Mental unter Druck: Warum die meisten daran scheitern, du aber nicht!

Mentalcoach Michael von Kunhardt: Warum Scheitern so bedrohlich wirkt
Für Michael von Kunhardt ist eine der größten Quellen von Erwartungsdruck klar: Perfektionismus. Viele Studierende hätten extrem hohe Ansprüche an sich selbst, verbunden mit dem Gedanken: Ich bin nicht gut genug.
Ein weiteres Problem sei geringes Selbstvertrauen. Wer ohnehin an sich zweifelt, erlebe Prüfungen schnell als Bedrohung statt als Herausforderung.

Foto: Michael von Kunhardt
Warum nehmen viele schlechte Leistungen persönlich?
Immer wieder beobachtet er, dass Studierende ihre Leistung direkt mit ihrem Selbstwert verknüpfen. Wer eine Prüfung nicht besteht, fühlt sich nicht nur fachlich gescheitert, sondern als Person abgewertet.
Dabei, betont er, sage eine nicht bestandene Klausur nichts über den Wert eines Menschen aus. Häufig fehle zudem die sogenannte Misserfolgstoleranz, also die Fähigkeit, Scheitern als temporär zu begreifen und daraus zu lernen. Verlieren müsse man erst lernen.
Anerkennung als Stressfaktor
Ein zentrales Motiv hinter Erwartungsdruck sei das Streben nach Anerkennung. Viele stellten sich bei einer schlechten Note sofort die Frage: Was denken jetzt die anderen von mir?
Genau darin liege ein großer Stressor. Wer Leistung primär für externe Bestätigung erbringe, mache sich abhängig von der Bewertung anderer. Entscheidend sei deshalb die innere Haltung: Das Studium für sich selbst zu absolvieren – nicht für Erwartungen von außen.
Eltern, Erwartungen und Abgrenzung
Das Verhalten der Eltern könne man sich nicht aussuchen, sagt von Kunhardt. Zwar gebe es durchaus Eltern, die starken Druck ausübten, doch letztlich gehe es um die eigene Haltung dazu. Sich innerlich abzugrenzen und klarzumachen: Ich mache das für mich, sei ein wichtiger Schritt. Erst diese gedankliche Grenze schaffe Unabhängigkeit von äußeren Erwartungen. Von Kunhardt beobachtet zudem, dass insbesondere junge Frauen häufiger unter perfektionistischen Ansprüchen und Selbstzweifeln leiden.
Und Social Media?
Auch soziale Medien verstärken laut von Kunhardt den Leistungsdruck. Ständiger Vergleich mit scheinbar perfekten Lebensläufen könne das eigene Selbstbild verzerren.
Sich nicht permanent zu vergleichen, sei deshalb essenziell. Wer merke, dass Social Media zusätzlichen Druck erzeugt, dürfe bewusst Pausen einlegen.
Tut das Hochschulsystem genug?
Hier wird von Kunhardt deutlich: Aus seiner Sicht gibt es zu wenig Angebote zur psychischen Unterstützung. Mental- und Selbstfürsorge sollten seiner Meinung nach nicht erst an Hochschulen Thema werden, sondern bereits im Kindergarten und in der Schule vermittelt werden. Im Bildungssystem bestehe noch erheblicher Nachholbedarf.
Und wenn Sie noch einmal studieren würden?
Heute würde er sich stärker mit anderen über Lernstrategien austauschen, vor allem mit denen, bei denen es gut funktioniert. Zudem würde er die Chance auf ein Auslandsjahr nutzen. Abschließend lässt sich sagen, dass zwischen Perfektionismus, Anerkennung und Systemfragen eine zentrale Aufgabe bleibt: zu lernen, dass Scheitern kein Makel ist.
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