Ehe für alle
Endlich: Auch homosexuelle Paare dürfen jetzt vor den Altar treten | Foto: Thinkstock/sixteenth
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30. Jun 2017

Nina Weidlich

News

Love wins: Endlich kommt die Ehe für alle!

Die Mehrheit ist für die Ehe für alle

Am 30. Juni 2017 hat der Bundestag die Ehe für alle beschlossen: 393 waren dafür, 226 dagegen – auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte "Nein" zur gleichgeschlechtlichen Ehe. Ihr Votum begründet die Kanzlerin nach der Abstimmung mit dem Artikel sechs des Grundgesetzes. Darin heißt es: "Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung." Explizit wird darin zwar nicht gesagt, dass die Ehe nur zwischen nicht gleichgeschlechtlichen Paaren geschlossen werden darf.  Das Bundesverfassungsgesetz hat den Artikel aber bisher als Partnerschaft zwischen Mann und Frau ausgelegt. Für das Adoptionsrecht von homosexuellen Paaren sprach Merkel sich in ihrer Rede trotzdem aus.

In der vorangegangenen Debatte ist unsere Bundeskanzlerin scharf angegangen worden. Johannes Kahrs, Beauftragter für die Belange von Lesben und Schwulen, nannte ihr Verhalten "erbärmlich und peinlich". Obwohl die Ehe für alle nun beschlossen ist und Merkel – aus welcher Intention heraus auch immer – den entscheidenden Stein ins Rollen gebracht hat, verabschiedete er sich von der Kanzlerin mit einem wütenden "Danke für nichts!" Aber auch, wenn erschreckend viele Abgeordnete sich gegen die Gesetzesänderung entschieden haben: Am Ende zählt erst einmal das Ergebnis. 

#ehefueralle: Das passiert im Netz

Auch das Netz hat natürlich prompt auf das neue Gesetz reagiert. Viele User twittern, wie glücklich die Entscheidung sie macht und dass ihnen vor Freude die Tränen gekommen seien.
 

 

Eine ist über das Ergebnis der Abstimmung nicht so glücklich: Die AFD – allen voran die stellvertretende Bundesvorsitzende der Partei Beatrix Storch. Ein Twitter-User hat ihr trauriges Gesicht im Bundestag festgehalten und kommentiert:
 

 

Grünen-Politiker Volker Beck ist schon seit Jahrzehnten Verfechter der gleichgeschlechtlichen Ehe. Deshalb hat er die historische Abstimmung auch standesgemäß mit einer Konfetti-Kanone gefeiert. Getreu dem Motto: Mehr Glitzer, mehr Farbe, mehr Ehe für alle!
 

Mehr Farbe? Das dachte sich auch Karl-Heinz Brunner von der SPD. Zu seiner Rede im Bundestag erschien er in Regenbogenkrawatte – und die Twitter-Gemeinde feiert ihn zurecht dafür.


Und jetzt? Das bringt das neue Gesetz

Sieben zusätzliche Wörtchen werden es sein, die das Leben von vielen Lesben und Schwulen grundlegend verändern sollen: "Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen" soll es künftig im Bürgerlichen Gesetzbuch heißen. Bisher stand dort schlicht: "Die Ehe wird auf Lebenszeit geschlossen."

Schwule und Lesben können jetzt also vor den Traualtar treten. Zwar gibt es für homosexuelle Paare bereits seit 2001 die Möglichkeit, eine Lebenspartnerschaft einzugehen, die der Ehe weitestgehend gleichgestellt ist. Die Adoption von Kindern war dort bisher aber nicht vorgesehen und deshalb unnötig kompliziert. Die größte Veränderung für die Paare ist deshalb, dass sie ab sofort auch Kinder adoptieren dürfen.

Für alle Paare, die bereits eine Lebenspartnerschaft eingegangen sind, ändert sich erst einmal nichts. Wollen sie heiraten, müssen sie erneut zum Standesamt und dort die gleichgeschlechtliche Ehe eingehen. Darauf müssen sie jetzt aber erst einmal drei Monate warten – erst dann tritt das neue Gesetz in Kraft.

Fraglich ist jetzt noch, ob das Grundgesetz nach der Abstimmung geändert werden muss. Kritiker sagen, die Ehe sei dort als Partnerschaft zwischen Mann und Frau festgelegt. Andere Stimmen meinen, dass der Ehebegriff ohne Probleme erweitert werden könne und eine Änderung des Gesetzes im BGB ausreichend sei. 

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