Sexuelle Belästigung am Campus: Definition, Beispiele & Hilfe

Foto: Jacob Wackerhausen/gettyimages
Sexuelle Belästigung am Campus: Definition, Beispiele & Hilfe
Wir sehen es und hören es immer wieder. Ein Unbekannter betritt den Uni-Campus und filmt eine Studentin auf der Toilette (Gießen, 2022). Ein Dozent belästigt und herabwürdigt jahrelang Studentinnen (Göttingen, 2025). Mehrere Studierende werden auf einer Studi-Party im Studentenwohnheim mit KO-Tropfen betäubt (Lüneburg, 2018). Wir erklären dir, an wen du dich wenden kannst und was du beachten solltest.
Was ist sexuelle Belästigung?
Die bessere Frage wäre doch „Ab wann ist es sexuelle Belästigung“? Sexuelle Belästigung liegt vor, wenn eine Person durch unerwünschte sexualbezogene Worte, Gesten, Handlungen oder körperliche Annäherungen in ihrer Würde verletzt wird, maßgeblich ist, dass das Verhalten nicht gewollt ist, unabhängig davon, wie es gemeint war. Ganz wichtig: Es sind zwar statistisch mehr Frauen betroffen, aber auch Männer werden Opfer sexueller Belästigung.
| Was ist sexuelle Belästigung? | Was ist verbale sexuelle Belästigung? |
| Unerwünschte körperliche Nähe, z. B. absichtliches Berühren von Po, Brust oder Oberschenkel. | Sexualisierte Kommentare über den Körper oder das Aussehen einer Person („Mit dem Outfit willst du doch was bezwecken“). |
| Aufdringliche sexuelle Handlungen oder Andeutungen, trotz klarer Ablehnung. | Anzügliche Witze oder Bemerkungen, die der betroffenen Person unangenehm sind. |
| Starrendes, einschüchterndes Verhalten mit sexuellem Bezug, das als übergriffig empfunden wird. | Sexuelle Aufforderungen oder zweideutige Sprüche, auch als „Kompliment“ getarnt, wenn sie unerwünscht sind. |
👉 Wichtig: Ob es Belästigung ist, entscheidet nicht die Absicht der handelnden Person, sondern wie es bei der betroffenen Person ankommt.
Was kann man in so einer Situation tun?
Betroffene sollten wissen, dass sie nicht allein sind. Fast jede Universität oder Hochschule hat feste Ansprechpartner:innen für sexuelle Belästigung, zum Beispiel Gleichstellungsbeauftragte, Vertrauenspersonen oder spezielle Beratungsstellen. Diese findet man auf der offiziellen Website der eigenen Hochschule. Dort kann man sich vertraulich beraten lassen, Unterstützung bekommen und mögliche nächste Schritte besprechen.
Wo kann ich sexuelle Übergriffe melden?
- Polizei
Wenn du Anzeige erstatten möchtest oder Gefahr im Verzug ist. Das kannst du persönlich, online (je nach Bundesland) oder telefonisch tun. - Beratungsstellen und Hilfsorganisationen
Zum Beispiel Weißer Ring – bietet kostenlose, vertrauliche Beratung und Unterstützung für Betroffene. - TelefonSeelsorge
Rund um die Uhr anonym erreichbar (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222) – besonders hilfreich, wenn du erst einmal reden möchtest. - An deiner Hochschule (falls relevant)
Gleichstellungsbeauftragte, Vertrauenspersonen oder spezielle Meldestellen für sexuelle Belästigung und Gewalt.
👉 Wichtig: Du entscheidest selbst, ob und wie weit du gehen möchtest. Auch eine anonyme Beratung ohne Anzeige ist vollkommen legitim.
Wie ist sexuelle Belästigung im STGB geregelt?
Sexuelle Belästigung ist im deutschen Strafrecht geregelt in § 184i StGB.
Kurz erklärt:
Sexuelle Belästigung liegt strafrechtlich vor, wenn jemand eine andere Person in sexuell bestimmter Weise körperlich berührt und diese Berührung unerwünscht ist.
Wichtig dabei:
- Es muss körperlicher Kontakt vorliegen.
- Verbale Belästigung (z. B. Catcalling) fällt nicht unter § 184i StGB, kann aber andere Rechtsfolgen haben (z. B. Ordnungsrecht, Hausrecht, Hochschulrecht).
- Strafmaß: Freiheitsstrafe bis zu 2 Jahre oder Geldstrafe.
Beispiele nach § 184i StGB:
- absichtliches Anfassen von Po oder Brust,
- unerwünschtes Streicheln oder Umarmen mit sexuellem Bezug,
- körperliches Bedrängen mit sexueller Absicht.
Wenn du willst, kann ich das auch noch einfacher, für eine Präsentation oder mit Abgrenzung zu sexueller Nötigung (§ 177 StGB) erklären.
Artikel-Bewertung:
Anzahl Bewertungen: 2

