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21. Jun 2016

Entertainment

Wacken meets Traumschiff: Leinen los beim Full Metal Cruise

Im Mai findet die erste Metal-Kreuzfahrt Europas statt

Headbanging mit Komfort

Eine Schlagerkreuzfahrt mit Helene Fischer gab's bereits. Ebenso einen Rock-Liner mit Udo Lindenberg. Warum also nicht den Rock-‘n‘-Roll-Grad nach oben schrauben und eine Heavy-Metal-Schiffsreise planen? Das haben sich auch TUI Cruises und die Macher des "Wacken"-Festivals gedacht. Das Vorbild: die USA, wo Eventreisen aller Art etabliert sind.

Anfang Mai wird man an Bord der "Mein Schiff 1" Metaller antreffen, die Moshpits mit Urlaub und Headbanging mit Komfort kombinieren wollen. Der Luxus hat allerdings seinen Preis: Eine Balkonkabine ist etwa ab 1.995 Euro pro Person buchbar. Im Gegenzug bekommt man als Gast ein volles Programm geboten. Während der Fahrt von Hamburg nach Southampton, Le Havre und Amsterdam finden neben Konzerten von Heaven Shall Burn oder In Extremo zahlreiche Meet & Greets, Autogrammstunden, Lesungen und Workshops statt.

Auch für die Landgänge wurden Musik-Gigs organisiert, den Abschluss bietet die Einlaufshow zum Hamburger Hafengeburtstag. Und Verliebte können eine Hochzeit an Bord gewinnen. Weitere Infos gibt's unter www.full-metal-cruise.com

UNICUM wollte es genau wissen und sprach vor dem Full Metal Cruise mit Projektleiter und Metaller Christof Leim.

"Viele wollen ein Festivalerlebnis mit einem Urlaub verbinden"

UNICUM: Normalerweise bringt man mit Kreuzfahrten betuchte Rentner in Verbindung. Wie kommt man nun aber auf die Idee, Heavy Metal-Fans auf eine Schiffsreise zu schicken?Die sogenannten "Eventreisen" gibt es mit verschiedenen Rock’n’Roll-Graden in der Kreuzfahrtbranche schon länger. Die Kollegen von TUI Cruises,  mit denen wir die Full Metal Cruise auf die Beine stellen, haben z.B. schon einen Rockliner mit Udo Lindenberg organisiert.  Die Wacken-Chefs haben mit einem kanadischen Veranstalter auch schon vor Jahren über diese Idee gesprochen. Schließlich wollen Rock- und Metal-Fans nicht immer nur auf einem Acker zelten. Die Rockszene ist groß, und die ältere Klientel, also alle über 35, bricht ja nicht einfach weg. Es gibt viele, die ein Festivalerlebnis mit einem Urlaub in entsprechendem Ambiente verbinden wollen. Da bietet sich ein Kreuzfahrtschiff, auf dem sonst Damen mit bläulich schimmernden Haaren und Senioren mit dem Wunsch nach Ruhe verkehren, an. Ein Schiff ist quasi ein schwimmendes Hotel.

Bei der Full Metal Cruise hast du Krach-Musik und eine luxuriöse Umgebung. Du kriegst erstklassiges Essen, du hast ein eigenes Zimmer, du hast ein – im Festivalkontext nicht ganz unwichtig – eigenes Klo und du hast überhaupt mal eine Dusche. Das ist eine sehr angenehme Kombi. So eine Veranstaltung macht einfach Sinn und ist meiner Ansicht nach der Tatsache geschuldet, dass viele Rocker jetzt schon länger 26 sind. Es gibt ja z.B. auch den "Rolling Stone Weekender", da ist das Publikum noch ein bisschen älter. Das Festival findet irgendwo an der Nordsee in einem Hotelkomplex statt. Man kann morgens am Strand spazieren gehen, mittags vernünftig essen und abends Bands live sehen. Das ist schon nicht so schlecht. Und zu guter Letzt: Die Verbindung zwischen einer Kreuzfahrt und allem was man damit verbindet – Stichwort: Traumschiff –, und Heavy Metal wirkt so absurd, dass es per se einfach interessant ist. Zumal sich ziemlich schnell rausstellt, dass die Paarung ziemlich gut funktioniert.

