BAföG-Anspruch
Laut alternativem BAföG-Bericht reicht das BAföG oft nicht zum Leben. | Foto: chabybucko/Thinkstock
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26. Sep 2017

Janna Degener-Storr

Geld & Finanzen

BAföG-Anspruch: Immer weniger Förderung für Studierende

Alternativer BAföG-Bericht zeigt Missstände auf

David Beumers (27) hat sich neben dem Studium an der RWTH Aachen immer engagiert. Erst arbeitete er zehn Stunden als studentischer Mitarbeiter an einem Forschungsinstitut der RWTH, dann war er acht Stunden pro Woche Tutor an einem Lehrstuhl der Fakultät Bauingenieurwesen. Jetzt kümmert er sich über vierzig Stunden pro Woche als Stellvertretender Vorsitzender des AStA der RWTH Aachen um Öffentlichkeitsarbeit und politische Bildung – auf ehrenamtlicher Basis gegen eine Aufwandsentschädigung.

Zum Glück reicht ihm dieses Geld zum Leben. Denn seitdem er die Regelstudienzeit überschritten hat, bekommt David Beumers kein BAföG mehr.

Kein BAföG-Anspruch

David BeumersDavid Beumers gehört zu der großen Mehrzahl der Studierenden in Deutschland, die – aus den unterschiedlichsten Gründen – keinen Anspruch auf eine Förderung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz haben. Denn obwohl das BAföG eigentlich zur Chancengleichheit unter Studierwilligen und Studierenden beitragen sollte, sind viele davon ausgeschlossen: Eine Förderung ist nur in der – oft eng bemessenen –  Regelstudienzeit möglich und Ehrenamt ist nach wie vor kein Verlängerungsgrund.

Studierende über 30 haben im Bachelor und Studierende über 35 haben im Master keinen Anspruch auf BAföG. Wer ein Zusatzstudium aufnehmen, das Fach wechseln oder in Teilzeit studieren möchte, hat ebenso schlechte Chancen auf BAföG – auch wenn in den politischen Diskussionen oft Familienfreundlichkeit und lebenslanges Lernen gepriesen werden.

Der von der DGB-Jugend und ihren Partnern herausgegebene alternative BAföG-Bericht zeigt auch, dass selbst die Studierenden, die eine Förderung erhalten, von dem Geld nicht leben können. Denn die Bedarfssätze orientieren sich nicht an den tatsächlichen Ausgaben für ein Studium – die Mietpauschale beträgt etwa 250 Euro, während der studentische Mietdurchschnitt laut der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks schon 2012 bei 295 Euro lag.

Dazu kommt: Die Freibeträge halten nicht mit der Entwicklung der Bruttolöhne und -gehälter Schritt. Das heißt: Das Einkommen der Eltern steigt zwar, die Grenzen für elternabhängige Förderung bleiben aber die gleichen, so dass immer mehr Studierende zu reiche Eltern für einen BAföG-Bezug haben.

Immer weniger BAföG für Studierende

Gleichzeitig macht der alternative BAföG-Bericht deutlich, dass die Bundesregierung den Anteil der geförderten Studierenden hochrechnet: Seit 1994 wird in den offiziellen Berichten nicht mehr der Anteil der Geförderten in Relation zu allen Studierenden ausgewiesen. Stattdessen wird nur noch aufgezeigt, wie viele Studierende in sogenannter "förderungsfähiger Ausbildung" BAföG erhalten.

Eine Person wie David Beumers zum Beispiel taucht in der Statistik also gar nicht mehr auf. Laut Zahlen der Bundesregierung ist die Gefördertenquote bei den Studierenden demnach von 2012 bis 2015 von 28 auf rund 23 Prozent gesunken. Laut Berechnungen der Autoren des alternativen BAföG-Berichts dagegen ist sie von 19 Prozent auf 15 Prozent eingebrochen.

Abgeordnete und die Fraktionen der LINKEN fordern nun, das BAföG durch eine strukturelle Weiterentwicklung – die Rückkehr zum Vollzuschuss, die Anpassung der Förderhöchstdauer und eine Ausweitung des Kreises der Leistungsberechtigten – an die Lebenswirklichkeit der Studierenden anzupassen.

Die Forderung nach einer dynamischen, regelmäßigen und automatischen Erhöhung von Fördersätzen und Freibeträgen kommt auch aus der Fraktion von BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN. Die CDU/CSU-Fraktion allerdings erwiderte laut Ausschuss-Bericht, dass sich die Opposition "Einfordern von sozialen Wohltaten überbieten wolle und das BAföG weder unattraktiv noch weit von der Lebenswirklichkeit entfernt sei". Auch die SPD-Faktion lehnte die entsprechenden Anträge im Bundestag ab.

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Deine Meinung:

Veröffentlicht am 27. Sep 2017 um 16:16 Uhr von Tilman666
Dieser Text kann maximal als "wenig motiviert recherchiert" bezeichnet werden. Denn gerade ich - ein Studierender, der erst jetzt, durch den 2. Bildungsweg, Zugang zum Abitur erlangt - hätte mich über so eine Information wie "bei Lückenlosem Lebenslauf erhöht der 2. Bildungsweg das maximale Eintrittsalter auf über 30" schon interessiert. Zugegeben, dass das ein Sonderfall ist, aber zumindest die Klausel "bei Aufnahme des Studiums" als Bedingung für "unter 30/35 Jahre" hätte helfen oder die Ergänzung "in der Regel" vor meinem Kommentar und der Bewertung schützen können. Zugegeben, ich berücksichtige nun selber nur meine "Randgruppe" denn auch beispielsweise Mütter können bis zum 10. Geburtstags ihres Nachwuchses noch gefördert werden, https://www.bafög.de/de/altersgrenze-385.php gibt weiteren Aufschluss. Ich kann mir vorstellen, dass beim Lesen dieses Textes manch unbedarfter Philosophie-Student leicht aus den Wolken fällt, weil er doch vor einem halben Jahr 30 geworden ist und trotzdem immer noch BAföG erhält - denk doch einer an die armen BAföG-Beauftragten, die nun mit hunderten davon reden müssen, nur um zu versichern, dass es auch weiterhin Geld von der "total nicht krassen" Angie Merkel geben wird und nichts zurückverlangt werden wird! (Sorry an die Philosophie-Studierenden, ich kann mit dem Fach nichts anfangen, weil mir wohl entsprechende Hirnregionen bei der Geburt abhanden gekommen sind. Die Welt braucht mehr von Euch und weniger AfD! ;-)) Schade, dass sich hier scheinbar nur für die Studierenden des ersten Bildungswegs interessiert wird.
Veröffentlicht am 27. Sep 2017 um 22:23 Uhr von Nila
So ein Quatsch aber auch! Dann ist wohl jedes Amt anders. Ich bekomme wegen Ehrenämter nun schon 4 Semester extra bezahlt! Ihr solltet euch wirklich Mal besser informieren....