Nachhaltige Mode
Nachhaltige Mode und Second-Hand-Shops sind eine wichtige Alternative zu Fast Fashion! | Foto: Burst/Pexels
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04. Dez 2018

Hannah Dautzenberg

Zündstoff

Nachhaltige Mode

Verantwortung auf der Haut tragen

Enormer Kleidungskonsum

Wir kaufen günstige Kleider, tragen sie im Durchschnitt nicht einmal mehr ein Jahr und schmeißen sie dann meistens in den Altkleidercontainer. Der Gedanke zu spenden erleichtert vermutlich einige, Fakt ist jedoch, dass die Länder, in die die Spenden gelangen, mit den 75 Prozent unserer gespendeten Kleidung nichts mehr anfangen können, denn es ist schlichtweg zu viel geworden.

Wie kommt es, dass wir so viel Kleidung kaufen?

"Ich dachte, ich kann durch Klamotten eine innere Leere füllen", erklärt Mirella Precek. Die Youtuberin beschäftigt sich auf ihrem Kanal "mirellativegal" unter anderem mit dem Thema Nachhaltigkeit.  Um auf die Thematik aufmerksam zu machen und auch ihre Zuschauer einzubeziehen, hat die Wahl-Kölnerin vor kurzem sogar einen Flohmarkt in der Kölner Südstadt veranstaltet, auf dem sie all ihre aussortierte Kleidung verkauft und den Erlös im Anschluss gespendet hat. Eine Reise durch Südamerika, auf der ihr ein kleines Handgepäck völlig ausreichte, löste bei ihr ein Umdenken aus. Nach der Rückreise fühlte sie sich erschlagen von der Auswahl in ihrem riesigen Kleiderschrank. "Das unkontrollierte Konsumverhalten fand ich noch nie gut. Und die Modeindustrie ist der zweitgrößte Umweltverschmutzer, das regt einen dann auch dazu an, zwei Mal darüber nachzudenken, was man dann so kauft oder gekauft hat. Also habe ich mich gefragt, was mir wichtig ist und was nachhaltige Mode überhaupt bedeutet." Viele assoziieren damit hohe Preise und langweilige Klamotten, aber mit dieser Einstellung hat man weit gefehlt.


Nachhaltige Mode Mirellativegal


Nachhaltige Mode ist schon lange nicht mehr öde!

Immer mehr Designer setzen auf umweltbewusstere Mode und locken damit verantwortungsvolle Käufer an. Im Vergleich zu Fast-Fashion Marken kann man hier zwar nicht die gleiche Masse zum günstigen Preis kaufen, aber das ist auch nicht der Sinn hinter nachhaltiger Mode. "Es geht viel eher darum, sich zu überlegen: Was brauche ich wirklich und worin fühle ich mich so richtig wohl?", erklärt Mirella. "Es geht nicht darum, statt zehn Pullis für 30 Euro jetzt zehn Pullis für 300 Euro im Jahr zu kaufen. Wir müssen wieder lernen, die Teile, die wir haben, viel mehr wertzuschätzen" und somit auch über mehrere Jahre hinweg zu tragen.

Günstige Alternativen für den kleinen Geldbeutel

Lea Nachhaltige ModeWem das aber immer noch zu teuer ist, der macht es einfach wie Lea. Die 18-Jährige aus der Nähe von Hagen findet es wichtig, Sachen wiederzuverwenden und kauft gerne Second-Hand. Im Internet informierte sie sich über Minimalismus, Nachhaltigkeit und Zero Waste, nachdem sie ihren Kleiderschrank ausmistete und merkte, wie viele Klamotten sie eigentlich schon zu Hause hat. Und Lea ist kein Einzelfall: In jedem deutschen Kleiderschrank liegen 40 Prozent aller Teile selten oder sogar unbenutzt herum und warten auf ihren Einsatz. Um dieser Bewegung entgegenzuwirken kauft Lea nun bewusster ein und nutzt dafür vor allem Second-Hand-Verkäufe wie diesen. Denn bereits getragene Sachen entlasten die Umwelt und den Geldbeutel.

