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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM schaut: Spring Breakers

-ARCHIV-

Party, Sex & Drogen: seit dem 30. August auf DVD und Blu-ray erhältlich

Spring Break Forever!

Es ist wahrscheinlich eine der verstörendsten Szenen des Films: An einem Pool mit Blick auf das Meer lauschen drei mit pinken Sturmmasken und Gewehren bestückte Bikini-Schönheiten den Klängen des weißen Pianos, an dem ein durchgedrehter Ghetto-Gangster den Song "Everytime" von Britney Spears anstimmt. "Everytime I try to fly I fall, without my wings, I feel so small, I guess I need you baby": den Refrain singt das Quartett schließlich im Chor – nur um sich im Anschluss auf einen Raubzug zu begeben.

Regisseur Harmony Korine setzt bei "Spring Breakers" auf krasse Bilder, schnelle Schnitte, verwobene Rückblenden und grelle Farben. Von Komödien á la "Hangover" ist er dabei ebenso weit entfernt wie von Teenie-Schmonzetten  á la "High School Musical". Korines Blick auf Amerikas größtes Feiergelage ist dreckig, kompromisslos und nur schwer in eine Genre-Schublade einzuordnen.

"Bikinis und Mega-Möpse – nur darum geht es" sinniert etwa der Kleinkriminelle Alien (großartig: James Franco) lautstark über den Sinn des Spring Breaks. "Wir wollen doch hier nur herausfinden, wer wir sind", steht dagegen für Faith (Selena Gomez) fest. Die Studentin aus einer strenggläubigen Familie will den starren Regeln daheim entfliehen und mit ihren Freundinnen Candy (Vanessa Hudgens), Brit (Ashley Benson) und Cotty (Rachel Korine) den Sommer in Florida verbringen. Da das Geld für die Fahrt fehlt, überfällt das zuletzt genannte Trio kurzerhand ein Diner, mit dem erbeuteten Geld geht es Hals über Kopf gen Süden. In Saint Petersburg angekommen, stürzen sich die vier Girls ins ausschweifende Partyleben – Drogen inklusive. Nach einer besonders wilden Nacht wird die Bikini-Gang von der Polizei festgenommen, ein Umstand, der vor allem die naive Faith auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Zu ihrem Glück oder Pech stellt der ihnen bis dato unbekannte Alien die Kaution und nimmt das anfangs noch skeptische Quartett mit in seine Welt. Eine Welt, an deren logischem Ende die Eskalation steht.

Zu dem durchgedrehten Soundtrack des DJs Skrillex entfaltet sich "Spring Breakers" zu einem Drama, das sich nicht recht zwischen Moral, Ironie und Orgie einordnen lässt – und genau dadurch seine Stärke bezieht. Harmony Korine mixt wild Rückblicke, atmosphärische Aufnahmen und Symbolik ineinander. Dahinter mag manch einer einen gewissen Tiefgang vermuten, doch die Bilderflut funktioniert ebenso gut ohne einen Anspruch auf eine Botschaft.

Ob Regisseur Korine tatsächlich mit "Spring Breakers" einen tieferen Sinn verfolgt, mag auch angesichts der teilweise nur schemenhaften Figurenzeichnung bezweifelt werden. Im ersten Drittel des Filmes blicken wir lediglich ein wenig in das Seelenleben der gläubigen Faith, die von Selena Gomez treffend und überzeugend dargestellt wird. Danach konzentriert sich der Film überraschenderweise auf Gangster Alien, der dann aus dem Off zum Zuschauer spricht. James Franco beweist mit dieser Rolle Mut zur Hässlichkeit und verkörpert mit zu Cornrows geflochtenen Haaren und Grillz auf den Zähnen einen der schmierigsten Typen der jüngsten Filmgeschichte. Vanessa Hudgens, Ashley Benson und Rachel Korine verkommen da fast schon zu Statisten, die nur dafür da sind, um die Geschichte nach vorne zu treiben.

Dieses Fehlen einer Innensicht, einer erkennbaren Motivation oder eines Bereuens trägt zudem einen großen Anteil dazu bei, dass "Spring Breakers" sich wie ein schräger Drogen-Trip anfühlt – allerdings ohne den Kater am nächsten Morgen. Das Gangster-Coming-of-Age-Drama trifft ganz sicher nicht jedermanns Geschmack, bietet aber allen, die sich darauf einlassen, unkonventionelle, knallbunte und rauhe Unterhaltung. Oder wie es Vanessa Hudgens Figur Candy ausdrückt: eine "Pause von der Wirklichkeit". In diesem Sinne: Spring Break Forever!

Spring Breakers

Drama, USA 2012

Regie: Harmony Korine

Darsteller u.a.: Vanessa Hudgens, Selena Gomez, James Franco, Ashley Benson, Rachel Korine

Verleih: Universum Film

VÖ: 30. August 2013

www.springbreakers-film.de

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