David Kross in Simpel
"Monsieur Hasehase" ist Simpels (David Kross) treuester Freund | Foto: Universum Film
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30. Okt 2017

Ann-Christin Kieter

Promis & Interviews

David Kross im Interview über seine gar nicht "simple" Rolle

Wie spielt man jemanden mit Handicap?

UNICUM: In "Simpel" spielst du einen 22-Jährigen mit geistiger Behinderung, der von seinem Bruder Ben (Frederick Lau) betreut wird. Hat man nicht ständig Angst, man könnte übertreiben oder Klischees bedienen?
David: Doch, auf jeden Fall! Aber als ich das Drehbuch gelesen habe, wollte ich die Rolle unbedingt haben, weil ich Lust auf die Herausforderung hatte und einfach mal diesen Mut aufbringen wollte. Natürlich hatte ich großen Respekt davor. Aber man muss dann eben sehr genau sein und sich intensiv mit dem Thema beschäftigen. Ich habe mit Psychologen gesprochen und  Zeit in Behindertenheimen verbracht. Und dann musste ich einfach meine Rolle finden, also die Sprache und die Körperlichkeit, und das nach und nach zu meiner zweiten Haut werden lassen.

Wie gut konntest du das danach wieder abstellen? Ist dir im Privatleben mal ein "Simpel"-Wort wie "Quasilorten“ für Erdbeeren rausgerutscht?
Nein, das jetzt nicht. Aber nach längeren Drehs ist es schon vorgekommen, dass ich die Körperlichkeit unbewusst noch ein bisschen in mir drin hatte. Es gibt Bilder von mir im Urlaub, da stand ich tatsächlich so wie Simpel.

Kannst du Ben verstehen, dass er seinem Bruder nach dem Tod der Mutter das Heim unbedingt ersparen will und dafür sogar sein eigenes Leben aufgibt?
Na ja, die beiden sind ja wirklich ein Herz und eine Seele. Daher hat er wohl einfach dieses Gefühl, dass er auf ihn aufpassen muss. Andersherum verspricht Simpel seiner Mutter ja auch, dass er auf Ben aufpasst. Das macht die beiden so unzertrennlich.



Trampen muss für David nicht immer sein

Da die beiden gemeinsam nach Hamburg durchbrennen, entwickelt sich der Film zu einer Art Buddy-Road-Movie. Hast du selbst schon mal so einen spontanen Trip unternommen?
Joa, es ist schon vorgekommen, dass man mal spontan und ohne irgendwas nach Italien trampt und dort rumwandert. Diese Art der Reise muss ich aber nicht immer haben. (Lacht.)

Du lebst in Berlin. Der Film spielt irgendwo im Nirgendwo, dort wo man den Dorfpolizisten beim Namen kennt. Kannst du dir so ein ländliches Leben vorstellen?
Na ja, ich bin auch in einem sehr kleinen Dorf aufgewachsen. Ob es da diesen einen Polizisten gab, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Jetzt ist für mich die Mischung aus Großstadt und Rückzugsmöglichkeit auf dem Land am besten.

"Sobald die Kamera lief, hat mein Körper kurz die Schnauze gehalten“

Euer Schauspiel-Kollege Axel Stein fand es bemerkenswert, dass du und Frederick Lau am Set keine Scheu hattet, euch direkt brüderlich in die Arme zu nehmen. War das wirklich kein Problem für euch, obwohl ihr euch vorher nur sporadisch von Events kanntet?

Es ist total wichtig, dass man sich als Brüder berühren kann. Und da Simpel oft Hilfe braucht, war das bei uns noch einmal wichtiger. Beim Dreh ist das Eis einfach schnell gebrochen. Und von da an war es eine echte Freude.

"Eis“ ist ein schönes Stichwort. Ihr habt die Szenen im Wattenmeer bei null Grad Außentemperatur gedreht. Und du warst in einer Szene sogar nur in Unterhose bekleidet. Wie konntest du das Bibbern abstellen?
Keine Ahnung, das ist mir bis heute ein Rätsel. Während der Drehpausen habe ich echt total gefroren, aber sobald die Kamera lief, hat mein Körper kurz die Schnauze gehalten. (Lacht.) Und dann ging das irgendwie.

