Studieren in Teilzeit
Ein Teilzeitstudium bietet dir mehr Flexibilität. Die Angebote sind jedoch überschaubar. | Foto: seb_ra/Getty Images
Autor

12. Dez 2018

Elena Weber

Uni-Orga

Teilzeitstudium

Reduziert studieren

Teilzeitstudium: Noch nicht selbstverständlich

Von Teilzeitarbeit spricht man, wenn Arbeitnehmer regelmäßig kürzer arbeiten als vergleichbare Vollzeitarbeitnehmer. Doch was in der Arbeitswelt funktioniert, ist auch als Studierender möglich, denn statt Vollzeit zu studieren, kannst du dein Studium auch in reduziertem Umfang, eben in Teilzeit, absolvieren. Doch anders als im Job ist das Thema Teilzeit im Studium noch nicht besonders etabliert. Wie eine Studie des CHE Centrum für Hochschulentwicklung ermittelte, studieren aktuell lediglich 7,2 Prozent aller Studierenden offiziell in Teilzeit. Allerdings ist auch das Angebot an Teilzeitstudiengängen gering: Nur 13,5 Prozent aller Studiengänge stehen insgesamt in Teilzeit zur Verfügung.

Der Unterschied zum Vollzeitstudium

Vollzeit zu studieren bedeutet, dass du voll ausgelastet bist. Du absolvierst eine bestimmte Anzahl von Kursen und Prüfungen pro Semester und besuchst Veranstaltungen, die in der Regel zwischen acht und 18 Uhr stattfinden. Auch wenn die Anzahl der Semesterwochenstunden je nach Semester und Studiengang variieren können, ist ein Vollzeitstudium grundsätzlich so ausgelegt, dass für andere Aktivitäten wie ein Nebenjob oder ein Ehrenamt eher wenig Zeit bleibt.

In einem Teilzeitstudium ist die Auslastung deutlich geringer, denn hier berücksichtigt die Hochschule, dass Studierende neben dem Studium noch andere Verpflichtungen haben, beispielsweise die Betreuung von Kindern, die Pflege von Angehörigen oder einen festen Job. Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitsbelastung liegt zwischen 20 bis 30 Stunden. Block- und Wochenendseminare ermöglichen zudem eine bessere Vereinbarkeit des Studiums mit dem Berufs- oder Familienleben.

Antrag auf Teilzeitstudium stellen

Du bist allerdings nicht automatisch ein Teilzeitstudierender, weil du einfach weniger Kurse besuchst. Laut Studienerhebung des CHE studiert rund jeder dritte Studierende in einem deutlich geringeren zeitlichen Umfang als vorgegeben. Folglich schlossen laut Statistischem Bundesamt 2014 lediglich 40 Prozent der Studierenden ihr Studium innerhalb der vorgesehenen Regelstudienzeit ab. Ein offizieller Studierender in Teilzeit bist du jedoch nur, wenn du einen entsprechenden Antrag bei der Hochschule stellst oder einen speziellen Teilzeitstudiengang belegst.

In der Regel gilt der Antrag auf Teilzeit für ein Studienjahr und muss dann verlängert bzw. neu beantragt werden. Das kann lästig sein, wenn du dauerhaft in Teilzeit studieren willst, ist aber praktisch, wenn du nur mal ein oder zwei Semester in Teilzeit einschieben möchtest. Allerdings musst du an staatlichen Hochschulen fast immer eine schriftliche Begründung vorlegen, warum du in Teilzeit studieren möchtest. Jede Hochschule hat hier unterschiedlich strenge Kriterien. Gründe für ein Teilzeitstudium können etwa die Betreuung eines Kindes, eine Erkrankung, die Pflege eines Angehörigen oder ein Job sein. An privaten Hochschulen musst du eine solche Begründung nicht abgeben. Dafür zahlst du hier zum Teil recht hohe Studiengebühren.


Teilzeitstudium Stunden


Teilzeitstudium: Das sind die Vor- und Nachteile

Jeder achte Studiengang in Deutschland lässt sich auch in Teilzeit studieren, insgesamt gibt es aber mehr Angebote bei Master- als bei Bachelorstudiengängen. Je nach Bundesland und Hochschule gibt es große Unterschiede. Ob ein Teilzeitstudium das Richtige für dich ist, hängt von deiner Lebenssituation ab, denn wie bei allem gibt es auch hier Vor- und Nachteile.

Was sind die Vorteile?

  • Mehr Flexibilität: Studium, Familie oder Weiterbildung und Beruf lassen sich besser miteinander vereinbaren
  • Du hast mehr Zeit für deine sportliche Karriere oder ein Ehrenamt
  • Beim Wechsel von Voll- auf Teilzeit ist das Teilzeitsemester offiziell bescheinigt
  • Du kannst Wohngeld oder Hartz IV beantragen
  • Längere Regelstudienzeit: Üblicherweise zählen zwei Hochschulsemester als ein Fachsemester

Was sind die Nachteile?

  • Als offizieller Teilzeitstudierender verlierst du deinen BAföG-Anspruch
  • Wenig Angebote: Nicht alle Hochschulen bieten für alle Studiengänge ein Teilzeitstudium an
  • Privilegien, wie ein kostenloses Konto für Studierende, entfallen
  • Bei der Krankenkasse fallen eventuell höhere Beiträge an
  • Den Semesterbeitrag musst du trotzdem voll bezahlen

Teilzeitstudium: Welche Hochschule bietet es an?

Insgesamt ist die Lage bezüglich des Teilzeitstudiums recht unübersichtlich, auch weil die Hochschulen die Möglichkeiten eines Teilzeitstudiums nicht immer ausreichend kommunizieren. Wenn du schon vor Studienbeginn weißt, dass du eventuell in Teilzeit studieren möchtest, kannst du deine Hochschule entsprechend ihrer Teilzeitangebote aussuchen. Tritt der Bedarf für ein Teilzeitstudium allerdings erst während des Studiums auf, musst du Glück haben, an der "richtigen" Hochschule zu sein, um diesen Wunsch auch realisieren zu können.

Die meisten Teilzeitstudiengänge gibt es laut CHE-Studie in den Gesellschafts- und Sozialwissenschaften, den Gesundheitswissenschaften oder den Sprach- und Kulturwissenschaften. Künstlerische Studiengänge bieten hingegen ebenso wenige Studienmöglichkeiten in Teilzeit wie das Fach Medizin. Die höchste Quote an Teilzeitstudiengängen hat übrigens das Saarland (64,5%), gefolgt von Hamburg (53,3 %) und Brandenburg (36,8%). In sechs Bundesländern liegt der Anteil an Teilzeitangeboten unter zehn Prozent. Schlusslicht ist dabei Bremen. Hier kann nur einer von fünfzig Studiengängen in geringerem Umfang pro Semester studiert werden.

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