Flüchtlinge Studium
Flüchtlinge können an deutschen Unis momentan nur als Gast-Hörer studieren | Thinkstock/lofilolo

Engagement an der Uni

21.09.2015

Flüchtlingshilfe

Engagement zeigen: Uni-Projekte für Flüchtlinge – und wie du helfen kannst

Aktionen unterstützen, eigene...

Hunderttausende Menschen engagieren sich aktuell in Deutschland für Flüchtlinge und gegen Fremdenhass. Auch an den Hochschulen wird eine Menge gemacht. Hier ein kleiner A ... mehr »

Autorenbild

01. Okt 2015

Marie-Charlotte Maas

News

Flüchtlinge in Deutschland: Studieren erlaubt?

Ein reguläres Studium an deutschen Unis bleibt Geflüchteten zur Zeit noch verwehrt

Unis zeigen Unterstützung

Man kann den Unis und FHs nicht vorwerfen, untätig zu sein. Im Gegenteil: Viele setzen alles daran, den Flüchtlingen hier ein Studium zu ermöglichen. Immerhin haben 15 Prozent der Asylbewerber schon studiert, weitere 16 Prozent ein Gymnasium besucht, wie das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in einer nichtrepräsentativen Befragung herausfand.

Doch wie so oft scheitert es an der Bürokratie. Wer gewisse Voraussetzungen, wie den Nachweis deutscher Sprachkenntnisse, oder eine Hochschulzugangsberechtigung nicht erfüllt, darf sich nicht für ein reguläres Studium einschreiben.

Perspektiven entwickeln

Aber zumindest bieten eine ganze Menge Hochschulen die Möglichkeit, Gast-Hörer zu werden, u.a. die Unis Bremen, Bochum, Greifswald, Fulda und auch Hildesheim. Dort haben beispielsweise im Sommer 20 Flüchtlinge, vor allem aus dem Sudan, Syrien, Afghanistan und dem Irak, mit einem Schnupperstudium begonnen.

Jetzt zum Wintersemester rechne man mit einer deutlich höheren Zahl, heißt es. Vor allem die Fächer Mathematik und Informatik sowie die Naturwissenschaften seien beliebt. "Das Schnupperstudium soll dabei helfen, die Studienstrukturen und andere Studierende kennenzulernen, interessante Seminare und Vorlesungen zu besuchen und dabei die deutsche (Wissenschafts-) Sprache zu lernen. Wichtig ist es aber auch, um Struktur in den Alltag zu bekommen und Perspektiven für das eigene Leben zu entwickeln", sagt Isa Lange von der Uni Hildesheim.

Einen Abschluss können die Flüchtlinge jedoch nicht erwerben und ihre erbrachten Leistungen zählen auch nicht für ein späteres Vollzeitstudium. Dieses Problem sah auch die LMU München und entwickelte ein Programm, bei dem Leute, die bereits im Heimatland studiert haben, ähnlich wie Austauschstudierende behandelt werden. Der Vorteil: So können sie ECTS-Punkte sammeln, die ihnen, wenn sie nach einem Jahr ein reguläres Studium beginnen, als Leistungsnachweise angerechnet werden.

Kiron University: Online studieren

Das alles reicht Markus Kreßler, Psychologie- und Wirtschaftskommunikations- Student aus Berlin, nicht. Er hat darum mit Freunden die Kiron University gegründet. An dieser englischsprachigen Online-Uni ist zur Einschreibung nicht mal ein Ausweis notwendig. Die Studierenden haben zwei Jahre Zeit, ihre Unterlagen einzureichen. Ob die ersten 1.000 Flüchtlinge schon wie geplant dort studieren, stand zum Redaktionsschluss noch nicht fest.

Der Plan zu dem Zeitpunkt: Sie starten online mit einem Studium Generale, belegen danach eine von fünf Fachrichtungen (Computer-, Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften, sowie Architektur oder Intercultural Studies) an einer Partner-Hochschule. Zusagen gab es schon von der Uni Heilbronn, der Macromedia Hochschule Berlin und der University of Westafrica.

Chance für den Arbeitsmarkt

Alles richtige und wichtige Maßnahmen, denn wie Zukunftsforscher Sven Gàbor Jànszky sagt, ist der Flüchtlingsstrom ein "unerwartetes Geschenk", das Chancen für den Arbeitsmarkt bietet. Doch um etwas gegen den Fachkräfte-Mangel in verschiedenen Bereichen zu tun, muss auch die Möglichkeit her, in Deutschland zu studieren.


Ein Kommentar zur aktuellen Lage von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka

Johanna Wanka Flüchtlinge"Die Wissenschaft in Deutschland war noch nie so international wie heute. Mehr als 300.000 ausländische Studierende derzeit sind Rekord. Ebenso lebendig ist der internationale Austausch unter Wissenschaftlern. Die Hochschulen haben viel getan, um eine echte Willkommenskultur zu schaffen. Das merkt man auch jetzt: Viele Hochschulen reagieren auf die Flüchtlinge und helfen mit konkreten Angeboten.

Wir als Bundesregierung unterstützen ebenfalls und erleichtern den Zugang für Flüchtlinge zum BAföG: Ab 01.01.2016 können Flüchtlinge bereits nach 15 Monaten statt bisher vier Jahren Aufenthalt in Deutschland BAföG erhalten. Und wir werden für anerkannte Flüchtlinge die Beratungsgebühren bei Uni-Assist übernehmen.

Die Internationalität unserer Hochschulen ist gelebte Praxis, die uns große Vorteile bringt. Umso mehr müssen wir aufpassen, dass Deutschland attraktiv für Studierende und Wissenschaftler aus aller Welt bleibt. Auf ausländerfeindliche Umtriebe müssen wir entschlossen reagieren. Unsere Weltoffenheit ist unsere Stärke!"

Artikel-Bewertung:

3.41 von 5 Sternen bei 129 Bewertungen.

Deine Meinung: