Food Saving
Nur nicht den Überblick verlieren: Rette deine Reste! | Foto: Nicolas Barbier Garreau/Unsplash
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24. Nov 2017

Sandra Ruppel

Zündstoff

Verwerten statt wegschmeißen: Diese Apps helfen dir beim Food-Saving

Lebensmittelverschwendung: Was ist nur mit uns?

Was siehst du, wenn du deinen Kühlschrank aufmachst? Einen Joghurt, der seit zwei Monaten abgelaufen ist? Marmelade mit samtig weißem Flaum? Die Tupperdose mit Resten, die du dich schon gar nicht mehr zu öffnen traust? Dann geht es dir wie den etwa 92 Prozent der 18 bis 34-Jährigen, die mindestens einmal in der Woche Essen wegwerfen.

Dass vor allem jüngere Leute schnell mal Lebensmittel entsorgen, deutet eine aktuelle Umfrage der Marktforschungsplattform Appinio an: Je jünger die Befragten waren, desto mehr Essen haben sie weggeschmissen. Etwa, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten war.

So haben etwa 32 Prozent der 25 bis 34-Jährigen angegeben, dass sie sogar nicht nur einmal, sondern drei, vier, oder fünf Mal in der Woche Essen wegschmeißen. Bei den 18 bis 25-Jährigen waren es 35 Prozent. Am häufigsten schmeißen die 14 bis 17-Jährigen Lebensmittel weg: 45 Prozent.

Nachhaltig leben: Zumindest der Wille ist da!

Die gute Nachricht: Die Studie zeigt auch, dass zumindest der Wille zum Lebensmittelretten bei fast allen vorhanden ist. 93 Prozent haben sich dafür ausgesprochen, etwas gegen die Verschwendung von Nahrung zu tun. Und immerhin ein Drittel aller Teilnehmer hat angegeben, dass sie sich vorstellen können, selbst aktiv einen Beitrag zu leisten, damit Lebensmittel gerettet werden.

Hier siehst du im Überblick, wer wie oft pro Woche etwas wegwirft:

Grafik Food Waste Appinio

5 Möglichkeiten, Lebensmittel zu retten!

Dass es dringend nötig ist, verantwortungsvoller mit Lebensmitteln umzugehen, zeigen nicht nur die Ergebnisse der Umfrage, sondern auch die Zahlen des WWF: Jährlich werden in Deutschland etwa 18.000 Tonnen an Nahrungsmitteln einfach in die Tonne gehauen. Dabei gibt es ziemlich viele Möglichkeiten, wie man leicht und effektiv etwas gegen die Verschwendung von Lebensmitteln tun kann. Einige davon haben wir hier für dich zusammengestellt.


Zu gut für die Tonne!

Zu gut für die Tonne AppZuallererst ist es natürlich essentiell, beim eigenen Kühlschrank anzufangen und möglichst im Blick zu behalten, wann du welches Päckchen geöffnet hast – und das Produkt dann je nach Haltbarkeitsdatum zügig aufzubrauchen. Falls du dann noch Inspiration zum Reste-Verwerten brauchst, kann dir beispielsweise "Zu gut für die Tonne!" weiterhelfen.

Die kostenlose App ist im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) entstanden. Du bekommst nicht nur generell Ideen für leckere Gerichte geliefert, sondern die App soll dir auch kreative Rezepte bieten, mit denen du deine vorhandenen Reste verwerten kannst. Input für die Rezepte kommt von Kochexperten wie Sarah Wiener, Tim Mälzer oder auch Daniel Brühl.

Das Ziel: Auch mit wenigen, bunt durchgewürfelten Zutaten noch ein cooles Gericht oder eine leckere Beilage zaubern und so der Lebensmittelverschwendung entgegenwirken.

Ein Einkaufsplaner hilft dir außerdem, Zutaten und Mengen im Blick zu behalten - besonders praktisch, wenn du ein Gericht immer wieder mal kochen möchtest.