Gibt es denn Unterschiede im Publikum?Das liegt in der Natur der Sache. Ein Wacken-Ticket kostet 150 Euro, da kannst du auch mit deinen Kumpels hinfahren, musst eventuell nur ein wenig Taschengeld sparen. Aber so eine Kreuzfahrt kostet natürlich ein bisschen mehr. Allein deshalb ist die Zielgruppe schon eine andere. Das Wacken wird von allen möglichen Altersklassen besucht. Es ist jedoch klar, dass mehr 24-Jährige zelten als 42-Jährige. Die Kreuzfahrt kann und will sich sicherlich nicht jeder Zweitsemester-Student leisten. Ich hätte das damals auch nicht gekonnt oder gewollt. 

"Metaller essen tatsächlich mit Besteck!"

Benehmen sich die Metaller an Bord anders als auf "normalen" Festivals?Ich war schon bei zwei Heavy Metal-Kreuzfahrten in den USA von Miami aus dabei. Bei der Jungfernfahrt hatten tatsächlich einige Leute Bedenken, ob das Schiff nicht nachher Schrott ist. Bei Festivals, ob das jetzt nun Heavy Metal oder Reggae ist, kann es schon sein, dass man jegliche Regeln der Zivilisation einfach mal mit Freuden in den Wind flattern lässt – dann ist letzten Endes Dosenbier auch nur Nahrung, Duschen optional und all diese feinen Sachen. Aber die Leute passen sich ihrer Umgebung an. Ganz ehrlich: Wenn du in Wacken rumläufst und irgendein Kerl pinkelt in die Büsche, naja, dann ist das nicht weiter dramatisch. Auf dem Schiff pinkelt aber keiner auf den Teppichboden in der Ecke, nur weil er gerade Heavy Metal hört. Lustigerweise machen sich aber auch die Bordcrews Gedanken über so etwas. Aber zum Schluss haben sich immer alle über die Heavy Metal-Fans gefreut. Die sehen zwar ein bisschen anders aus, aber die brüllen ja nicht die ganze Zeit "Satan" und treten auch nicht das gute Tafelsilber vom Tisch.

Es ist einfach ein lustiges Bild, wenn auf dem Schiff in einem À-la-carte-Restaurant "Iron Maiden" läuft und der Ober mit einem Tuch über dem Arm und einer Hand hinterm Rücken "Was hätten Sie den gerne?" fragt. Und der Typ mit dem Slayer-Shirt antwortet: "Ich hätte gerne den Rotwein und die gefüllten Gnocchi". Das Bild wirkt für Leute, die noch zuviele Klischees im Kopf haben, womöglich befremdlich, aber letztendlich ist es egal. Metaller essen tatsächlich mit Besteck, ich hab es mit eigenen Augen gesehen.

Und was ist mit so festivaltypischen Aktivitäten wie Flunkyball und Moshpits?Der Moshpit gehört zur Arbeitsplatzbeschreibung eines jeden Festivalbesuchers. Klar, wird man auch auf einem Schiff das Konzert so erleben, wie man ein Konzert immer erlebt. Aber ich glaube nicht, dass einer auf der Reling Flunkyball spielt – denn wer über Bord fällt, ist erst einmal weg … Beim Full Metal Cruise wird gefeiert und da werden auch Bierchen getrunken. Aber das war beim Schlagerliner nicht anders.

"Es gehört jeder zum inneren Zirkel"

Ihr bietet den Gästen ja auch eine Menge auf dem Cruise: Metal-Karaoke, Comedy-Auftritten, Musiker-Workshops, Meet & Greets, Autogrammstunden – erwarten das die Gäste oder wird es sonst auf dem Schiff zu beschaulich?Ich glaube, selbst ohne das Rahmenprogramm würde es bei Bands wie Kreator und Heaven Shall Burn nicht beschaulich werden. Von Erwartung kann man nicht sprechen, denn schließlich ist es die erste große Metal-Kreuzfahrt in Europa. Da gibt es also noch nicht so viele Erfahrungswerte. Aber bei Kreuzfahrten hat man ja immer ein breites Angebot auf dem Schiff – und auch abseits, zum Beispiel bei Landausflügen. Es ist auch beim Wacken so, dass du unendlich viele Möglichkeiten hast, da deine Zeit rumzubekommen. Das kann man aufs Schiff übertragen. Man rennt an Bord den ganzen Tag rum und kann sich in Ruhe den Wind um die Nase wehen lassen. Man kann aber auch etwas machen. Es wird viel drum herum passieren, aber nicht, damit es nicht zu beschaulich ist, sondern um den Leuten etwas zu bieten.

