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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM trifft: J.J. Abrams

-ARCHIV-

"Star Trek Into Darkness" startet am 09. Mai in den deutschen Kinos

"Die neue Enterprise-Kollektion ist kratzfrei"

UNICUM: Mr. Abrams, die alte Crew vom Raumschiff Enterprise hat sich gerne über die kratzenden Uniformen aus Polyester beklagt - haben Sie das Problem gelöst?Abrams: Die neuen Uniformen kratzen nicht mehr. Bei den grauen Anzügen gab es allerdings ein paar Beschwerden. Die Kostümabteilung hat dafür Autopolster verwendet, die nicht für solche Zwecke nicht unbedingt entwickelt wurden. Die Schauspieler baten darum, bei einem möglichen dritten Teil diese Polster zu ersetzen. Sehr unbeliebt waren die Taucheranzüge, die ziemlich eng geschnitten waren. Abgesehen davon ist die neue Enterprise-Kollektion kratzfrei.

Die Star-Trek-Fans gelten als eingeschworene Gemeinschaft - wie vorsichtig muss man das Enterprise-Erbe behandeln? Unser Konzept war es, Elemente in den Film einzubauen, die für "Star Trek"-Fans von Bedeutung sind, die gleichzeitig aber keine so tragende Rolle spielen, dass man Vorkenntnisse benötigt, um die Geschichte zu verstehen. Das ist also kein Film nur für eingefleischte Trekkies, sondern ein Abenteuer, an dem diese Fans ihr Vergnügen haben, das aber jedem Zuschauer zugänglich ist.

Wie groß ist der Erwartungsdruck für Sie?Erwartungsdruck gibt es bei jedem Projekt. Beim Start der "Felicity"-Serie stand auf dem Poster ganz groß mein Name - womit ich bei einem Flop sofort als Schuldiger gebrandmarkt gewesen wäre. Bei "Mission: Impossible" hieß es, das größte Projekt eines Kino-Anfängers. Beim ersten "Star Trek" warnte man mich ebenso vor den Fans wie jetzt beim kommenden "Star Wars". Was soll ich großartig dagegen tun? Dieser Druck gehört einfach zum Prozess dazu. 

Wie viel hat Ihre Enterprise mit der alten Truppe von William Shatner und Leonard Nimoy zu tun?In der TV-Serie gab es sehr viele Dialoge und nicht besonders viel Action, weil das ganz einfach zu teuer gewesen wäre. Wir haben versucht, den Geist von damals zu bewahren und daraus ein spektakuläres Action-Abenteuer zu machen, bei dem die gesellschaftspolitischen und philosophischen Aspekte von einst jedoch nie über Bord geworfen werden. 

Ohne zuviel zu verraten wird nun auch geliebt, geküsst und geweint - nimmt die Enterprise Kurs auf Romantik?Das ist eine heikle Sache. Zum einen wollen wir zeitgemäß sein, also sexy und romantisch. Zum anderen wird die Zukunft der ganzen Menschheit von einem Bösewicht bedroht, was nicht unbedingt als Kulisse für eine romantische Komödie taugt. (lacht) Wir haben versucht, eine Balance zu schaffen aus emotionalen, persönlichen Szenen und der großen spektakulären Action.

"Dreharbeiten haben etwas von einer militärischen Operation"

Fühlt man sich bei solchen Mega-Produktion noch als Regisseur auf dem Klappstuhl oder eher als Raumschiff-Kommandant auf der Brücke?Die Dreharbeiten mit der ganzen Logistik haben schon etwas von einer militärischen Operation. Es ist wie ein Puzzle aus sich bewegenden Teilen, das man nur zusammensetzen kann, wenn man ein sehr gutes Team hat. Bei aller Planung bleibt der Spaß keineswegs auf der Strecke: Es ist ein Vergnügen, wenn Schauspieler erstklassige Leistungen bieten oder Effektleute die Dinge zum Leben erwecken. Wobei mir wichtig war, so viel wie möglich real zu drehen und auf virtuelle Kulissen vor Greenscreen-Wänden zu verzichten. 

Sie haben richtungweisende TV-Formate entwickelt, wie kreativ fühlt man sich, nach dem alte "Star Trek"-Muster zu stricken? Ich bin kein Snob, wenn es um die Ursprünge einer Story geht. Die meisten Filme beruhen auf bereits vorhandenen Geschichten, auf Büchern oder Serien. Für mich macht es keinen großen Unterschied, ob es sich um ein Originaldrehbuch oder die Version eines vorhandenen Stoffes handelt. Entscheidend ist nicht die Herkunft, sondern dieses besondere Gefühl, das eine Geschichte auslöst.

Was ist das Geheimnis von "Star Trek", warum wurde diese Serie zu einer solchen Ikone?Zunächst befriedigt "Star Trek" diese grundlegende menschliche Neugier: Was ist da draußen im Weltall? Diese existentielle Frage lässt niemanden kalt. Hinzukommen Figuren, die als echte Archetypen faszinieren: Der Typ, der immer logisch handelt. Der Typ, der emotional ist und mutig aus der Hüfte schießt. Oder der Typ, der stets skeptisch ist. Dieses Spektrum aus Charakteren bietet eine attraktive Basis.

Wie war die Arbeit mit dem Ur-Spock Leonard Nimoy?Für mich war es eine aufregende Sache, mit Nimoy zu arbeiten. Er ist ein sehr nachdenklicher Typ, der immer freundlich bleibt und allen hilft. Ursprünglich wollte er ja nie mehr einen "Star Trek" machen. Bei unserem ersten Film hat er sich dann aber unglaublich fürsorglich um seinen jungen Nachfolger Zachary Quinto gekümmert und ihn mit guten Ratschlägen versorgt.

Sie haben als Achtjähriger mit dem Filmemachen begonnen, spüren Sie heute noch die gleiche Neugier oder worin liegen die Unterschiede zu damals?Ich verdiene heute etwas mehr Geld als damals mit acht Jahren. (lacht) Geld war für mich nie ein Grund für diesen Beruf. Mein Vater, der heute noch als TV-Produzent arbeitet, hat mich immer vor dieser Branche gewarnt, weil alles unberechenbar und riskant ist. Für einen gesicherten Lebensunterhalt sucht man sich besser einen anderen Job - es sei denn, man liebt das Kino.

Würden selbst gerne ins All fliegen?Das hängt ganz vom Raumschiff ab - aber meinen Kindern wäre es sicher nicht recht, wenn ich damit noch weniger Zeit mit ihnen verbrächte.

Star Trek Into Darkness

SciFi/Action, USA 2013

Regie: J.J. Abrams

Darsteller u.a.: Chris Pine, Zachary Quinto, Benedict Cumberbatch, Zoe Saldana, Karl Urban, Simon Pegg, John Cho

Verleih: Paramount Pictures Germany

Kinostart: 09. Mai 2013

www.star-trek-film.de

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