Die Grünen Spitzenkandidatin 2021
Annalena Baerbock ist Kanzlerkandidatin 2021 für Bündnis 90/Die Grünen. | Foto: Gruene.de
Autor

06. Sep 2021

Anke Capellmann

Aktuelles

Die Grünen Spitzenkandidatin 2021: Annalena Baerbock


Inhalt

  1. Zur Person Annalena Baerbock
  2. Politischer Werdegang
  3. Baerbock und die Nebeneinkünfte
  4. Aktuelle Umfragen
  5. Politische Position
  6. Prognosen

Über die Person Annalena Baerbock

Annalena Baerbock ist seit Januar 2018 gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende der Grünen. Für die Bundestagswahl 2021 bildet sie mit Habeck das Spitzenduo ihrer Partei für den Wahlkampf. 

Sie wurde am 15. Dezember 1980 in Hannover geboren. Heute lebt sie mit ihrem Ehemann Daniel Holefleisch und ihren beiden Töchtern in Potsdam in Brandenburg. 

Baerbock studierte politische Wissenschaft an der Universität Hamburg. Im Nebenfach belegte sie Öffentliches Recht. Anschließend wechselte sie an die London School of Economics und schloss dort 2005 mit ihren Master in "Public International Law" ab. Noch während ihres Studiums arbeitete sie als freie Mitarbeiterin bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Baerbock ist Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche. Sie sagt allerdings, dass sie nicht gläubig sei, "aber trotzdem in der Kirche, weil mir die Idee des Miteinanders extrem wichtig ist."

Politischer Werdegang

Annalena Baerbock ist seit 2005 Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen. Seitdem war sie auch bis 2008 die Büroleiterin der Europaabgeordneten Elisabeth Schroedter. Seit 2013 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestags. Bevor sie im Jahr 2018 Bundesvorsitzende der Grünen wurde, hatte sie noch einige andere Funktionen bei den Grünen inne: 

  • 2008-2013: Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Europa der Grünen. 
  • 2009-2013: Landesvorsitzende der Grünen in Brandenburg.
  • 2012-2015: Mitglied im Parteirat der Grünen. 
  • 2013-2017: Sprecherin für Klimapolitik der grünen Bundestagsfraktion.

Mit Robert Habeck bildet Baerbock das Spitzenduo für die Bundestagswahl. Im April verkündeten die beiden, dass Baerbock vom Bundesvorstand der Grünen als Kanzlerkandidatin für die Wahl vorgeschlagen wurde, im Juni stimmte der Parteitag zu. Damit ist Baerbock die zweite Frau nach Angela Merkel, die sich um das Kanzleramt bewirbt und die erste Kanzlerkandidatin in der Geschichte der Grünen.

Weitere Mitgliedschaften der grünen Kanzlerkandidatin sind:

  • 2016: Gründungsmitglied und Vorsitzende des Vereins Hand in Hand Potsdam
  • Seit 2020: Mitglied der Community Young Global Leaders des Weltwirtschaftsforums
  • Aktuell: Beisitzerin im Verein Hand in Hand Potsdam
  • Aktuell: Mitglied in der überparteilichen Europa-Union Deutschland

Baerbock und die Nebeneinkünfte

Annalena Baerbocks Kanzlerkandidatur sorgte am Anfang für einen Höhenflug der Grünen. Baerbock lieferte sich in den Umfragewerten ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet. Doch die Welle großer Beliebtheit hielt nur kurz. Sowohl vor als auch nach ihrer Aufstellung zur Kanzlerkandidatin hatte Baerbock Fehler gemacht. 

Über Jahre hatte sie ihre Nebeneinkünfte nicht ordnungsgemäß beim Bundestag gemeldet. Im März 2021 meldete sie aus ihrer Funktion als Co-Parteivorsitzende dann mehr als 25.000 Euro nach. Das stieß auf große Kritik. Die Kanzlerkandidatin räumte den Fehler später ein und sprach von einem "blöden Versäumnis".

Auch ihren Lebenslauf musste sie mehrmals inhaltlich korrigieren. Das hatte ebenfalls zu Kritik in den Medien geführt. 

Zuletzt wurden Plagiatsvorwürfe laut. Ein Medienwissenschaftler aus Österreich wirft ihr vor, in ihrem Buch "Jetzt. Wie wir unser Land erneuern" abgeschrieben zu haben - an fünf Stellen. Bei den Textstellen handelt es sich allerdings um Zusammenfassungen von öffentlich bekannten Informationen, zum Beispiel die Auflistung von Ländern, die der EU zu bestimmten Zeitpunkten beigetreten sind. Die Grünen wiesen die Plagiatsvorwürfe zurück.



Aktuelle Umfragen

Verschiedene Umfrageinstitute fragen regelmäßig ab, welche Partei die Bürger /-innen wählen würden, wenn am kommenden Sonntag Bundestagswahl wäre. Im ARD-Deutschlandtrend im Mai, einer Umfrage von Infratest dimap, belegten die Grünen mit 26 Prozent den ersten Platz. Danach folgten die CDU/CSU mit 23 Prozent und die SPD mit 14 Prozent (AfD: 12 Prozent, FDP: 11 Prozent, Die Linke: 6 Prozent, Freie Wähler: 3 Prozent, Andere: 7 Prozent).

