Bafög Studium
Jede Menge Papierkram: BAföG beantragen nervt, aber es lohnt sich! | Foto: Thinkstock/claudiodivizia
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01. Aug 2019

UNICUM Onlineredaktion

Geld & Finanzen

Studieren mit BAföG

Wir klären die wichtigsten Fragen!

Die sicherste Art der Studienfinanzierung

Auch wenn es Alternativen zum BAföG gibt – es ist mit Abstand die sicherste und nachhaltigste Form der Studienfinanzierung: Nach Ende deines Studiums musst du nur die Hälfte des über die Semester geliehen Betrags zurückzahlen. Und zwar zinsfrei, der Rest ist geschenkt.

Nunja, mehr oder weniger geschenkt: Wer BAföG will, muss sich auf eine ganze Menge Bürokratie einlassen. Bevor du dir die nötigen Formblätter von der Website des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft herunterlädst, vergewissere dich, dass du die wichtigsten Infos zur Hand hast.

Steht mir BAföG zu?

Falls du unsicher bist, ob dir Bafög zusteht oder nicht, gibt es nur eine Lösung: Probiere es einfach aus. Eine ungefähre Vorstellung über deinen BAföG-Satz können dir BAföG-Rechner vermitteln, die du leicht online, zum Beispiel bei verschiedenen Studentenwerken, finden kannst.

Jede Menge Papierkram

Die Höhe des BAföG-Satzes, den du beziehen darfst, wird nach deinem Bedarf berechnet. Daher sind für den BAföG-Antrag folgende Dinge wichtig:

  • Wie bist du versichert?
  • Besitzt du sogenannte "Vermögenswerte" wie beispielsweise ein eigenes Auto, eine von Großvater zum Abi geschenkte Wertanlage oder eine Lebensversicherung?
  • Hast du einen eingetragenen Nebenjob?
  • Nennenswerte Einkünfte durch Zinsen von deinem Sparbuch?
  • Wohnst du nicht mehr bei deinen Eltern? Dann musst du eine Mietbescheinigung, gegebenenfalls den Mietvertrag beilegen.

Ein Student aus "normalen" Verhältnissen bekommt fairerweise ein höheres BAföG als jemand, der sich auf dem dicken Sparkonto von Opa ausruhen kann und nebenbei noch einen lukrativen Nebenjob hat.

Das war natürlich nicht alles, auch deine Eltern müssen vor dem BAföG-Amt "blankziehen": Sofern sie arbeiten, müssen sie den BAföG-Formularen ihre letzte Einkommenssteuererklärung beilegen und über weitere Einkünfte durch Renten, Förderungen und Immobilien Auskunft geben.

Auf den insgesamt acht Formularen gibt es weitaus mehr Kästchen auszufüllen, aber keine Sorge: Vieles erklärt sich von selbst – und Informationen über deinen Wohnort, deinen Schulabschluss oder gegebenenfalls eigene Kinder dürftest du im Kopf haben. Also: Nicht abschrecken lassen!

Während deines Studiums hast du freilich keine Ruhe vor dem Zettelkram: Regelmäßig musst du Bescheinigungen über deine erwirtschafteten Credit-Points einreichen. Auch die Basis-Infos über dich und deine Eltern müssen jedes Semester erneut eingereicht werden. Schließlich kann sich ja an der finanziellen Lage etwas geändert haben – das wiederum hat Einfluss auf den BAföG-Satz.


InfoBAföG im Schnell-Check:

  • Wer darf BAföG beantragen?
    Studenten, Schüler, Berufsschüler - auch mit nichtdeutscher Staatsbürgerschaft.
     
  • Wie viel Geld kann ich bekommen?
    Die BAföG-Sätze schwanken je nach Bedarf zwischen 474 und 861 Euro.
     
  • Was muss ich für den BAföG-Antrag wissen? Was muss ich vorweisen?
    Viel. Von der Miertbescheinigung bis zur Einkommenssteuererklärung der Eltern.
     
  • Gibt es Alternativen zum BAföG?
    Keine besonders attraktiven. Falls das BAföG nicht reicht, bieten Stipendien eine weitere Finanzierungsmöglichkeit. Die Chancen sind hier besser als man glaubt!

Sonderfälle beim BAföG

Einige der Formblätter des BAföG-Antrags beziehen sich auf Sonderfälle. Beispielsweise, wenn du keine deutsche Staatsangehörigkeit hast. Das bedeutet nämlich nicht, dass dir kein BAföG zusteht – sofern du ein deutsches Abitur hast oder EU-Bürger bist. Auch für andere Fälle lassen sich Lösungen finden, in diesem Fall ist es ratsam, sich an das zuständige BAföG-Amt zu wenden.

Studienfachwechsel – was nun?

Ein Studienfachwechsel kann eine weitere Schwierigkeit darstellen: Das Bundesausbildungsförderungs-Gesetz fordert einen "wichtigen Grund" bei Fachwechseln bis zum 3. Semester, entscheidest du dich nach dem 4. Semester um, musst du einen "unabweisbaren Grund" vorlegen.

