Professorinnenprogramm
22,7 Prozent beträgt der Frauenanteil bei Professuren momentan | Foto: Thinkstock/ajr_images

Du & deine Profs

07.12.2015

Betreuungsverhältnis Universität

Unterbesetzt: Profs sind Mangelware

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28. Mär 2017

Janna Degener-Storr

News

Mehr Professorinnen braucht das Land

Wird das Förderprogramm für weibliche Professuren 2017 fortgesetzt?

Nur jede sechste Professur von einer Frau besetzt

Wie in der Wirtschaft haben Frauen auch in Bildung und Forschung deutlich aufgeholt: Unter den Abiturientinnen sind heute mehr Mädchen als Jungen – und die Mädels haben die besseren Noten. Junge Frauen studieren schneller und machen häufiger einen Abschluss als ihre männlichen Kommilitonen. Und fast die Hälfte der Doktorarbeiten werden von Frauen geschrieben. So weit, so gut.

Doch dann scheinen die Frauen auch in der Wissenschaft an die so genannte gläserne Decke zu stoßen: Nur jede sechste Professur war 2008 von einer Frau besetzt, im Jahr 2000 war es sogar nur jede zehnte.

Die Gründe dafür, dass Frauen in den Spitzenpositionen der Wissenschaft vor neun Jahren noch so stark unterrepräsentiert waren, liegen auf der Hand: Die Frauen sind offenbar nach wie vor diejenigen, die sich um die Kinder kümmern. Und trotz der Rufe und Mühen um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt die Karriere dabei wohl meist auf der Strecke. 

Ressourcen nutzen und Vorbilder stärken

Für Wirtschaft und Wissenschaft ist es eine Katastrophe, wenn qualifizierte Frauen sich gegen die Karriere entscheiden. Und wenn Frauen schlechtere Chancen auf Aufstieg haben, ist das natürlich auch unfair. Dazu kommt, dass jede Frau an der Spitze eine Vorbildfunktion hat – für Professorinnen, die in der Lehre tagtäglich mit jungen Frauen und Männern im Kontakt sind, gilt das sicher in besonderem Maße. Dass der niedrige Frauenanteil in Führungspositionen keineswegs "naturgegeben", zeigt der Blick ins Ausland: Laut der Ministerin für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Birgitta Wolff, beträgt der Frauenanteil in Finnland 53 Prozent, in Schweden 44 und in Litauen 49 Prozent.

Kein Wunder also, dass Bund und Länder versuchen, strukturelle und mentale Barrieren abzubauen, um die besten Forscherinnen an den Hochschulen zu halten und noch mehr junge Frauen zu einer wissenschaftlichen Karriere zu motivieren.

300 Millionen Euro für Professorinnen

300 Millionen Euro haben Bund und Länder seit 2008 allein in das Professorinnenprogramm gesteckt, das die Zahl der Professorinnen erhöhen und Gleichstellungsmaßnahmen an Hochschulen stärken soll. Hochschulen, die ein überzeugendes Gleichstellungskonzept vorlegen konnten, bekamen bis zu drei Stellen für weiblich besetzte Professuren als Anschubfinanzierung für fünf Jahre gefördert. "Frauen, die schlechtere Leistungen bringen, werden den besseren Männern vorgezogen", mag da der eine oder andere einwenden. Doch in die Berufungsverfahren greift das Programm nicht ein: Die neuen Professorinnen müssen sich also wie alle Anderen gegen die Konkurrenz durchsetzen.

Weil das Professorinnen-Programm sehr erfolgreich war, wurde es 2012 nach einer Evaluation verlängert. Die Hochschulen, die sich bereits in der ersten Runde beteiligt hatten, konnten sich mit der Umsetzung ihrer Gleichstellungskonzepte erneut qualifizieren. Und es kamen auch neue Hochschulen dazu. 2017 geht auch diese zweite Runde des Professorinnen-Programms zu Ende.

Mehr Professuren und andere Erfolge

198 Hochschulen beteiligten sich insgesamt am Professorinnenprogramm, 169 Hochschulen konnten erfolgreich daran teilnehmen. 524 Professuren wurden bisher im Rahmen des Programms von Frauen besetzt. Während der Laufzeit des Professorinnenprogramms stieg der Frauenanteil an den Professuren damit um 2,2 Prozentpunkte mehr, als nach dem Trend der Vorjahre zu erwarten gewesen wäre.

Weil die Hochschule freiwerdende Mittel für gleichstellungsfördernde Maßnahmen nutzen mussten, floss auch viel Geld in Maßnahmen wie Beratungen, Mentoring-Programme, Fortbildungen oder Förderprogramme. Außerdem löste das Programm an vielen Hochschulen eine Diskussion über die Gleichstellung von Frauen aus.

Der Professorinnen-Anteil an deutschen Hochschulen liegt jetzt, kurz vor dem Ende der zweiten Projektrunde, bei 22,7 Prozent. Lächerlich, wenn man eine echte Gleichberechtigung vor Augen hat? Oder ein ausreichendes Ergebnis, wenn man an die Ausgangszahlen denkt und darauf setzt, dass weitere Maßnahmen und Diskussionen in Gang gesetzt wurden? Sollte das Professorinnen-Programm in eine dritte Runde gehen? Das wird die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern noch in diesem Frühjahr beraten.  

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Deine Meinung:

Veröffentlicht am 29. Mär 2017 um 10:20 Uhr von Jakob Krause
Wäre die interessantere Statistik nicht die Verteilung der Geschlechter zwischen den in den letzten 5 Jahren berufenen Professoren?
Veröffentlicht am 29. Mär 2017 um 19:04 Uhr von Johann Rebl
Wurde bei der Studie auch untersucht, ob eventuell die Reputation einer Tätigkeit in der Wissenschaft zwischen Deutschland und den nordischen Regionen unterschiedlich ist und somit einen Einfluss auf den Frauenanteil bzw. auf das generelle Interesse an einer Professur hat?
Veröffentlicht am 08. Apr 2017 um 01:05 Uhr von Arno2
Grundgesetzfeindlich. Menschenrechtsfeindlich. Männerfeindlich. Das Parasitorinnenprogramm.
Veröffentlicht am 24. Apr 2017 um 20:42 Uhr von Peter Trier
Wie naiv ist es denn zu glauben, das Programm greife nicht in die Berufungsverfahren ein? Wenn es das nicht täte, würde es seinen Zweck, den Frauenanteil unter den Professoren zu erhöhen, gar nicht erfüllen. Es geht natürlich darum, das Verfahren zu beeinflussen, indem den Hochschulen für den Fall, dass sie eine Frau berufen, Geld in Aussicht gestellt wird, ob das Korruption ist, ist wohl Ansichtssache. Zudem gibt es immer wieder Ausschreibungen unter dem Vorbehalt einer Finanzierung durch das Professorinnenprogramm, d. h. es wird entweder eine Frau berufen oder die Ausschreibung wird wegen fehlender Mittel annuliert. Auf diese Weise werden Stellen faktisch für Frauen reserviert. Wer wissen will, wie das läuft, google den Namen Matthias Aschenbrenner.