, auf meins gezeigt und hat gesagt "Das würde ich gerne kaufen". So kam das zustande, dass ich Lust hatte Maler zu werden.

Im Film selbst malst und zeichnest du ja auch viel. Wie hast du dich auf deine Rolle vorbereitet und hast du vielleicht sogar Unterricht genommen?
Ich konnte auf meine malerische Vergangenheit irgendwie zurückblicken. Ich habe meine ganze Jugend lang viel gemalt. Für den Film, als Vorbereitung,  bin ich auch nochmal ins Atelier gegangen, zu dem Künstler, der für uns die Bilder im Film gemalt hat, und hab da mit ihm parallel gemalt. Er hat groß gemalt und ich hab dann beispielsweise ein wichtiges Bild – das von Burghart Kroll bei der Verhaftung – etwas kleinformatiger parallel gemalt. Und das ist auch gar nicht so schlecht geworden.

Was hat dich an der Rolle so gereizt und wieso hast du dich für den Film entschieden?
Gereizt hat mich tatsächlich dieser malerische Aspekt. Die Rollen, die ich spiele, müssen immer irgendwie persönlich aufgeladen sein. Darum geht es ja auch gewissermaßen in dem Film. Wie entsteht gute Kunst? Natürlich ist das alles andere als ein Werk ohne Autor, sondern das Gegenteil ist der Fall, aber der Künstler im Film, Kurt Barnert, hängt das nicht an die große Glocke, sondern verschleiert es. So ist das bei mir auch. Ich brauche immer einen persönlichen Bezug. Ich muss wissen, warum gerade ich diese Rolle spielen soll. Hierbei war es natürlich der persönliche Bezug zur Malerei.



Tom Schilling: "Ich wollte was über mich erzählen und zwar nicht durch einen Film"

In "Werk ohne Autor" spielst du einen jungen Künstler, der mit Hilfe seiner Kunst versucht, seine schreckliche Vergangenheit zu verarbeiten. Du machst selber Musik – ist das etwas, womit du Dinge verarbeiten kannst?
Es ist auf jeden Fall eine sehr persönliche Platte. Das sind jetzt keine belanglosen Songs, die einfach allgemeine Themen haben. Wenn man sich damit ernsthaft beschäftigt, mal die Texte liest und versucht zu dechiffrieren, dann erfährt man da ziemlich viel über mich. Das war tatsächlich ein wichtiger Grund, die Platte zu machen. Ich wollte was über mich erzählen und zwar nicht durch einen Film, denn da ist man halt doch nicht der maßgebliche Urheber, sondern du interpretierst, so ein bisschen wie ein Pianist oder ein erster Geiger. Der interpretiert das Werk, das vorher schon da ist, und der Dirigent oder der Komponist ist der Regisseur. Bei der Platte war ich wirklich der Urheber. Das fand ich wichtig.

Wie bist du denn zur Musik gekommen? Hast du früher schon Instrumente gespielt?
Ich habe erst spät Gitarre und Klavier gelernt, hab mir das irgendwie selber beigebracht mit Anfang 20. Ich war natürlich vorher schon ein großer Musikfan, aber ich habe nie in einer Band gespielt.

Ich habe mal gelesen, dass du ein großer Rammstein-Fan bist. Das spiegelt sich jetzt nicht wirklich in deiner Musik wieder, die du aktuell machst. Gab es Künstler, von denen du gesagt hast: "So was ähnliches will ich machen?"
Genau das meine ich. Vielleicht nicht in der Musik, aber in der Textung gibt es große Ähnlichkeit zu dem Sound und dem Stil von Till Lindemann der sich auch gerne in der deutschen Romantik bedient. Insofern ist er auf jeden Fall als Texter ein großes Vorbild gewesen. Natürlich haben wir keine verzerrten Gitarren und wir machen nicht das, was man so allgemein Brachialrock oder Metal oder neue deutsche Härte nennt. Aber textlich hat es viel mit Till Lindemann zu tun. Wen mag ich noch? Ich mag Pete Doherty unheimlich gern.


