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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM trifft: Richard Castle

-ARCHIV-

UNICUM wagte ein ungewöhnliches Experiment und bekam eine TV-Serienfigur an die Strippe

"Ein gutes Pokerface ist nicht zu unterschätzen"

Sie müssen zugeben, die Parallelen zwischen Ihnen und Ihrer Hauptfigur Jamie Rook aus der "Nikki Heat"-Reihe sind verblüffend, oder?Was? Rook und ich? Wir haben überhaupt nichts miteinander zu tun. Er ist natürlich auch zufällig ein erfolgreicher, gutaussehender, junger Journalist, so wie ich ebenfalls ein erfolgreicher, gutaussehender, junger Autor bin. Aber sonst haben wir nichts gemeinsam.

Jamie Rook ist ja Pulitzer-Preis-Träger …Doppelter Pulitzer-Preis-Träger bitte schön.

… ist das etwas, worauf Sie neidisch sind?Als Autor würde ich natürlich nicht den Pulitzer-Preis, sondern den Literatur-Nobelpreis anstreben. Der kommt im Krimi-Genre nicht wirklich infrage. Allerdings kann man ja nie wissen, ob ich nicht irgendwann was Nobelpreis-Verdächtiges schreibe. Ich würde auf jeden Fall nicht Nein sagen.

Merken Sie eigentlich, dass viele Sie für eine Nervensäge halten?Und wenn schon – dann geht das zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus. Manchmal bin ich eben etwas überdreht. Besser als nirgendwo aufzufallen. Das ist eben mein Charakter, nichts, wofür man sich schämen sollte.

Was sagt Ihre Kollegin Kate Beckett zu den Romanen? Sie erkennt sich doch bestimmt in der Hauptfigur Nikki Heat wieder.Ihre Reaktion war nach außen hin etwas schockiert. Wahrscheinlich möchte sie einfach nicht zugeben, wie sehr er ihr gefallen hat. Es sind durchaus Elemente vorhanden, die die Figur Nikki Heat mit Kate Beckett verbinden. Ich will sogar sagen, dass sie als Muse fungiert hat. Trotzdem ist es wie bei mir und Rook. Es sind nicht die gleichen Personen. Die Romanfigur ist ebenfalls die abenteuerlustigere und etwas überzeichnetere Version des Originals. Wobei ich das ihr gegenüber nie so zugeben würde.

Das Ebenbild Ihrer Mutter hat in den Romanen nur einen Kurzauftritt. Warum spielt sie keine größere Rolle?Sie kommt immer mal wieder vor, aber nur in einer unterstützenden Funktion. Aber genau das ist sie ja auch in meinem Leben – eine große Stütze, von Mal zu Mal auch eine nervtötende.

Einen Gegenpart zu Ihrer Tochter gibt es gar nicht?Nein. Alexis würde ich nie in einem Roman vorkommen lassen. Das ist zu privat.

Ihre Tochter kommt immer so vernünftig und erwachsen rüber. Müssen Sie ihr auch manchmal sagen, dass sie ruhig Kind sein darf?Eigentlich bin ich ja das Kind in der Beziehung (lacht). Aber natürlich ist Alexis eine sehr ernste, junge Frau, die auch schon mal vergisst, dass sie mehr Kind sein könnte. Aber letztendlich hat sie auch ihre Momente, in denen ein Lasertag-Spiel mit ihrem Vater das nachholen lässt, was sie manchmal vielleicht etwas vernachlässigt: einfach mal locker zu sein.

Apropos Spiel: Wie kommt es, dass Sie mit prominenten Autoren wie James Patterson pokern?Krimi-Autoren brauchen den Input anderer Krimi-Autoren, um immer auf Zack zu bleiben in ihren Fällen. Außerdem ist ein gutes Pokerface nicht zu unterschätzen.

Ihr ehemaliger Titelheld Derrick Storm musste ein tragisches Ende hinnehmen. Ich hoffe, Nikki Heat bleibt dieses Schicksal erspart?Ich denke, Nikki Heat hat noch viele Romane vor sich. Derrick Storm war einfach eine Figur, die mir nichts mehr gegeben hat. Sie hat mich nicht mehr überrascht. Deswegen habe ich gedacht, bevor er in der Mittelmäßigkeit versackt und einfach weiterläuft und anfängt, die Leser zu langweilen, genauso, wie er mich gelangweilt hat nach einer Weile, bereite ich ihm lieber ein Knaller-Ende.

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