Prof Du sagen
"Du, Herr Professor …"– So lässt sich nicht jeder Prof ansprechen! | Foto: Thinkstock/Estudi M6

Du & deine Profs

02.11.2015

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30. Nov 2016

Almut Steinecke

Uni-Orga

Umgangsformen: Den Prof duzen oder siezen?

"Hallo, ich bin der Friedemann"

Bart, längere Haare, lässige Klamotten: Friedemann Vogel, 33, Juniorprofessor am Institut für Medienkulturwissenschaft der Uni Freiburg, ist ein lockerer Typ. Auch im Umgang mit seinen Studenten. "Hallo, ich bin der Friedemann", sagt er, wenn er sich vorstellt – die Studierenden dürfen ihn gerne duzen. Denn: Das Durchbrechen eingeschliffener Traditionen schaffe neue Handlungsfreiräume.

"Die Studenten reflektieren die klassische Hierarchieebene, registrieren, dass diese nicht gottgegeben ist, sondern diskutierbar", so Vogel. "So brechen sie eher aus einem Korsett aus, das sie sich schon in der Schulzeit im Umgang mit ihren Lehrern angelegt haben und das Erkenntnisprozesse mehr behindert, als befördert."

Respektverlust durch das Du?

Studenten, mit denen er auf Du und Du ist, trauten sich eher, "meine Noten kritisch zu hinterfragen und auch Belege für meine Entscheidungen einzufordern". Für Vogel völlig in Ordnung. "Respekt muss man sich erarbeiten, auch als Prof." Dass ihm Respekt durch das Duzen flöten gehe könne, glaubt er nicht, denn er achte auf einen Umgang, der trotzdem sachlich bleibt und nicht ins Kumpelhafte abgleitet.

Friedemann VogelZu seinen Studenten zählt zum Beispiel Samantha Happ: Die 27-Jährige besucht ein Forschungsseminar von Vogel, genießt darin die Augenhöhe zum Jungprof. Auch wenn es eine gewisse Eingewöhnung brauchte: "Anfangs war es komisch, ich habe versucht, die direkte Anrede zu vermeiden – weil es in Deutschland nicht üblich ist, Autoritätspersonen einfach zu duzen", erzählt sie.

"Nach ein, zwei Sitzungen konnte ich mich aber darauf einlassen und habe gemerkt, wie befreiter das Arbeitsklima ist; man hat nicht das Gefühl, einer ständigen Prüfung durch eine Person zu unterliegen, die über einen gestellt ist. Der Prof ist nicht über uns, sondern mit uns – man fühlt sich mehr als Team."

Kein Elfenbeinturm in Litauen

Duzen an der Uni kommt indes auf der ganzen Welt vor. In Schweden, Holland, Dänemark etwa ist es ganz normal. Auch in anderen Ländern sitzen die Professoren nicht im Elfenbeinturm. In Vilnius, der Hauptstadt Litauens, hat die Studentin Julia Bömer im Sommer 2016 ein Auslandssemester gemacht und darüber für den Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD berichtet (Kampagne "studieren weltweit – ERLEBE ES!").

Julia, die eigentlich an der Hochschule Hannover Fernsehjournalismus studiert, fand in Litauen die Nahbarkeit der Profs auffallend: "Da an der Uni Englisch gesprochen wird, ist die Anrede automatisch 'Du'. Prof und Student sprechen sich aber auch mit Vornamen an", erzählt die 26-Jährige.

Höflicher als höflich in Japan

Eine ganz andere Erfahrung berichtet Julia Augsburger. Die 22-Jährige studiert Asienwissenschaften und Japanisch an der Uni Bonn und war zeitweise an der Waseda University in Tokio. Auch sie hat auf studieren-weltweit.de darüber gebloggt. "Je nachdem, auf welcher gesellschaftlichen Ebene die Menschen miteinander kommunizieren, erfolgt die Kommunikation in Japan auf verschiedenen Höflichkeitsstufen", erzählt sie.

Der Kontakt zwischen Studierenden und Profs sei "auf der höchsten Stufe" angesiedelt und deshalb "hochgradig formell", gegenseitiges Duzen käme niemals in Frage. Stattdessen ist auch noch eine Verbeugung zur Begrüßung und Verabschiedung angesagt. "Wenn man mit den Dozenten spricht, wählt man außerdem besonders elegante Wörter in langen, umständlichen Sätzen", so Julia. Man sage zum Beispiel nicht, "könnten Sie bitte mal", sondern überspitzt ausgedrückt "könnten Sie vielleicht gegebenenfalls, sofern es auch nicht zu viele Umstände bereitet …". Sie findet es gut: "Das sichert den emotionalen Abstand zueinander!"

Auch ihre Namensvetterin spricht sich eher für das Formelle aus – aber nur, wenn es um die Wurst geht: "Gibt es in Prüfungssituationen Grund zu Kritik, nimmt man das nicht so persönlich, wenn gesiezt wird, sondern versteht besser: Ich als Studentin habe das jetzt nicht so gut gemacht – nicht ich als Mensch."

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Deine Meinung:

Veröffentlicht am 07. Dez 2016 um 15:14 Uhr von Michael J. Markus
Finde ich super und sehe das genauso! "Du" und "Sie" hat für unsere Generation weniger mit Respekt zu tun, sondern vielmehr mit Vertraut und Fremd. Daher beim Zusammenarbeiten mit dem Dozenten auf Augenhöhe gerne das "Du", zum Busfahrer das "Sie". Könnte mir aber vorstellen, dass dies eher Dozenten in Fachgebieten, in denen auch im späteren Beruf das Duzen üblich ist (z.B. Medien, Marketing, Informatik), anbieten und auch überwiegend wenn sie U50 sind. In Disziplinen wie Jura dürfte dies eher nicht in Frage kommen. Hab umgekehrt auch schon erlebt, dass Studenten das Du gar nicht wollen, was ich dann wieder sehr befremdlich finde. Jeder Dozent sollte das als Hausherr einfach selbst festlegen, wie er es handhabt, und begründen können, warum oder warum nicht, so wie Friedemann das ja auch tut.