Was bedeutet das? Als "wichtiger Grund" wird ein Eignungs- oder Neigungswandel anerkannt. Ihr habt Theologie studiert und seid vom Weg Gottes abgekommen? Kein Problem, BAföG ist immer noch drin, sofern dies vor dem 4. Semester geschehen ist. In der Regel fragt das BAföG-Amt nicht einmal nach, sondern geht stillschweigend davon aus, dass ein Fachwechsel schon einen wichtigen Grund haben wird.

Schwieriger wird es ab dem 4. Semester, denn für einen "unabweisbaren Grund" gibt es strengere Kriterien. Beispielsweise wenn du Chemie studierst, aber das Studium wegen Allergien unmöglich fortsetzen kannst, oder als Sportstudent einen schweren Unfall hattest.

Der Wechsel von Bachelor zu Master gilt in aller Regel nicht als Fachwechsel. Laut Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft sowie den Deutschen Studentenwerken musst du dabei nicht zwangsläufig im selben Fach bleiben: Ein Journalismus-Master nach dem Germanistik-Bachelor wird nicht als Fachwechsel angesehen.

Alternativen zum BAföG?

Das hehre Ziel des Bundesausbildungsförderungsgesetzes, Studenten unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Lage ein nebenjobfreies Studium zu ermöglichen, wird freilich selten erreicht: Nach Angaben der Deutschen Studentenwerke können nur zwei Prozent der Studierenden ausschließlich von BAföG leben, in Städten wie Berlin und München kann mitunter nicht einmal die Miete davon gezahlt werden.

In gravierenden Fällen kann das Jobcenter betroffenen Studierenden unter die Arme greifen. Das ist aber nur selten möglich. Was nun? "Salopp gesagt: Wirkliche Alternativen zum BAföG gibt es nicht. Es ist das verlässlichste, weil auf einem Rechtsanspruch gründende, staatliche Finanzierungsinstrument für Studierende", so Stefan Grob von den Deutschen Studentenwerken. Von Studienkrediten zur Dauerfinanzierung des Studiums raten die Studentenwerke grundsätzlich ab.

Eine andere Möglichkeit sind Stipendien: "Oftmals sind die Hürden dafür längst nicht so hoch, wie allgemein angenommen, denn abgesehen von der Begabung zählen für viele Stipendiengebern auch ehrenamtliches Engagement oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe", sagt Grob. Ein Beispiel ist das Deutschlandstipendium: Ein großer Teil des bereitgestellten Geldes wird wegen mangelnder Bewerber gar nicht für die Stipendien genutzt – obgleich eine Bewerbung nix kostet außer ein paar Minuten Zeit.

Falls du aus irgendwelchen Gründen, zur Überbrückung oder als notwendige Finanzspritze für besonders maue Zeiten, dennoch einen Studienkredit wahrnehmen willst, kannst du dich bei der Stiftung Finanztest darüber informieren. Zurzeit weisen die Tester den KfW-Studienkredit als das für Studenten fairste Angebot aus: Die Höhe des monatlich in Anspruch genommenen Geldes kannst du regelmäßig deinem Bedarf anpassen, der Höchstsatz beträgt, ähnlich wie beim BAföG, 650 Euro.


BAföG-Reform 2019

Am 01. August 2019 ist die neueste BAföG-Reform in Kraft getreten, damit einher geht eine BAföG Erhöhung. Im Folgenden haben wir die zehn wichtigsten Änderungen für dich zusammengefasst. Verabschiedet wurde das Gesetz im Mai 2019, so dass die Reformen erst mit Beginn des Schuljahres 2019 beziehungsweise des Wintersemesters 2019/2020 gültig werden.

InfoDie zehn wichtigsten Änderungen beim BAföG:

  1. Anhebung des generellen Bedarfssatzes um 7 Prozent(um 5 Prozent im ersten Schritt 2019 und nochmals um 2 Prozent in 2020).
  2. Der Wohnzuschlag für nicht bei den Eltern wohnende BAföG-Empfänger wird auf 325 Euro angehoben.
  3. Die Einkommensfreibeträge werden insgesamt um über 16 Prozent angehoben (um 7 Prozent im ersten Schritt 2019, um 3 Prozent in 2020 und nochmals um 6 Prozent in 2021).
  4. Der Vermögensfreibetrag steigt von 7.500 auf 8.200 Euro.
  5. Für Auszubildende mit Unterhaltspflichten steigt der Vermögensfreibetrag von 2.100 auf 2.300 Euro.
  6. Der Kinderbetreuungszuschlag wird vereinheitlicht und beträgt dann für jedes Kind 150 Euro.
  7. Der Krankversicherungszuschlag steigt von 71 auf 84 Euro.
  8. Der Pflegeversicherungszuschlag steigt von 15 auf 25 Euro.
  9. Die Regelungen zur BAföG-Rückzahlung ändern sich, so dass Geförderte in Zukunft schneller schuldenfrei sind.

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