Nervös wegen Prüfungen? Warum Aufregung dich besser macht

Student sitzt glücklich in einer Prüfung.
Maria Knaus Maria Knaus, 17.02.2026  |  Lesedauer: 4 Minuten

Prüfungsstress gehört für viele Studierende zum Alltag. Doch muss Druck wirklich lähmen? Wir haben mit Mentalcoach und ehemaligem Leistungssportler Michael von Kunhardt darüber gesprochen, was Studierende vom Spitzensport lernen können.

Prüfungen sind kein Feind

Schlaflose Nächte, Selbstzweifel, Perfektionismus,  für viele Studierende ist die Prüfungsphase die stressigste Zeit des Semesters. Für Michael von Kunhardt hingegen fühlte sich eine Klausur oft wie ein Wettkampf an. Und das im positiven Sinne. „Der entscheidende Punkt ist ja nicht nur die Note, sondern auch wie man sich dabei fühlt“, sagt er. Aus seiner Zeit im Leistungssport habe er zwei Dinge übernommen: „Sehr gute Vorbereitung und das Ganze als Wettkampf sehen.“ Statt sich in eine Opferrolle zu begeben („Oh Gott, schon wieder eine Prüfung!“ …), habe er bewusst den Perspektivwechsel gewählt. „Ich habe mir gesagt: Ich bereite mich sehr gut vor und dann habe ich Lust auf diesen Wettkampf.“ Wenn eine Klausur bevorstand, stellte er sich vor, in fünf Tagen sei Wettkampf. „Ich weiß noch, wie ich mit dem Fahrrad zur Uni gefahren bin und dachte: Jetzt kann ich zeigen, was ich kann und was ich trainiert habe (…) Und sofort war ich entspannter.“

Mentalcoach Michael von Kunhardt gibt dir Tipps fürs Studium

Foto: Michael von Kunhardt

Lernen ist auch Selbstmanagement

Seine Lernstrategie war dabei weniger spektakulär, als man erwarten würde, aber bewusst. „Ich habe oft den Ort gewechselt. Wenn ich acht Stunden gelernt habe, dann alle zwei Stunden einen neuen Platz (…) Das hat neue Energie gebracht.“ Genauso wichtig sei das eigene Wohlbefinden gewesen. „Wenn ich mich nicht gut fühle, lerne ich auch nicht gut. Frisch geduscht, aufgeräumte Umgebung, das macht enorm viel aus.“ Und dann spricht er etwas an, das viele Studierende stresst: Perfektionismus. „Mut zur Lücke, natürlich in Maßen. Aber Perfektionismus blockiert (…) Wenn man Lernen mit kleinen Belohnungen verbindet, verliert es seinen Schrecken.“

Struktur statt Daueranspannung

Auch im Alltag setzt er auf Klarheit. Jeden Morgen gehe er gedanklich durch vier „Räume“: Familie, Beruf oder Studium, Freunde und Hobbys. „Ich frage mich: Was ist heute in jedem dieser Räume wichtig? (…) Wenn einer dauerhaft fehlt, gerät das ganze System aus dem Gleichgewicht.“

Erwartungsdruck oder einfach nur Stress?

Nicht jede Anspannung sei gleich Erwartungsdruck, erklärt er. „Stress kann auch rein organisatorisch sein,  zu spät angefangen, zu viele Prüfungen auf einmal (…) Selbstorganisation ist das A und O.“ Problematisch werde es, wenn aus Anspannung Überforderung wird. Die möglichen Folgen: „Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Nervosität, Panikattacken (…)“ Hier bringt er ein Konzept aus der Psychologie ins Spiel: den sogenannten Flow-Kanal. Optimal lerne man dann, wenn eine Aufgabe fordert, aber nicht überfordert. „Flow entsteht, wenn ich weiß: Wenn ich mich reinhänge, kann ich das schaffen.“ Zu leichte Aufgaben führen zu Langeweile. Zu schwere zu Angst. „Der Unterschied ist entscheidend: Aufregung ist positiv, sie macht wach und fokussiert. Angst blockiert." Prüfungen seien deshalb nicht automatisch problematisch. „Gute Sportler:innen sind vor Wettkämpfen positiv aufgeregt, aber nicht ängstlich.“

Was konkret gegen Erwartungsdruck hilft

Ein zentraler Hebel liege im Motiv. „Ich mache das für mich, nicht für Anerkennung von außen (…)“ Wer sein Studium ausschließlich für Noten oder Erwartungen anderer betreibe, gerate schneller unter Druck. Ein zweiter Faktor sei die bewusste positive Rahmung: „Wie kann ich mir das schön machen? Wie kann ich diese Situation für mich gut belegen?“ Und dann etwas sehr Praktisches: Bewegung. „Druck muss raus. Am besten durch zyklische Bewegungen – laufen, schwimmen, Fahrrad fahren (…) Spazierengehen hilft übrigens auch.“

Drei Dinge, wenn der Druck schon sehr hoch ist

Zum Schluss wird er konkret: „Erstens: Bewegung. Zweitens: sehr gute Vorbereitung. Drittens: Dankbarkeit, sich bewusst machen, dass man das für sich tut (…)“ Und wenn das nicht reicht? „Sich helfen lassen. Mentale Stärke ist trainierbar.“ Also: Aufregung gehört dazu. Entscheidend ist, ob sie blockiert oder antreibt.

Profilbild von Maria Knaus

Maria Knaus

UNICUM-Autor/-in seit 2025

Wer kennt es nicht? Am Nachmittag hat man eine Prüfung und der Tag ist gelaufen - keine Energie für etwas anderes, man kommt gar nicht runter und hofft einfach, dass das was man gelernt hat, auch wirklich drankommt. Aber Michael von Kunhardt erklärt hier, wie man mit diesem Stress umgeht und ihn in etwas Positives umwandelt. Vielleicht hätte mir die ein oder andere Sache in meinem Prüfungs- und Klausurwahnsinn geholfen. :) 

Zum Profil

Artikel-Bewertung:

Anzahl Bewertungen: 1