Too Good To Go

Too God To Go AppDie App ist kostenlos und vernetzt dich als User mit Restaurants, Cafés, Bäckereien, Hotels oder Supermärkten in deiner Nähe. Du kannst hier die Essensportionen und Lebensmittel abholen, dir in eine Restebox packen lassen und mit nach Hause nehmen, die übrig sind und am Ende des Tages völlig sinnlos entsorgt werden würden.

Auf diese Weise kommst du nicht nur zu leckerem Restaurant-Essen, sondern lernst vielleicht sogar Läden in deiner Umgebung kennen, die du bisher vielleicht noch gar nicht kanntest. Durchschnittlich liegen die Kosten pro Portion bei 3 Euro.

Aktuell kannst du die App nicht nur in Deutschland nutzen, sondern auch Läden in Dänemark, Frankreich, Norwegen, Großbritannien und der Schweiz machen mit. Laut Angaben des Startups, das seinen Sitz in Düsseldorf hat, wurden mit der App bisher schon 1,5 Millionen Mahlzeiten gerettet und 2.500 Tonnen CO2 eingespart.


ResQ Club

ResQ AppResQ kommt eigentlich aus Finnland, ist im Mai 2017 mit der App MealSaver zusammengelegt worden und funktioniert ganz ähnlich wie "Too Good To Go". Auch diese App kannst du dir kostenlos herunterladen und auch hier kannst du Restaurants in deiner Nähe finden, die ihr Essen günstig an dich abgeben.

So kannst du nicht nur helfen, Lebensmittelverschwendung einzudämmen, sondern du unterstützt auch kleine lokale Unternehmen.

Auch mit dieser App findest du nicht nur Lokale, die in Deutschland teilnehmen. Sondern auch wenn du in Finnland, Schweden, den Niederlanden oder Estland unterwegs bist, findest du Unternehmen, die mitmachen und ihr Essen über die App günstiger anbieten, statt Übriggebliebenes wegzuwerfen. Übrigens, wenn du lieber von deinem Desktop aus nach leckerem Essen in deiner Nähe suchen möchtest, kannst du auch bei ResQ auch online bestellen.


SirPlus

Lebensmittel retten SirPlus SirPlus funktioniert aktuell nicht über eine App, ist aber trotzdem ein spannendes Projekt, um Essen zu retten. Der erste Outlet-Store für krumme Lebensmittel befindet sich in Berlin, hier wird das angeboten, was normal aussortiert würde, weil es zu klein, zu krumm, einfach ein bisschen anders ist oder kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums steht.

Es gibt aber nicht nur schiefe Bananen, krumme Gurken oder knubbelige Äpfel, sondern auch verpackte Trockenware wie Nudeln. Außerdem bekommst du hier Backwaren und Getränke.

Bald soll es sogar einen Lieferservice geben, der dir die geretteten Lebensmittel von SirPlus auch zugänglich macht, wenn du nicht in Berlin wohnst. Du kannst dann Retterboxen bestellen, die wahlweise vegan oder vegetarisch sortiert sind. Mehr Infos gibt es unter: sirplus.de


etepetete

etepetete gemüse kisteAuch ohne App,aber mit einem ganz ähnlichen Konzept wie "SirPlus" hilft etepetete Lebensmittel zu retten. In Zusammenarbeit mit Bio-Bauern wird auch hier krummes Obst und Gemüse vor der Tonne bewahrt: Was nicht in die Läden kommen würde, weil es den optischen Standards nicht entspricht, aber ansonsten genauso gut schmeckt, kannst du dir Retterboxen bis an die Haustür liefern lassen. So unterstützt du außerdem auch noch die Bauern, die ökologische Landwirtschaft betreiben.

Laut eigener Aussage arbeitet das Team von etepetete ständig daran, ihr Netzwerk auszubauen und so die Lieferwege möglichst kurz zu halten. Insgesamt konnten so bisher – laut Angabe des Unternehmens – 700.595 kg Obst und Gemüse vor dem Müll gerettet werden.

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