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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM trifft: Metallica

-ARCHIV-

Interview zum Kinostart von "Metallica: Through The Never" am 3. Oktober 2013

"Metallica ist heutzutage eine viel gesündere Gruppe als damals"

UNICUM: Worauf habt ihr bei "Metallica: Through The Never" besonders geachtet?Robert Trujillo: Uns war sehr wichtig, dass ein richtiger Regisseur diesen Film dreht. Jemand, der sowohl Erfahrung im Livebereich hat, als auch weiß, was man bei einem Spielfilm beachten muss. Nimrod war genau der richtige Mann für uns. Er war verrückt genug, diese Herausforderung anzunehmen. Als er an Bord kam, war die Bühne gebaut und das Musik-Set stand fest, aber er hat wunderbar verrückte Ideen hereingebracht. 

Die Arbeit mit Nimrod Antal war also einfach ...Trujillo: Nein, ganz und gar nicht. Er ist ein verrückter Ungar, und wir haben uns die Köpfe ganz schön eingeschlagen (lacht). Beim Filmmachen ist immer irgendwo ein Spannungsverhältnis, das funktioniert ganz anders als eine Albumaufnahme. Die Emotionen kochen hoch, zumal wir ja alle sehr kreative Zeitgenossen sind. Ich weiß, ich habe mich manchmal sehr mit ihm auseinandergesetzt, weil ich in Bezug auf manche Dinge einfach sehr leidenschaftlich war. Zum Beispiel wollte ich unbedingt einen Autounfall im Film haben. Ich dachte, das funktioniert nicht, wenn unser Hauptdarsteller Trip auf dem Fahrrad unterwegs ist, der Junge gehörte meiner Meinung nach in ein Auto oder einen Truck. Nimrod wusste, was er wollte, aber er war flexibel genug und hieß unsere Ideen willkommen.

Es war also schwierig für euch, die Kontrolle an einen Regisseur abzugeben?Trujillo: Ja, das war ein unvermeidlicher Teil des ganzen Entstehungsprozesses dieses Films. Mit Metallica ist es ja immer so, dass wir selbst sehr eng mit dem kreativen Prozess verbunden sind, anders funktioniert das für uns erst gar nicht. Regisseure haben nun einmal eine klare Vision, und diese Vision sind sie bereit zu verteidigen, das ist ihre Aufgabe. Und auf diese Weise gibt es eben hin und wieder ein paar Spannungen.

Konntet ihr euch bei der ganzen Ablenkung durch die Filmkameras während der Livekonzerte überhaupt auf die Musik konzentrieren?Lars Ulrich: So etwas in dieser Art haben wir ja zuvor schon gemacht, das war ja jetzt nicht unser allererster Konzertfilm. Und ich kann für uns alle sprechen, wenn ich sage, dass wir uns nicht unwohl dabei fühlen, im Konzert gefilmt zu werden. Ist es heutzutage nicht sowieso der Fall, dass dich permanent irgendeine Kamera im Visier hat und filmt? Diese 3D-Kameras waren nun in der Tat sehr groß, aber sie haben uns im Livekonzert nicht gestört. Der Unterschied zwischen heute und vielleicht vor zehn oder 20 Jahren ist der Folgende: Damals in den Achtzigern und frühen Neunzigern sind wir sehr hart mit uns selbst ins Gericht gegangen, wir waren überkritisch – mit uns selbst, aber auch mit den jeweils anderen in der Band. Das sind wir heute nicht mehr. Wir geben nun das Beste, das wir haben und unterstützten und ermutigen uns gegenseitig. Wir machen uns nicht mehr gegenseitig fertig, nach dem Motto 'Du hast diesen Song versaut'. Metallica ist heutzutage eine viel gesündere Gruppe als damals. Und auch das gesamte Umfeld, in dem wir uns jetzt bewegen, ist gesünder und harmonischer. Wir wissen nun: Wenn wir unser Bestes geben, dann ist es auch gut genug.

"Wir haben die Bühne speziell für diesen Film kreiert"

Wie ist die sehr eindrucksvolle Bühne entstanden?Trujillo: Die Bühne an sich ist ein echtes Ereignis, nicht wahr? Wir haben da wirklich ein verrücktes Teil entworfen. Wir haben sehr viel experimentiert, wir haben einige Testdrehs mit der Bühne absolviert, und endlich sah sie dann genau so aus, wie wir sie wollten. Das hat in der Tat eine Weile gedauert. Wir haben die Bühne ja auch speziell für diesen Film kreiert. Die Bühne war echt gefährlich: Überall Pyrotechnik, Dinge schnellten aus ihr empor, Zeug fliegt von oben runter. Die Bühne sollte extrem sein und dich dazu bringen, dass du dich mit den Fingern in deinen Kinositz krallst.

Geht ihr mit dieser Bühne demnächst auf Tournee?Trujillo: Hoffentlich. Aber im Moment wollen wir zunächst diesen Film rausbringen, ihn den Massen ans Herz legen und ein bisschen atmen lassen. Und dann sehen wir, wie es weiter geht.

Was ist der Unterschied zwischen diesem Konzert für einen Film und einem Tourkonzert? Ulrich: Da wir die Bühne nicht so in- und auswendig kannten, waren wir beim Spielen etwas aufgeregter und angespannter. Wenn du 200 Shows auf derselben Bühne gespielt hast, dann fährst du irgendwann so ein Konzert im Autopiloten. Uns sagen ja auch Fans, nachdem sie vielleicht sieben Shows gesehen haben, "Warum zum Teufel steht ihr immer an genau der gleichen Stelle während des Beginns des elften Songs?" Weil du einfach zu diesen Mustern neigst, wenn du die Dinge wieder und wieder tust. Das ist einfach Gewöhnung. Aber alles für diesen Film haben wir gedreht, bevor es zu bequem wurde. Denn diese Konzerte waren eben nicht Teil einer Tournee, sondern Teil eines Filmdrehs.

