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24. Okt 2014

Roman Milenski

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Wie wird man eigentlich... Schriftsteller?

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Autor und Poetry Slammer Patrick Salmen im Interview

"Ich bin kein extrovertierter Typ"

Patrick, sicherlich träumen tausende, junge Germanistik-Studenten von der Karriere als Literat. Die wenigsten werden es. Wie hast du es geschafft mit dem Schreiben deinen Lebensunterhalt zu bestreiten?

Vor ein paar Jahren war ich zum ersten mal bei einem Poetry Slam, eigentlich nur als Zuschauer. Allerdings hatten die da am Ende noch eine offene Bühne und ich zufällig einige Texte von mir dabei. Meine Kollegen haben mich dazu animiert auf die Bühne zu gehen, und da ich schon ein paar Bierchen getrunken hatte, fiel mir die Entscheidung nicht schwer (lacht). Mein Auftritt kam dann auch gut an, ich habe nette Leute kennengelernt und sofort gemerkt, dass ich mich in der Szene sehr wohl fühle. Der Durchbruch kam mit dem Sieg bei der deutschsprachigen Meisterschaft 2010. Irgendwann stand ich an dem Punkt, wo ich allein vom Auftreten und Schreiben leben konnte, auch wenn mir dabei etwas mulmig zumute war. 

Immerhin hast du dafür eine sichere Karriere als Lehrer aufgegeben. 

Genau. Ich hatte gerade mein Germanistik- und Geschichtsstudium in Wuppertal erfolgreich beendet und wollte mein Referendariat beginnen. Doch dann habe ich mir gedacht, als Lehrer könnte ich ja später immer noch arbeiten, falls es mit der Literatur nicht mehr läuft.

Neben den Slams bist du als Schriftsteller noch in anderen Disziplinen aktiv. Es wurden bereits Kurzgeschichtenbände von dir veröffentlicht, ein Roman folgt, du trittst mit deinem Lese-Kabarett auf und bist ständig mit Lesungen auf Tour. Ziemlich viel auf einmal. Wofür bringst du die meiste Motivation auf?

Schwer zu sagen. Eigentlich macht genau diese Mischung den Reiz aus. Aber prinzipiell macht mir das Schreiben an sich am meisten Spaß. Wobei ich nicht wüsste, ob es mir ohne die Auftritte noch genau so viel Spaß machen würde (lacht). Das Schreiben ist halt das, was mich motiviert und letztlich alles Andere trägt. Ich bin kein extrovertierter Typ, in das Bühnenleben wachse ich erst noch hinein. 

Wie arrangierst du dich denn mit dem Auftreten? Eine gewisse Unterhalter-Mentalität ist dabei doch gefordet.

Meine Ambition ist es immer, dass meine Geschichten im Vordergrund stehen, nicht meine Person. Ich halte mich zurück. Klar, der "Rampensau-Faktor" spielt eine Rolle und vielleicht gestehe ich mir nur nicht ein, dass ich ihn habe. Aber von mir aus, könnte da auch jemand Anderes stehen und meine Texte lesen, solange die nur richtig rüberkommen.

"Beim Poetry Slam geht es nicht ums Gewinnen"

Poetry Slams sind in den letzten Jahren sehr populär geworden. Von einigen "elitären" Kreisen in der Literatur kommt aber auch Kritik. Was setzt du dem entgegen?

Poetry Slams sind eben eine Nische zwischen Literatur, Theater und Comedy. Es geht um Unterhaltung, dessen muss man sich bewusst sein. Meistens gewinnt der Text, der für die meisten Lacher gesorgt hat, und nicht der vielleicht geistreichste. Das ist aber nicht negativ. Humoristisches Schreiben kann eine größere Herausforderung sein, als beispielweise auf die Tränendrüsen drückenden Pathos zu verfassen. Außerdem geht es bei den Slams nicht immer unbedingt ums Gewinnen. Die lustigen Texte siegen zwar oft, andere bleiben aber in Erinnerung. 

Und wohin geht der Hype?

Gute Frage. Es ist natürlich extrem geworden. Die deutschen Meisterschaften 2011 in Hamburg, in einer Arena vor 4000 Leuten, waren total surreal für eine Literaturveranstaltung. Aber das Ganze wird sich wieder einpendeln. Ich wäre auch nicht böse drum, wenn es nachlässt.

Du gibst hin und wieder auch Workshops für kreatives Schreiben. Was würdest du allen ambitionierten Nachwuchsautoren, die vielleicht einen ähnlichen Weg wie du gehen wollen, raten?

Man sollte immer schreiben, weil es einem selber große Freude macht und weil man den Zwang verspürt zu schreiben, nicht deshalb, um Bücher zu verkaufen. 

Patrick Salmen in kurz

Patrick Salmen stammt aus Wuppertal und ist Lyrik- und Prosaautor, Poetry Slammer und Lese-Kabarettist. Bereits im Jahr 2010 gewann er den Titel des deutschsprachigen Meisters im Poetry Slams. Nur ein Jahr später konnte sich den zweiten Platz sichern.

Mit seinen Gedichten und Kurzgeschichten nimmt er regelmäßig an Poetry Slams teil, ist mit seinem Programm "Ich habe eine Axt" auf Tour oder tritt im Rahmen von Poetry Slam Veranstaltungen deutschlandweit auf. Nach einigen Kurzgeschichtensammlungen sollen im Jahr 2015 sowohl sein Debut-Roman als auch ein Kinderbuch erscheinen.

Bisherige Veröffentlichungen:

  • Ich habe eine Axt. Urlaub in den Misantropen: Kurzgeschichten (2014). Auch als Hörbuch erschienen!
  • Du kannst alles schaffen, wovon du träumst. Es sei denn, es ist zu schwierig: Rätselgeschichten (2013)
  • Das bisschen Schönheit werden wir nicht mehr los: Kurzgeschichten (2013)
  • Tabakblätter und Fallschirmspringer: Kurzgeschichten (2012)
  • Distanzen: Kurzgeschichten (2011)

Mehr Infos zu Patricks Auftritten und Büchern bekommt ihr unter: www.patricksalmen.de


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