Her Film DVD
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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM Filmkritik: Her

-ARCHIV-

Spike Jonzes emotionsgeladenes Drama begeistert ab dem 04. September auf DVD und Blu-ray

Liebe ohne Grenzen

Es gab eine Zeit, da war Theodore Twombly (Joaquin Phoenix) glücklich. Glücklich verheiratet, zufrieden im Job, mit vielen Freunden gesegnet. Doch seit einem Jahr steht die Scheidung mit Ehefrau Catherine (Rooney Mara) im Raum; eine Trennung, die Theodore schwer verkraften und noch weniger begreifen kann.

Der professionelle Liebesbriefschreiber ist spürbar einsam. Einer der Gründe, weswegen er ein neues hochmodernes Betriebssystem auf dem Computer installiert. Das Operating System, kurz OS, ist persönlich auf seinen Nutzer zugeschnitten und verfügt über ein Bewusstsein. Theodores künstliches Wesen entwickelt sich rasant, erlernt immer mehr Emotionen, bis es letztendlich nur noch durch seine Körperlosigkeit von einem Menschen zu unterscheiden ist.

Das OS gibt sich sogar einen eigenen Namen: Samantha. Es dauert nicht lange, da erwächst zwischen Theodore und der Technik die Liebe. Mit all ihren Facetten: Dem ersten Kribbeln, dem ersten Sex (!), dem gemeinsamen Alltag, der langsamen Entfremdung, dem ersten Schmerz...

Von Einsamkeit. Und Hoffnung

Viel ließe sich aus der Grund-Idee der Story machen: Eine sozialkritische Studie, ein packender Action-Thriller, eine alberne Komödie. Kult-Regisseur Spike Jonze ("Being John Malkovich", "Wo die wilden Kerle wohnen") entschied sich dagegen für ein romantisches Drama.

Frei von Kitsch, dafür mit einem feinen Gespür für die menschliche Seele, erzählt er von einer traurigen Gestalt, die durch die Begegnung mit einem anderen Wesen neuen Lebensmut fasst. Dass es sich dabei um ein programmiertes Computersystem handelt, bringt zwar Spannung in die Beziehung – doch die Probleme bleiben durchweg typisch zwischenmenschlich: Wie kann man lieben, wenn man doch so unterschiedlich ist? Wann ist Eifersucht gerechtfertigt? Was passiert, wenn sich die Partner in andere Richtungen entwickeln?

Es sind diese Themen, auf die sich Jonze konzentriert. Eine Kritik an der wachsenden Anonymität in den Großstädten, an einer steigenden Abhängigkeit von der Technik, kommt – wenn überhaupt – nur sehr unterschwellig und subtil vor. Über dem Los Angeles der Zukunft mag zwar die Aura des "Verlorenseins" schweben, dennoch wirken die Menschen glücklich und die Gesellschaft intakt. Die Technik ist zu einem wichtigen Teil des Lebens geworden, aber nicht zu einem übermächtigen.

Das fühlende Operating System wird ganz selbstverständlich in dieser Welt aufgenommen. Als Theodore etwa seinem Boss erzählt, dass seine neue Freundin ein OS sei, ruft dieser nur fröhlich, dass er sie zum nächsten Wochenendtrip einfach mitbringen könne. Eine etwas vielschichtigere Auseinandersetzung vermisst man da an der ein oder anderen Stelle schon.

Als reine Liebesgeschichte funktioniert "Her" dagegen erstklassig. Joaquin Phoenix füllt mit viel Wehmut und Sensibilität seine Rolle aus und agiert wunderbar mit der Stimme Samanthas, die im Original von Scarlett Johansson gesprochen wird. Neben diesen beiden treten nur in kurzen Momenten weitere Charaktere auf, die dafür mit Amy Adams ("American Hustle"), Chris Pratt ("Guardians of the Galaxy"), Olivia Wilde ("Tron: Legacy") und Rooney Mara ("Verblendung") umso hochkarätiger besetzt sind.

"Her" ist eine einfühlsame Geschichte über Einsamkeit und Hoffnung. Und ein Plädoyer dafür, dass Liebe keine Grenzen kennt. Ein schöner Film, der ans Herz geht.

Her

Drama, USA 2013

Regie: Spike Jonze

Darsteller u.a.: Joaquin Phoenix, Scarlett Johansson, Amy Adams

Verleih: Warner Home Video Germany

VÖ: 04. September 2014

www.herthemovie.com

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