Flohmarkt Katharina LilliÄhnlich geht es Lilly, die auf dem Flohmarkt mit ihrer Freundin Katharina nach kleinen Schätzen in Mirellas Kleidern sucht. "Ich kaufe viel Second-Hand, mir gefällt der Stil und der nachhaltige Gedanke dahinter" sagt die 18-Jährige. In "normalen" Kaufhäusern sucht sie kaum noch nach passender Kleidung. "Letztens war ich noch mal bei H&M und mir gefiel ein Pulli, aber dann habe ich kurz nachgedacht und mir gesagt: Nein, du findest was Cooleres im Second-Hand-Shop! Und dann bin ich wieder gegangen." Für die drei jungen Frauen steht fest: Nachhaltige Mode muss nicht teuer sein, Flohmärkte sind die perfekte Alternative für den kleinen Geldbeutel. Dazu spart es unnötige Verpackung und Müll, der bei neu produzierter Mode gezwungenermaßen anfällt.

Tauschen statt Kaufen

Wer keinen Flohmarkt um die Ecke hat oder gleichzeitig seine eigene Kleidung loswerden möchte, sollte das Prinzip des Kleidertauschs probieren. Ob unter Freunden, im Internet oder bei einer öffentlich organisierten Veranstaltung wird man hier seine Einzelstücke los und tauscht direkt gegen neue Shirts, Hosen und Co. Eine kurze Suche bei Google verrät einem schnell, wann und wo der nächste Kleidertausch in der Heimat stattfindet oder bietet Online-Portale an, auf denen man mit anderen Tauschpartnern ein Event planen kann.

Siegel erleichtern den umweltbewussten Kleiderkauf

Alle, die sich dann doch erstmal in Mode aus erster Hand wohler fühlen, haben mittlerweile eine große Auswahl an nachhaltigen Modelabeln. Von der Produktion bis über den Versand versuchen diese, eine umweltschonende Alternative zu bieten, den Kleiderschrank zu updaten. Am besten ist natürlich die Suche nach Händlern in der eigenen Stadt, um auch auf den Versand zu verzichten. Wer dort aber nicht fündig wird, gelangt über Seiten wie Avocadostore an Online‑Marktplätze für Fair Fashion. Als Richtlinien kann man sich an verschiedene Siegel halten, die einem bei Verwirrung Klarheit im Modedschungel verschaffen können. Das GOTS- und IVN Best-Siegel sind beispielsweise die wichtigsten Bio-Baumwolle-Siegel und garantieren darüber hinaus soziale Mindeststandards in der Produktion. Für eine faire Entlohnung der Baumwollbauern steht vor allem das FairTrade Certified Cotton Siegel. Wem dazu die Rechte der Textilmitarbeiter wichtig sind, der sollte nach Herstellern, die Mitglied in der Fair Wear Foundation sind, Ausschau halten.


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Faire Mode ist keine Entscheidung, sondern eine Notwendigkeit

Für alle Bedürfnisse, für jeden Stil und für jeden Geldbeutel gibt es also die Möglichkeit, an faire Mode zu gelangen. Es beginnt mit einem Umdenken, einem Prozess, der sich immer weiterentwickelt. Keiner kann seinen Konsum und sein Leben von heute auf morgen umkrempeln und konsequent nachhaltig leben, "aber darum geht's ja auch gar nicht. Es geht darum, dass man das tut, was einem selbst möglich ist" sagt Mirella, als sie von ihren Anfängen erzählt. Wichtig ist, dass es aus einer eigenen Motivation heraus geschieht und die Motivation, warum man sich dazu entscheidet, bewusster zu konsumieren, die muss sich jeder selbst überlegen. "Ich hätte gerne, dass meine Kinder in einer schönen Welt aufwachsen, die nicht von Dürren und anderen Katastrophen eingenommen wird!", antwortet Mirella auf die Frage, was sie antreibt. Aber ganz gleich, was die persönliche Motivation ist, sollten wir uns nicht fragen müssen, warum es uns wichtig ist, nachhaltiger einzukaufen, "denn es ist eine Notwendigkeit, die besteht! Wir haben keinen Plan B, keine Erde B!"


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