Danksagung Bachelorarbeit
Es gibt immer Personen, die einen bei der Bachelorarbeit unterstützen. ⎸Foto: trumzz / Getty Images
Autor

10. Apr 2019

Marie Illner

Schreibwerkstatt

Danksagung Bachelorarbeit: Das solltest du wissen

Danksagung: doch nicht so einfach!

Die Bachelorarbeit ist endlich geschrieben, du bist stolz auf dich und auf deine monatelange intensive Arbeit und darfst jetzt erst einmal aufatmen! Doch was als Nächstes kommt, ist dennoch eine kleine Herausforderung.

"Liebe Leserin, lieber Leser. Zunächst möchte ich mich bei dir bedanken. Dafür, dass du diesen Artikel angeklickt hast und UNICUM vertraust, dass wir dir einen guten Rat geben können. Danke dafür, dass du zum Lesen dieses Textes ein Stück deiner Zeit abzwackst, die du eventuell auch fürs Spülen, Karteikarten wiederholen oder Seriengucken verwenden könntest. Beim Schreibprozess hat der Gedanke an dich, lieber Leser, die Autorin stets motiviert. Danke für diese Unterstützung!"

Komisch? Überzogen? Oder aufmerksam? Ein zweiter Versuch: Das Zitat zum Einstieg.

"Keine Schuld ist dringender, als die, Dank zu sagen" – Marcus Tulius Cicero. Take That, Cicero, dachte sich Konfuzius: "Glatte Worte und schmeichelnde Mienen vereinen sich selten mit einem anständigen Charakter."

Auch nicht ganz so passend. Und du siehst irgendwie ist es gar nicht so leicht, bei Danksagungen den passenden Ton zu treffen und die richtige Formulierung zu finden.

Bedanken bei wem und wofür?

Als erste Orientierung solltest du dir die Frage stellen: Wem gebührt überhaupt Dank und warum? Mögliche Szenarien sind beispielsweise: Du hast finanzielle Unterstützung seitens einer Stiftung erhalten, mit einem Unternehmen kooperiert, Teilnehmer für eine Studie befragt oder Zugang zu exklusiven Datensätzen erhalten. Angemessen können Danksagungen auch sein, wenn du wirklich wertvolle Tipps von einem Wissenschaftler bekommen hast, dir in der Themenwahl vom Betreuer besondere Freiheit gelassen wurde oder jemand deine Arbeit ausführlich Korrektur gelesen hat.

Dabei fällt und steht die Entscheidung für ein "offizielles" Dankeschön per Danksagung meist mit der Frage: War die Unterstützung selbstverständlich oder ging sie über das normale Maß hinaus? Dass dein Dozent oder Betreuer deine Bachelorarbeit annimmt, dich berät und für Fragen bereitsteht, gehört zu seinem Job. Dass deine Familie dir den Rücken während des Schreibprozesses freihält und deine Freunde dir Tipps geben, sollte eigentlich selbstverständlich sein.

Grenzen des Dankeschöns

Es sollte außerdem stets um Hilfestellungen gehen, die sich wirklich konkret auf deine Bachelorarbeit beziehen. Sonst müsstest du dich am Ende auch bei deinem Nachbarn dafür bedanken, dass er keine laute Musik gespielt hat, bei den Verkehrsbetrieben dafür, dass sie während deines Schreibprozesses nicht gestreikt haben, oder beim Bibliotheks-Mitarbeiter für das aufmunternde Lächeln.

Jurist Thomas Hoeren hat für den "Spiegel" die ungewöhnlichsten Danksagungen zusammengetragen. Kein Beispiel nehmen solltest du dir demnach an dem Studenten, der seiner Mutter dankt, welche im Zuge seiner wissenschaftlichen Arbeit "viele Stunden, Tage, Wochen und Monate auf meine Anwesenheit daheim verzichten musste". Auch derjenige, der neben dutzenden Personen seinem Fußballclub für das "wöchentliche Fußballspiel, welches mir den notwendigen sportlichen Ausgleich zur wissenschaftlichen Tätigkeit verschaffte" dankt, hat den Sinn von wissenschaftlichen Danksagungen nicht vollends erfasst.

Wie anstrengend war es wirklich?