"'Through The Never' ist auch eine Geschichte über die Hoffnung"

Wie seid ihr auf den Hauptdarsteller Dane DeHaan gekommen?Trujillo: Auf Dane haben wir uns sehr schnell und sehr leicht geeinigt. Speziell Lars war wirklich heiß auf Dane. Seine Rolle in "Chronicles" war sehr stark. Da es ja keinen Dialog gibt, brauchten wir jemanden, der sich allein mit seinem Gesicht ausdrücken kann. Dane hat das perfekt hingekriegt. Und es war auch ein bisschen Glück, dass er gerade verfügbar war.

Steht Dane DeHaan auf Metallica?Trujillo: Er war auf alle Fälle genug Metallica-Fan, um die Rolle echt zu wollen. Nimrod, Dane und wir hatten eine exzellente Chemie. Er ist ein echtes Geschenk für diesen Film.

Worum geht es eigentlich genau in der Rahmenhandlung, die Trip alias Dane abseits eures Konzerts erlebt?Ulrich: Das ist eine Reise, ein Abenteuer, es geht um auch um das Sammeln von Selbsterkenntnis und Lebenserfahrung. Es geht auch darum, was mit Menschen passiert, wenn ihre Welt plötzlich auf dem Kopf steht. Jeder, der sich dieses Spektakel anschaut, kann daraus etwas für sein eigenes Leben, für seine eigene Reise mitnehmen, davon bin ich überzeugt. "Through The Never" ist nicht zuletzt auch eine Geschichte über die Hoffnung. Alles, was wir als Metallica tun, soll mehrdeutig und unterschiedlich interpretierbar sein. Vielleicht ist Metallica ja auch deshalb so erfolgreich, weil jeder Fan seine eigene Version dessen im Kopf kreiert, was Metallica für ihn ausmacht. Insofern will ich die Story des Films gar nicht kaputterklären, auf mich sollte sowieso keiner hören. Schaut es euch einfach an – das ist die Moral der Geschichte und die Moral von Metallica insgesamt.

Welche Erfahrungen nehmt ihr persönlich aus der Arbeit an "Through The Never" mit nach Hause?Trujillo: Wir haben lange gebraucht, um den Film zu schneiden. Der Übergang von den Konzertaufnahmen zu dem endgültigen Rhythmus des Films, das war wirklich viel Arbeit. Glücklicherweise hatten wir ein großartiges Team, um all diese Arbeitsschritte umzusetzen.

"Ein neues Album? Kommt."

Vor fast zehn Jahren habt ihr die Band-Dokumentation "Some Kind Of Monster" gedreht. Würdet ihr so einen offenen und privaten Film heute nochmal machen?Trujillo: Ach, nö, ich wüsste nicht, warum wir das machen sollten. "Some Kind Of Monster" war damals meine erste Erfahrung in dieser Band. Und nun, zehn Jahre später, feiern wir die Premiere von "Through The Never" im selben Kino wie damals "Some Kind Of Monster". Für mich persönlich jedenfalls hätte es keinen Reiz, eine weitere Dokumentation zu machen. Ulrich: Ich schließe mich an. In unserem Hauptquartier in San Rafael in Kalifornien laufen praktisch permanent und überall Kameras, heutzutage wird alles dokumentiert für irgendwelche Websites, kleine Filmchen oder was auch immer. Jeder unserer Schritte wird aufgenommen. Und wenn du eine Show spielst, nehmen das 15.000 iPhones auf. Es gibt heute durch die Technologie so viele Dokumente, so viel Transparenz und so viel Zugang zu dieser Band, dass es keines weiteren filmischen Blicks hinter die Kulissen bedarf. Ich finde, die Leute bekommen heute alles, was sie wollen, wir gehen sehr offen mit allem um, also ich wüsste nicht, wie intimer und privater wir noch werden könnten. Was "Some Kind Of Monster" einzigartig gemacht hat, war aber nicht der persönliche Zugang, sondern das, was in der Phase innerhalb dieser Band los war. Das war kein Film mehr über eine Rockn’Roll-Band, sondern ein richtiger Beziehungsfilm. Ein Film über Menschen in einer Ausnahmesituation.

Habt ihr manchmal Angst, zu viel von eurer Privatsphäre preisgegeben zu haben?Ulrich: Die Tür zu Metallica stand immer so weit offen wie möglich. Bei uns gibt es nicht so eine mythenumrankte Geheimnistuerei wie bei anderen Bands, etwa bei Led Zeppelin. Bei Metallica war die Devise immer "Hier sind wir. Kommt mit".

Wie sieht es denn mit einem neuen Album aus?Ulrich: Kommt. Wir werden noch gut einen Monat durch die Welt reisen, um über diesen Film zu sprechen, und dann setzen wir uns hin, um uns ernsthafte Gedanken über die nächste Platte zu machen. Im kommenden Jahr werden wir uns ganz auf das neue Album konzentrieren und wir können es kaum abwarten.

Metallica: Through The Never

Konzertfilm, USA 2013

Regie: Nimrod Antal

Darsteller u.a.: Dane DeHaan, Metallica

Verleih: Ascot Elite Filmverleih

VÖ: 3. Oktober 2013

www.throughthenevermovie.com

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