Primark
Die typischen Primark-Papiertüten prägen das Bild in den Einkaufszentren | Foto: Eleonora Pauli
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25. Aug 2015

Eleonora Pauli

Zündstoff

Primark: Hauptsache modisch, Moral egal!

Master-Absolventin Natalie Wäsch untersuchte, wieso beim Shoppen nur der Preis zählt

Textil-Discounter Primark als Shopping-Paradies

Fröhlich wühlen Leila und Isabel in ihren pappfarbenen Tüten. Sie bringen Pyjamas mit Bärchenmuster, pastellfarbene Hot-Pants und spitzenbesetzte Bikinis zum Vorschein. Die Lehramtsstudentinnen aus der Schweiz sitzen in einem ausufernden Tütenmeer vor der Primark-Filiale am Berliner Alexanderplatz. "Das ist für uns ein Shoppingparadies, deswegen sind wir jeden dritten Tag hier." Die 23-Jährigen finden die Preise bei Primark zwar "ein bisschen krass" und die Produktionsbedingungen "nicht so cool", haben aber trotzdem ordentlich eingekauft.

Typisches Primark-Shopping-Verhalten, sagt Natalie Wäsch, Absolventin der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Denn die Ergebnisse ihrer Masterarbeit* in Business Management zeigen: Die Konsumenten bei Primark sind weder arm noch unaufgeklärt – im Gegenteil. Von den 170 Kunden, die Natalie Wäsch online, über Facebook und vor Geschäften befragte, waren rund zwei Drittel Studierende oder Schüler, die größtenteils über die schlechten Produktionsbedingungen im Fast-Fashion-Bereich Bescheid wussten. "Beeinflussen lassen sich allerdings die wenigsten davon", sagt Natalie.


Primark Filiale


"Möglichst viel für möglichst wenig Geld"

Besonders überrascht war die 25-Jährige auch über das Budget der Befragten: Fast 80 Euro im Monat gaben sie durchschnittlich für Klamotten aus. "Es geht eben nicht darum, wenig auszugeben, sondern darum, möglichst viel für möglichst wenig Geld zu bekommen oder ganz oft shoppen zu gehen", erklärt die Absolventin. Auch sie selbst kaufe nicht nur nachhaltige Kleidung. "Aber ich mag Sachen, die länger halten und schaue mittlerweile vorher nach, wie die Shops eigentlich bewertet sind."

Auf Webseiten wie rankabrand.de oder aktiv-gegen-kinderarbeit.de kann man vergleichen, wie nachhaltig herkömmliche Marken sind. Das findet Natalie leichter umzusetzen, als nach Siegeln wie IVN (International Association of Natural Textile Industry) oder GOTS (Global Organic Textile Standard) zu suchen.

Mit ihrem Kaufverhalten ist Natalie aber noch ziemlich allein. Dass viele Bekleidungsunternehmen sich nicht zu Nachhaltigkeit bekennen, sei daher kein Wunder: "Wenn Imageschäden keine wirtschaftlichen Einbrüche mit sich bringen, sind die Risiken nicht nachhaltigen Handelns gering. Und dann gibt es einfach keinen Grund, die Firmenpolitik zu ändern."

Dasselbe gelte übrigens auch für den Verbraucher, meint Richard Pibernik, Professor für Logistik und Quantitative Methoden an der Uni Würzburg. "Fast-Fashion ist bei jungen Menschen gesellschaftsfähig, sie müssen keine soziale Ächtung durch ihre Freunde fürchten." Und verbannen die Arbeitsbedingungen der Näherinnen in eine abstrakte Welt, die nichts mit der eigenen Kleidung zu tun hat.

Den Konsumenten Vorwürfe zu machen, hält Natalie aber für den falschen Weg. "Menschen neigen eher dazu, Dinge mit positiven Folgen zu tun, als Dinge mit negativen Folgen nicht zu tun. Daher wäre es hilfreich, am Image von Ökokleidung oder den Vorteilen guter Qualität zu arbeiten." Jetzt, wo sie ihr Studium abgeschlossen hat, möchte sich die Absolventin weiter mit dem Thema befassen.


Durchschnittliche Primark-Käufer

  • 21,8 Jahre alt
  • zu 86 Prozent weiblich
  • geben im Schnitt 78 Euro im Monat für Kleidung aus
  • 55 Prozent Studis, 18 Prozent Schülerinnen und Schüler
  • 69 Prozent haben sich mit Produktionsbedingungen beschäftigt
  • für 18 Prozent ändert sich ihr Shoppingverhalten durch die Infos
     

* Der Titel der Masterarbeit lautet: "Die Entscheidung gegen Nachhaltigkeit: Warum es sich Unternehmen leisten können, trotz öffentlichen Drucks dem Thema Nachhaltigkeit nur geringe Beachtung zu schenken"

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