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21. Jun 2016

Christina Scholten

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Ist es okay, wenn ... ? – Die wichtigsten Fragen rund um das Studentenleben

UNICUM klärt häufig gestellte Gewissensfragen mit Experten und Studenten

Geht das klar?!

"Ich stelle mir täglich knapp 254 Fragen. An den Wochenenden sind es meiner Zählung nach meistens weniger, das hat aber etwas mit der Abendgestaltung zu tun. Die meisten dieser Fragen sind recht schnell beantwortet. Soll ich den Wecker zum zehnten Mal ausmachen und liegen bleiben? Klares Ja. Ist es vielleicht doch noch möglich, eine Karriere als erfolgreiches Model zu starten und mein Leben den Drogen und Rockstars zu widmen? Klares Nein. Das sind die Fragen für Amateure, schon nach dem ersten Kaffee abgehakt. Aber dann gibt es eben dieses nächste Level. Diese Sachen, deren Beantwortung irgendwo in der Grauzone des Lebens liegen, auch Gewissen genannt. Themen, bei denen man nie weiß, ob das jetzt gerade richtig ist oder falsch. Oder ob man gegen irgendwelche ungeschriebenen Regeln der Gesellschaft verstößt, die man nicht kennt, weil sie ja niemand aufgeschrieben hat. Das sind die Fragen für Profis, kniffelig, aber nicht unlösbar. Ich erkenne diese Sorte von Fragen recht schnell, wenn sie sich in den Tiefen meines ratlosen Gehirns auftun. Denn immer dann will ich zum Telefonhörer greifen und meine Eltern anrufen. Aber es gibt auch Fragen, auf die noch nicht einmal Mama die Antwort kennt. Damit ist die dritte und letzte Stufe der Fragekategorien eröffnet, Fragen für Fortgeschrittene."

– UNICUM Volontärin Christina Scholten

Von den Fragen für Fortgeschrittene haben wir euch ein paar ausgesucht. Antworten inklusive – allerdings nicht nur von Experten, auch eure Meinung war uns wichtig. Ist es okay, ...

… jemanden ohne Ankündigung in der WG übernachten zu lassen?

"Da gibt es für mich zwei Möglichkeiten. Erstere wäre, der Besuch übernachtet in meinem Zimmer, dann ist es vollkommen in Ordnung, die Mitbewohners nicht darüber zu informieren. Natürlich sagt man es im Vorhinein, wenn man es schafft. Falls es aber total spontan passiert und man bietet die Übernachtung an, braucht man auch keine Rund-SMS schreiben. Zweite Möglichkeit ist, dass der Besuch im eigenen Bett schläft und man selbst beim Mitbewohner im Zimmer, dann ist die Frage nach der Erlaubnis dafür unumgänglich!"

– Maximilian, 27, Sportmanagement, Uni Tübingen

"Klar! In solchen Dingen haben meine Mitbewohnerin und ich einander immer vertraut. Das Zimmer des anderen ist jedoch ohne Zustimmung tabu, ein bisschen Privatsphäre ist dann doch wichtig."

–Sophie, 27, Uni Englisch und Philosophie, Uni Hamburg

… kein Trinkgeld zu geben?

"Wer 10 Euro hat, hat auch 11 – auch Studenten geben Trinkgeld. Servicekräfte in der Gastronomie verdienen zunächst einmal auf Hartz4-Niveau. Wäre da nicht das Trinkgeld. Das weiß der Wirt ganz genau, deswegen zahlt er nur einen Hungerlohn. Trinkgeld ist also fester Bestandteil der Existenzsicherung  einer Kellnerin. Da wäre es fies, es ihr vorzuenthalten. Besonders, wenn sie nett und hilfsbereit war. Wer ganz ehrlich ist: 10 Prozent Trinkgeld hat man auch noch übrig, wenn man sich schon einen Restaurantbesuch leisten kann."

Dr. Hans-Michael Klein, Knigge-Akademie

… zu flirten, obwohl man in einer Beziehung ist?

"Zu flirten: Ja. Aber nicht mehr. Das läuft immer nach dem Grundsatz: Das was ich meinem Partner bedenkenlos erzählen kann, ist in Ordnung."

– Anneke, 26, Wirtschaftspsychologie an der Uni Osnabrück

"Ich verstehe nicht, warum Menschen flirten. Mir macht es kaum Spaß, denn das oberflächliche Erschaffen von Gedanken und Gefühlen geht mir auf den Sack. Dafür braucht es mehr Tiefe. Wenn sie es tun, wenn sie in einer Beziehung sind, ist es für mich kein Problem, solange die Regeln und Grenzen für beide klar sind."

– Christian, 23, Germanistik, Ruhr-Universität Bochum

… die Miete mal nicht pünktlich zu überweisen?

"Die Miete muss pünktlich - so, wie im Mietvertrag vereinbart - gezahlt werden. Zwar mag die Welt nicht untergehen, der Vermieter wird nicht zahlungsunfähig werden, wenn die Miete einige Tage später überwiesen wird. Aber: Rein juristisch ist es so, dass der Vermieter Anspruch auf die pünktliche Mietzahlung hat. Zahlt der Mieter unpünktlich, kann der Vermieter ihn abmahnen und ggf., wenn weiter unpünktlich gezahlt wird, fristlos kündigen."

– Ulrich Ropertz, Geschäftsführer Deutscher Mieterbund e.V.

… sich die Sachen der Mitbewohner zu nehmen, wenn man keine Kohle mehr hat?

"Fragen ist auf jeden Fall besser, auf Dauer wird aber auch das nervig. Und wer es heimlich macht, sollte sich definitiv nicht erwischen lassen."

– Mathies, 23, Energie & Wassermanagement, Hochschule Ruhr West

"Grundsätzlich finde ich es absolut in Ordnung, Zeug von meinen Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern zu benutzen, gerade auch, weil wir befreundet sind und ich es immer befremdlich finde, wenn Leute in freundschaftlichen Verhältnissen so auf Eigentums- und Besitzrechte bestehen. Ich habe schon gerne das Gefühl, dass dieses Geben-und-Nehmen in meiner WG auf Gegenseitigkeit beruht. Das ist einfach die Art von Solidarität, die zu einer Freundschaft oder auch zu Settings, die über eine bloße Zweck-WG hinausgehen, gehören sollte."

– Robert, 25, Lehramt Sonderpädagogik, Uni Köln

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