Die Bachelorarbeit ist zwar deine erste große wissenschaftliche Arbeit, aber eventuell nicht deine letzte. Planst du noch Master- oder gar Doktorarbeit? Dann solltest du dir eventuell Luft nach oben lassen. Denn diese beiden Arbeiten sind gewiss anspruchsvoller und erfordern mehr Unterstützung. Bei solchen Arbeiten ist – im Gegensatz zu Bachelorarbeiten – eine Veröffentlichung auch häufiger vorgesehen, wobei Danksagungen dann üblich sind. Frag dich also: Wie groß war mein Aufwand wirklich? Faustregel: Alles unter drei Monaten Arbeit fliegt im wissenschaftlichen Betrieb definitiv unter dem Danksagungs-Radar.

In vielen Foren kommentieren Nutzer Danksagungen in Bachelorarbeiten deshalb mit "überzogen" oder "Damit machst du dich eher lächerlich". Je nach Fachgebiet gehen die Meinungen aber auseinander: In dem Bereich der Naturwissenschaften, wo aufwendige Laborarbeit im Vorfeld einer Abschlussarbeit häufig vorkommt, empfinden Viele Danksagungen als angemessen.

Ein Blick auf die Uni-Homepage lohnt sich

Wie bereits eingangs mit dem Zitat von Konfuzius angedeutet: Dank kann auch falsch aufgefasst werden. Manche Dozenten lehnen Danksagungen sogar explizit ab und schreiben das auf ihren Lehrstuhlseiten. Bei Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Thomas Hering von der Fernuniversität Hagen ist zum Beispiel zu lesen:

"In den hier behandelten Prüfungsarbeiten haben Widmungen, Danksagungen, ein Vorwort und erst recht ein Geleitwort nichts zu suchen. Diese Bestandteile finden sich erst in Büchern, z.B. Dissertationen (Doktorarbeiten) und Habilitationsschriften. Niemand hindert Sie, derartige Zusätze in die privat genutzten Exemplare Ihrer Seminar- und Diplomarbeiten einzufügen. Sie gehören jedoch nicht in die an der Universität abzugebenden Exemplare."

Die Universität Stuttgart sieht das anders, in ihrem Leitfaden werden Danksagungen als zusätzliche Bestandteile aufgeführt, die je nach Bedarf und Wunsch des Autors hinzugefügt werden können. Um nicht zu riskieren, dass dein Dozent oder Betreuer das Dankeschön als Schleimen oder gar Bestechung auffasst, lohnt also ein Blick in den Leitfaden umso mehr.

Alternative zur Danksagung in der Bachelorarbeit

Mal ehrlich: Vielleicht eine nette Geste, aber von einer Danksagung in einer unveröffentlichten Bachelorarbeit können sich eure Freunde auch nichts kaufen. Nicht, dass es darum in einer familiären oder freundschaftlichen Beziehung ginge, aber: den Kumpel fürs Korrekturlesen auf ein Bier einladen, der Mutter einen Blumenstrauß vorbeibringen, oder dem Betreuer noch einmal eine nette Mail schreiben, wären alternative Wege, um Danke zu sagen.

Zur Entscheidungsfindung noch einmal die Checkliste auf einen Blick:

  • Wem gebührt Dank und wofür?
  • Wie wurde ich konkret bei der Arbeit unterstützt und war das selbstverständlich?
  • Folgen noch weitere wissenschaftliche Arbeiten, für die ich Luft nach oben brauche?
  • Könnte meine Danksagung falsch aufgefasst werden und gibt es Infos im wissenschaftlichen Leitfaden dazu?
  • Gäbe es einen alternativen Weg, um sich zu bedanken?

Wie sähe eine Danksagung in der Bachelorarbeit denn aus?

Wenn du nach dem Lesen der bisherigen Fragen zu dem Schluss gekommen bist, dass eine Danksagung in deiner Bachelorarbeit durchaus angemessen wäre, bleibt immer noch offen, wie du sie denn schreiben sollst.

Die meisten Ratgeber empfehlen, die Danksagung dem Haupttext voranzustellen, als Teil des Vorwortes. Dabei brauchst du die Danksagung nicht als eigenständiges Kapitel handhaben oder als Punkt in deine Gliederung aufnehmen. Da es aber keine festen Regeln gibt, ist es Geschmackssache, ob du die Danksagung der Arbeit voranstellst oder sie damit abschließt.