Das Wasser in der Badewanne in "Der Vorleser“ war hoffentlich wärmer?
Ja, das ist natürlich vorgewärmt. Ich durfte mir die Gradzahl sogar aussuchen.


Szene Simpel Lau Kross


David hat keinen Kontakt mehr zu Kate Winslet

Sorry, die Frage musste jetzt einfach sein. Aber ich hab auch gelesen, dass man dich noch bis 2018 – also 10 Jahre nach dem Film – nach der Nackt-Szene mit Kate Winslet fragen darf, und ob ihr noch Kontakt habt. Habt ihr denn?
Nee, zu ihr habe ich keinen Kontakt mehr. Man grüßt sich höchstens mal über Bekannte, aber das war es dann auch. Der Regisseur Stephen Daldry ist aber ein Freund von mir geworden.  

Wie ist das eigentlich als Deutscher in Hollywood zu sein? Fällt man da irgendwie auf?
Na ja, man hört das schon an der Sprache. Aber nach "Simpel" habe ich einen Film gemacht – "Trautmann“, eine deutsch-englische Koproduktion –, da spiele ich auch einen Deutschen. Den haben wir zum Beispiel auf Deutsch und auf Englisch gedreht. 

Warum ist es den Regisseuren so wichtig, tatsächlich deutsche Schauspieler für die Besetzung zu nehmen?
Das müsstest du sie selber Fragen. Aber grundsätzlich ist es natürlich authentischer, weil es auch um das Lebensgefühl geht.

"Beim Studienabbruch habe ich mich stark auf mein Bauchgefühl verlassen“

Frederick und du, ihr habt beide kein Schauspiel-Studium und seid trotzdem wahnsinnig erfolgreich. Oder gerade deshalb?
Es ist bei der Schauspielerei eine besondere Situation. Für manche Leute ist es sicher sehr wichtig und förderlich, ein Studium zu machen. Und bei manchen bewirkt es vielleicht sogar das Gegenteil, zum Beispiel, dass man sich wieder verschließt.

Du hast es ja mal drei Monate an der Londoner Academy of Music and Dramatic Art probiert. Ist dir der Entschluss schwergefallen, London nach kurzer Zeit wieder zu verlassen?
Nein, ich habe da stark auf mein Bauchgefühl gehört. Und das war sehr eindeutig. Mich hat gestört, dass dort gelehrt wurde als wäre man wieder in der Schule. In dem Moment hatte ich keine Lust, mir von jemandem erzählen zu lassen "so und so ist es richtig und alles andere ist falsch“. Im Nachhinein habe ich gemerkt, dass das die richtige Entscheidung war.

Hattest du jemals einen Plan B neben dem Schauspiel?
Nee, es ist mir tatsächlich noch nichts untergekommen, das mich so interessiert, dass ich mich da voll reinknien würde.


David Kross kurz & kompakt David Kross

  • David Kross (27) kennen wir hauptsächlich dank seiner Rolle 2008 in "Der Vorleser“ an der Seite von Kate Winslet.
  • Der eigentliche Durchbruch gelang ihm aber zwei Jahre zuvor im kontrovers diskutierten Film "Knallhart“ von Detlev Buck.
  • Eine weitere internationale Produktion mit ihm ist zum Beispiel Steven Spielbergs "Gefährten“, in der er einen deutschen Soldaten spielt. Und im norwegischen Film "Into the White“ ist er zusammen mit Harry-Potter-Star Rupert Grint (Ron Weasley) zu sehen.
  • Sein Schauspiel-Studium an der Londoner Academy of Music and Dramatic Art (LAMDA) hat er nach drei Monaten wieder abgebrochen.

Simpel PlakatUNICUM Filmtipp

Simpel

Komödie, Deutschland, 2017

Inspiriert vom gleichnamigen Roman von Marie-Aude Murail

Regie: Markus Goller

Darsteller u. a.: David Kross, Frederick Lau, Emilia Schüle, Axel Stein

Kinostart: 9. November 2017

Mehr Infos unter www.simpel-film.de und www.facebook.com/Simpel.DerFilm

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