Wie war die Resonanz der Besucher auf den anderen Metal-Kreuzfahrten, die du besucht hast?Der Tenor war durchweg positiv – einfach, weil es ein cooles Erlebnis ist. Du stehst an der Reling, hast irgendwie gerade eine geile Band geguckt und vielleicht zwei Bierchen getrunken, guckst ins Meer raus: das ist schon geil! Und du bist, worüber man vielleicht gar nicht nachdenkt, 5 Tage, 7 Tage, wie lange auch immer die Reise geht, mit den Künstlern auf einem Schiff. Man sitzt ja sozusagen – tadaaa – im gleichen Boot. Interessanterweise war es dann immer allen egal, wie abgesperrt der VIP-Bereich war – den gab’s nämlich nicht und den gibt's bei uns auch nicht auf der Full Metal Cruise. Es gehört sozusagen jeder zum inneren Zirkel. Da gibt es auch keinen Atemstillstand, wenn der Sänger von Kreator an Bar steht, denn mit dem hast du gestern Abend einen getrunken.

"Ein Modell, das durchaus Zukunft hat"

Welche Resonanz gibt’s von den Bands und Künstlern? Das Thema Metal-Kreuzfahrten hat in den letzten Jahren an Fahrt gewonnen. Da gibt es einige Bands, die das schon gemacht und andere, die davon gehört haben. Es gibt auch einige, die wollen definitiv die ganze Zeit auf dem Schiff bleiben, selbst wenn sie theoretisch irgendwo aussteigen könnten – selbst wenn sie nur zweimal spielen. Bei uns spielen übrigens alle Bands mindestens zweimal, damit jeder sie sehen kann. Egal  was er sonst für Pläne hat. Das ist schon ein ganz cooler Job für eine Band.

Was denkst du: Ist das ein Veranstaltungsmodell mit Zukunft? Wird es noch in zehn Jahren einen Full Metal Cruise geben?Gut, ich bin kein Experte der Kreuzfahrt-Branche, kann da deswegen keine professionelle Einschätzung geben. Der Reiz des Neuen ist mit Sicherheit da, aber ich denke schon, dass es ein Modell ist, das durchaus Zukunft hat. Das Festivalerlebnis wird dadurch erweitert. Du verbindest eine Reise mit Konzerten und hast auch noch weitere Annehmlichkeiten. Es gibt viele, die noch Bock haben, Musik live zu erleben, aber nicht mehr zelten können oder wollen. Das kommt ja auch immer auf die Zielgruppe an. Viele 19-jährige haben keine Lust, auf einem Schiff rumzuhängen, die wollen lieber auf dem Camping-Platz bis morgens um fünf Uhr Halligalli machen. Aber viele Ältere wollen das dann nicht mehr – und diese Zielgruppe gibt’s. Ich glaube auch, dass in der Richtung noch einiges passieren wird, was die Veranstaltungswelt angeht.

Kurz & kompakt

  • Die Full Metal Cruise findet vom 05.-12. Mai 2013 statt. Start- und Endpunkt der Kreuzfahrt ist Hamburg.
  • In den sieben Tagen auf See werden neben der Hansestadt Hamburg drei europäische Häfen angelaufen: Southampton im Südwesten Englands, Le Havre an der französischen Ärmelkanal-Küste und Amsterdam in den Niederlanden.
  • Auf der Full Metal Cruise sind bereits alle Speisen im Reisepreis enthalte. Auch alle Full Metal Drinks sind inklusive. Das bedeutet: Bier, Softdrinks, Kaffee, Tee, alkoholfreie Cocktails und verschiedene Weine sind frei; ab 18 Uhr auch eine große Auswahl an Spirituosen, Cocktails und Longdrinks.
  • Auf drei Bühnen Metal-Konzerte von u.a. Santiano, In Extremo, Betontod, Onkel Tom, Kreator, Heaven Shall Burn, Doro, Gamma Ray und U.D.O. statt.
  • Bei den Landgängen in Southampton, Le Havre und Amsterdam können ebenfalls Gigs von u.a. Sepultura, Engraved und Saxon besucht werden.
  • Metal-Karaoke, Comedy-Auftritte, Musiker-Workshops, Meet & Greets, Autogrammstunden und auch zwei Kochshows von Tim Mälzer runden das Programm ab.
  • Mehr zum Full Metal Cruise gibt's im Internet unter www.full-metal-cruise.com und tuicruises.com

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