Zeitarbeit nach Studium
Leiharbeit: Und schon steht der nächste Jobwechsel an ... | Foto: Thinkstock/Katie_Martynova

Berufseinstieg

09.07.2014

Arbeitslos nach Studium

Arbeitslos nach dem Studium

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02. Dez 2016

André Gärisch

Berufseinstieg

Nach dem Studium in die Zeitarbeit: Eine gute Idee?

Was ist Zeitarbeit?

Das Prinzip ist schnell erklärt: Der Absolvent erhält bei der Leiharbeitsfirma – bekannte Vertreter sind etwa Adecco, Randstad, Experis oder Bankpower – einen unbefristeten Vertrag und wird gegen eine bestimmte Geldsumme an Firmen mit Personalbedarf ausgeliehen. Das Unternehmen erhält somit die Möglichkeit, auf konjunkturbedingte Schwankungen, etwa Auftragsspitzen, schnell zu reagieren.

In welchen Branchen ist sie besonders üblich?

Als die Leiharbeit in den 1960er-Jahren legalisiert wurde, war vor allem das Bau- und Metallgewerbe durch sie geprägt. Heutzutage ist neben dem Produktions- auch der Dienstleistungssektor zunehmend interessiert. Der durchschnittliche Qualifikationsgrad der Leiharbeiter ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen.

Wie viele Akademiker befinden sich unter den Zeitarbeitern?

Statistiken zeigen kein klares Bild, jedoch wird die Anzahl der Uni- und Fachhochschulabsolventen unter Zeitarbeitern auf unter zehn Prozent geschätzt. Es gibt Zeitarbeitsfirmen, die sich auf hochqualifiziertes Personal spezialisiert haben, etwa Gulp. Außerdem könnte der Bedarf an Akademikern aufgrund des Trends zu projektbezogener Arbeit und der Flexibilisierung des Arbeitsmarktes ansteigen. Am häufigsten werden Wiwis, Ingenieure und Informatiker gesucht.

Bietet sich das Konzept nach dem Studium an?

Der Einstieg bei einem Zeitarbeitsunternehmen ist einfacher als bei einem Konzern. Zudem sind die Verträge meist sogar unbefristet. Vorteil der Zeitarbeit ist, dass in kurzer Zeit verschiedene Unternehmen kennengelernt werden können, das Netzwerk wächst. Allerdings sollten Akademiker nicht jeden Vorschlag annehmen, der ihnen unterbreitet wird, sondern bewusst entscheiden, ob der Job das eigene Profil schärft. Auch das Renommee der Zeitarbeitsfirmen ist entscheidend, denn es gibt unter ihnen auch einige schwarze Schafe.

Im Übrigen sind Zeitarbeitsfirmen durchaus interessiert, jungen Menschen einen festen Vertrag zu verschaffen, wie Alexander Fuchs, Leiter einer Aschaffenburger Zeitarbeitsfirma, bestätigt: "Nach einer gewissen Zeit der Überlassung kann man es schaffen, in eine Festanstellung zu kommen. Wir verlieren dann zwar einen guten Mitarbeiter, aber der Werbeeffekt ist immens. Das bedeutet nämlich, dass wir gute Arbeit gemacht haben."

Was ist weniger toll?

Ein großer Nachteil sind die dünn gesäten Aufstiegsmöglichkeiten. Hinzu kommt, dass man zwar oft das gleiche Gehalt wie Kollegen bekommt ("Equal-Pay-Prinzip"), jedoch beim Dienstwagen oder der Altersversorgung schlechtergestellt ist.

Für Menschen, die Beständigkeit suchen, eignet sich das Konzept nicht. So dauern manche Einsätze gerade mal wenige Wochen. Und die Kündigungsfristen fallen oft recht kurz aus. Außerdem ist zu erkennen, dass sich Zeitarbeitsfirmen bei Konflikten eher auf die Seite der Unternehmen schlagen, da diese sie bezahlen.

Wer wählt die Bewerber aus?

Da gibt es laut Alexander Fuchs zwei Möglichkeiten: "Mit manchen Kunden arbeiten wir schon so lange zusammen, dass wir deren Rahmenbedingungen sehr gut kennen. Die sagen dann: 'Wir vertrauen euch – ihr wählt aus und überlasst uns den Bewerber.' In vielen Fällen ist es aber so, dass Kunden vorher Bewerberprofile sehen wollen. Wir erstellen diese dann anonymisiert und lassen sie von der entsprechenden Firma checken. Vor Ort werden dann Bewerbungsgespräche geführt."

Wird Zeitarbeit bei der späteren Arbeitssuche negativ bewertet?

Viele Personaler reagieren allergisch auf ehemalige Leiharbeiter, selbst wenn sie gut qualifiziert sind. Was der Arbeitssuchende als Beweis für seine Flexibilität anführt, wird unter Umständen in der HR-Abteilung als Job-Hopping bewertet. Es kommt aber immer auf den einzelnen Entscheider an, wie eine Vergangenheit als Zeitarbeitskraft gesehen wird.

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