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14. Mär 2012

Heike Kruse

Archiv

Kenntnisse, Fertigkeiten, Kompetenzen: Jahrmarkt der Qualifikationen

-ARCHIV-

Europäischer Qualifikationsrahmen (EQR) ordnet Bildungsabschlüsse ein

Der Stellenmarkt ist ein bunter Jahrmarkt der Qualifikationen. Denn bisher war es nahezu unmöglich, die enorme Vielfalt an Qualifikation europaweit zu überblicken. Ist ein englisches College-Diplom als Tischler mit dem deutschen Abschluss vergleichbar? Besitze ich mit einem deutschen Abitur die gleiche Qualifikation wie mit dem spanischen Bachillerato? Aufgrund solcher und ähnlicher Fragen haben die Bildungsminister der EU und das Europäische Parlament den EQR geschaffen, der für einen leichteren Vergleich von Qualifikationen in Europa sorgt. Diese Empfehlung beinhaltet eine systematische Darstellung von Qualifikationen in acht Niveaus mit den erworbenen Kenntnissen, Fertigkeiten und Kompetenzen. Je höher das Niveau, desto komplexer die Qualifikation.

Auf nationaler Ebene

Anhand dieser Vorgabe erarbeitet jedes Land seinen eigenen Rahmen, in dem die nationalen Abschlüsse eingestuft werden. Folglich entwickeln Bund und Länder den Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR). Darin werden alle formal anerkannten Qualifikationen hierarchisch geordnet sowie hinsichtlich ihrer Komplexität und vermittelten Inhalte beschrieben. Im Vordergrund stehen die tatsächlich erworbenen Kompetenzen, sodass auch non-formal und informell erworbene Qualifikationen berücksichtigt werden können.

Ende Januar 2012 haben sich Spitzenvertreter in einem Kompromiss darauf geeignet, dass allgemeinbildende Schulabschlüsse vorerst nicht eingeordnet werden. Zudem wurde beschlossen, dass berufliche Erstausbildungen auf den Niveaus 3 und 4 zu verorten sind, je nach Länge der Ausbildung. Drei- und dreieinhalbjährige Ausbildung werden dem Niveau 4 und zweijährige dem Niveau 3 zugeordnet. Die Abschlüsse Bachelor, Meister, Fachwirt und Abschlüsse der Fachschule wurden zusammen auf dem Niveau 6 eingestuft. Den Niveaus 6 bis 8 können neben den Hochschulabschlüssen auch hoch spezialisierte berufliche Qualifikationen zugeordnet werden.

Die Niveaus im Überblick

Hier kannst du dir die Matrix zum Deutschen Qualifikationsrahmen als PDF-Dokument herunterladen

DQR-Matrix

Wissenswertes rund um den DQR

  • Gleichartigkeit: Die gleiche Einstufung von Fachwirt, Meister, Techniker und Bachelor ist nicht gleichbedeutend mit einer Abwertung der universitären Ausbildung. Die Einordung drückt lediglich eine Gleichwertigkeit, keine Gleichartigkeit von Qualifikationen aus. Mit jedem dieser Abschlüsse wird zum Beispiel die Kompetenz erworben, die Verantwortung für die berufliche Entwicklung von Einzelpersonen und Gruppen zu übernehmen.
  • Zugangsberechtigung: Auf nationaler Ebene hat die Einstufung deiner Lernergebnisse keine Gesetzeskraft. Die acht Niveaus des DQR haben keinen Einfluss auf deine Zugangsberechtigung für bestimmte Bildungsgänge, die dir Qualifikationen für ein höheres Niveau vermitteln. Du kannst also weiterhin mit einem Meistertitel kein Master-Studium beginnen, jedoch wie bisher ein Bachelor-Studium. Dies gilt aber nicht in bestimmten Ausnahmefällen wie zum Beispiel bei weiterbildenden Masterstudiengängen.
  • Individueller Lernweg: Wenn du die Ausbildung zum Beispiel aufgrund deiner Vorqualifikation verkürzen kannst, musst du keine schlechtere Einstufung deines Abschlusses befürchten. In welcher Zeit du die Ausbildung absolvierst, hat keinen Einfluss auf deine Einstufung. Die Einordnung bezieht sich nicht auf individuelle Verläufe, sondern auf den generellen Qualifikationstyp. Auch als Bankkauffrau mit einer verkürzten Ausbildung wirst du aufgrund der vorgesehenen dreijährigen Ausbildung dem Niveau 4 zugeordnet.
  • Ziele: Durch die Einführung eines Qualifikationsrahmens soll die Mobilität von Lernenden und Beschäftigten zwischen Deutschland und anderen Ländern in Europa erhöht werden. Ebenfalls soll das deutsche Qualifikationssystem transparent gestaltet, verlässlich gemacht und qualitativ ausgebaut werden.
  • Wirksamkeit: Die Zuordnung ist bisher noch nicht wirksam. Erst müssen die Beratungen abgeschlossen werden und sich alle Beteiligten einig seien, damit die Beschlüsse umgesetzt werden können. Es ist allerdings nicht geplant, eine Einordnung rückwirkend vorzunehmen. Wenn du also bereits deinen Abschluss hast, erhältst du keinen nachträglichen Hinweis auf deinem Zertifikat.

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