Tom Schilling Werk ohne Autor


Für Tom Schilling war die Schauspielerei lange ein Hobby

Wie bist du damals zur Schauspielerei gekommen? Gab es bei dir ein Schlüsselereignis, nach dem du wusstest: Okay, ich möchte später Schauspieler werden?
Ich bin tatsächlich mehrmals gescoutet worden und immer kamen Leute auf mich zu – im Kindergarten, später in meiner Grundschule und dann nochmal im Gymnasium. Personen, die unabhängig voneinander jeweils ihr Projekt vorgestellt und gesagt haben: Wir suchen hier Kinder, die in einem Film mitspielen oder auf der Bühne im Theater. Meistens wurde ich angesprochen. Oder ich fühlte mich angesprochen und bin aus irgendeinem Grund zum Casting gegangen. Tatsächlich wurde ich dann auch sehr oft genommen. Auch wenn ich das, so erinnere ich mich jedenfalls, rückblickend eher widerwillig gemacht habe und es mir eine Zeit lang keinen richtigen Spaß gemacht hat. Jedenfalls im Fernsehen. Im Theater schon. Ich habe am Berliner Ensemble – das ist ein ganz renommiertes Haus, das Bertolt Brecht gegründet hat – lange gespielt, von zwölf bis sechzehn. Das war so die Zeit, in der ich eigentlich lieber Maler werden wollte. Die Schauspielerei habe ich eher als Hobby begriffen. Während der Dreharbeiten von "Schlaraffenland" – der erste Film, in dem ich eine größere Rolle gespielt habe – bemerkte ich, dass ich großen Spaß daran habe Filme zu drehen. Ein Jahr später gab es einen Film, der mir zum einen unglaublichen Spaß gemacht hat und auch noch toll geworden ist. Dieser Film hieß "Crazy". Der hat beim Publikum funktioniert und ich habe in Screenings gemerkt, dass das, was ich da gemacht habe in einer Szene, sich auf die Leute transportiert. Dass es eine Wirkung hat. Das war ein sehr erhebendes Erlebnis und da wusste ich, dass das vielleicht ein Beruf für mich ist.

In welchem Beruf würdest du heute arbeiten, wenn es mit der Schauspielerei nicht geklappt hätte?
Also wenn ich nicht Maler oder Schauspieler hätte werden können oder wollen, hätte ich wahrscheinlich irgendwas studiert – Psychologie, Philosophie, Politikwissenschaften, wobei mich eigentlich mehr so was Handwerkliches interessiert. Ich kann mir vorstellen, aus mir wäre ein richtig guter Tischler geworden.

Du bist schon relativ früh Vater geworden. Wie schaffst du es, dein Familienleben mit dem Leben als Schauspieler zu koordinieren?
Das frage ich mich auch (lacht). Weiß ich nicht, das meiste habe ich vergessen. Ich weiß überhaupt nicht mehr, wie ich das alles in der Vergangenheit gemacht habe, aber irgendwie geht’s. Die Kinder werden größer. Man darf auch nicht vergessen, dass ich nie so ein Viel-Dreher war und auch immer noch nicht bin. Es gibt Leute, die drehen Filme parallel, oder gehen von einem Projekt direkt ins nächste. Bei mir ist das ganz anders. Ich wähle sehr genau aus und mache selten mehr als zwei Filme pro Jahr. Ich habe eher lange Vorbereitungsphasen, die ich aber von Berlin aus habe. Ich bin in dieser Zeit zuhause bei meiner Familie und insofern ist die reine Nettoreisezeit dann gar nicht so hoch. Das ist bei anderen Schauspielern definitiv schlimmer.


Filmplakat Werk ohne Autor

UNICUM Filmtipp

Werk ohne Autor

Regie: Florian Henckel von Donnersmarck

Mit: Tom Schilling, Paula Beer, Sebastian Koch, Saskia Rosendahl, u. a.

Verleih: Walt Disney

Kinostart 04. Oktober 2018

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4 von 5 Sternen bei 12 Bewertungen.

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