In jedem Fall solltest du dieselbe Formatierung wie im Rest der Arbeit verwenden, nicht mehr als eine Seite schreiben und zum Schluss mit Datums- und Ortsangabe enden. Um die Liste zu beschränken, kannst du geschickt die Formulierung "Mein hauptsächlicher Dank gilt..." wählen.

Was den Stil betrifft, zählt nur ein Adjektiv: persönlich. Während du in dem Hauptteil der Arbeit vielleicht versuchst, Phrasen wie "im öffentlichen Diskurs", "somit lässt sich konkludieren", oder "fernerhin gilt es zu erwähnen" unterzubringen, kannst du dir all das in einer Danksagung sparen. Hier darfst du – anders als im Rest der Arbeit – auch die Ich-Form verwenden und kannst kurze Anekdoten – Hürden wie Erfolge – einfließen lassen. Zwar finden sich im Internet zahlreiche Vorlagen, je weniger du aber davon kopierst, desto besser.

Vorsicht! Zu persönlich sollte die Danksagung natürlich auch nicht ausfallen. Absolute Don'ts: peinliche Spitznamen, unterwürfiger und anbiedernder Stil, ein Dankeschön für die monatliche Überweisung von Mama und Papa oder beim Kumpel für das Abtippen der Arbeit.

Danksagung mit einer Einleitung beginnen

Mach dir am besten Stichpunkte, bei wem du dich wofür bedanken möchtest. Einleiten kannst du deine Danksagung dann zum Beispiel so:

  • "Mit dieser Seite möchte ich mich bei allen Personen bedanken, die auf unterschiedliche Art und Weise zum Gelingen dieser Arbeit beigetragen haben."
  • "Ohne die Unterstützung folgender Personen wäre mir das Schreiben dieser Abschlussarbeit in dieser Form nicht möglich gewesen. Dafür möchte ich an dieser Stelle Danke sagen."

Nennung der Personen

Gewichte die Nennung der Personen am besten nach der Bedeutung deines Dankes. Passende Formulierungen wären zum Beispiel:

  • "Mein hauptsächlicher Dank gilt meiner Betreuerin Prof. Dr. Musterfrau für ihre kritischen wie hilfreichen Anregungen während des gesamten Betreuungszeitraums. Die Freiheit, die sie mir bei der Wahl des Themas gelassen hat, war nicht selbstverständlich."
  • "Ich bedanke mich nachdrücklich bei Frau Meier und Herrn Müller von der Firma XY für die Kooperation. Die freundliche und zuverlässige Zusammenarbeit hat mir eine praxisnahe Forschung ermöglicht und wertvolle Einblicke gewährt."
  • "Auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer meiner Befragung haben durch ihre Auskunftsbereitschaft und interessanten Beiträge meine Bachelorarbeit wesentlich mitgeprägt."
  • "Letztlich richte ich auch ein Dankeschön an XY für das Korrekturlesen meiner Arbeit sowie an meine Eltern, da sie mir das Studium erst ermöglichen."

Optional kannst du Anekdoten, besondere Hindernisse oder deine Motivation für die Themenwahl einfließen lassen. Hier ein paar Vorschläge:

  • "Bedanken möchte ich mich ebenfalls bei Prof. Dr. Musterfrau, denn sie hat in ihrem Seminar mein Interesse für das Thema XY geweckt."
  • "Hätte ich zu Beginn des Studiums gewusst, um welches Thema sich meine Bachelorarbeit drehen wird, so hätte ich es vermutlich nicht geglaubt. Aber auch Zufälle spielen in der Wissenschaft eine Rolle, denn ...."
  • "Auch wenn mir das hartnäckige Nachfragen meines Betreuers Prof. Dr. Mustermann teilweise Kopfzerbrechen bereitet hat, so kann ich ihm im Nachhinein dafür nur danken."
  • "Zwar schien mir während des Schreibprozesses stellenweise alles über den Kopf zu wachsen – etwa als eine Abdruckgenehmigung abgelehnt wurde – die genannten Personen haben mich aber am Gesamtprojekt nie zweifeln lassen. Danke dafür!"

So lautet das Fazit: "Es kommt immer darauf an.” – übrigens auch eine häufige Erkenntnis am Ende der Bachelorarbeit.

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