Aber die Umfragewerte fielen mit der Zeit immer schlechter für die Grünen aus. Schon einen Monat später hatte die Union die Grünen laut ARD-Umfrage überholt: Die Union kam auf 28 Prozent, die Grünen nur noch auf 20 Prozent. Dieser Trend setzte sich fort. In der jüngsten Erhebung von Infratest dimap für den WDR von August 2021 lagen die Grünen nur noch bei 19 Prozent - und liegen damit jetzt hinter der Union mit 27 Prozent und der SPD mit 18 Prozent.

Auch eine Erhebung des Meinungsforschungsinstituts YouGov vom 3. September bestätigt den Abwärtstrend. Die Grünen kommen demnach nur noch auf 15 Prozent. Könnte man am Wahltag direkt über den/die Kanzler /-in abstimmen, würden sich 27 Prozent für den SPD-Kandidaten Olaf Scholz entscheiden. Nur 9 Prozent würden noch die Grünen-Kandidatin direkt zur Kanzlerin wählen. Hinter Baerbock bleibt allerdings der Kandidat der Union, Armin Laschet. Nur 8 Prozent würden ihn wählen. 

Politische Position

Annalena Baerbock wird dem "Realo"-Flügel ihrer Partei zugeordnet. Ein solcher Realo ist ein Vertreter von realpolitischen Positionen innerhalb der Grünen.

Aber wofür steht die Kanzlerkandidatin der Grünen im Einzelnen? Wir haben uns ihre Positionen zu unterschiedlichen politischen Themen angesehen, die für die Bundestagswahl 2021 wichtig sind.

Umweltpolitik

Annalena Baerbock will nach der Wahl ein Klimaschutz-Sofortprogramm auf den Weg bringen. Sie fordert zum Beispiel den Kohleausstieg bis 2030, ein Tempolimit von 130 km/h auf deutschen Autobahnen und reduzierte Fleischproduktion. Außerdem sei Klimapolitik kein Gegensatz zur Wirtschaft.

Wirtschaftspolitik

Baerbock fordert, dass Klimaschutzziele und die Wirtschaftspolitik ineinander greifen. Es wird eine Gründungsförderung angestrebt, die Digitalisierung soll vorangetrieben werden und die Infrastruktur sowie Netze müssten schneller ausgebaut werden. Außerdem soll der Staat Unternehmen beim klimafreundlichen Umbau unterstützen.

Sozialpolitik 

Baerbock lehnt ein bedingungsloses Grundeinkommen ab, wie es Teile der Grünen fordern. Allerdings befürwortet sie eine sogenannte Garantiesicherung. Den Mindestlohn will sie auf 12 Euro anheben. Außerdem sollen auch Selbstständige, Beamte /-innen und Politiker /-innen verpflichtend in die gesetzliche Rentenkasse zahlen.

Digitalisierung

Digitale Vorhaben sollen künftig in der Politik priorisiert werden. Außerdem soll es ein eigenständiges Budget für Digitalvorhaben geben. Jede /-r Bürger /-in soll ein Recht auf schnelles Internet haben, das mindestens die Bandbreite liefert, die die Mehrheit der Bevölkerung heute schon aktiv nutzt. Zuletzt setzen sich die Grünen für Datenschutz, Anonymisierungstechnologie und ein hohes Strafmaß bei Datenmissbrauch ein.

Außenpolitik

Annalena Baerbock fordert ein stärkeres, gemeinsames europäisches Engagement in der Verteidigungspolitik. Nach Trumps Auszug aus dem Weißen Haus will Baerbock die Zusammenarbeit mit den USA neu gestalten. Außerdem fordert sie den Abzug der US-Atomwaffen aus Deutschland. 

Prognosen

Der Beginn von Annalena Baerbocks Kanzlerkandidatur war vielversprechend. In den Umfragen ließ sie die anderen Spitzenkandidaten teilweise weit hinter sich. In den folgenden Wochen sorgten Fehler im Lebenslauf, nicht gemeldete Nebeneinkünfte und andere Angriffe auf Baerbock für schrumpfende Umfragewerte. Damit sind auch Baerbocks Chancen auf das Kanzleramt geringer geworden. 

Auch die Tatsache, dass die Grünen im Saarland nicht wählbar sind, schmälern die Chancen auf das Kanzleramt. Der Landesverband hatte es dort nicht geschafft, eine Kandidatenliste aufzustellen.

Spitzenkandidaten anderer Parteien 

Neben der Vorstellung von Annalena Baerbock haben wir auch die anderen Spitzenkandidaten /-innen für dich porträtiert und zeigen dir, wofür sie einstehen.

  • Spitzenkandidat CDU 2021
  • Spitzenkandidat SPD 2021
  • Spitzenkandidat FDP 2021
  • Spitzenkandidat Die Linke 2021
  • Spitzenkandidat AfD

Wahlprogramme der anderen Parteien

In unserer Parteien-Check-Reihe zur Bundestagswahl ergänzen wir nach und nach die Wahlprogramme der Parteien. Hier kannst du dich durch die verschiedenen Programme klicken:

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