Altersvorsorge Aktien
Wer früh ein wenig Geld anlegt, hat später mehr von der Rente | Foto: Thinkstock/Tuned_In

26.10.2016

Altersvorsorge Rechenbeispiele

An die Rente denken? Vielleicht uncool – aber echt lohnenswert!

Mit der Altersvorsorge ist es wie mit einer Diät: Der Wille, der ist da. Das Problem: Aufwand und Ertrag stehen zeitlich gesehen in einem sehr ungünstigen Verhältnis – da ... mehr »

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25. Okt 2016

Gastbeitrag

Geld & Finanzen

Die Rente ist tot! Es lebe die Rente!

Ein "Rezept" für die Altersvorsorge

Kind, denk doch auch mal an die Rente!

Wie eine Sekte auf Akquise-Tour stehen sie vor den Hörsälen dieser Nation und preisen das sorglose Leben an. Das Uni-Umfeld ist ein Eldorado für sie. Nirgends ist die Kundschaft so unberührt und gleichzeitig – zumindest perspektivisch – so zahlungskräftig. Absolventen deutscher Unis sind ein gefundenes Fressen für den fleißigen Finanzvertriebler.

Auf dem Sprungbrett ins "richtige Leben" müssen nämlich so einige Dinge erst einmal geregelt werden. Die Privathaftpflicht ist ein Muss, schließlich ist man nach Ende des Studiums nicht mehr bei den eigenen Eltern mitversichert. Und – Zack! – ist es passiert: Der Finanzvertriebler hat einen in seiner Kundendatei. Er freut sich, denn er weiß: Die Privathaftpflicht war nur der Anfang. Die dicken Fische kommen erst noch.

Der erste Job ist unter Dach und Fach, das erste selbstverdiente Geld in relevanter Höhe landet auf dem Konto. Tolles Gefühl! Jetzt erstmal konsumieren, aber richtig! Nach Jahren darbender Studentenzeit ist der Wunschzettel voll mit materiellen Dingen: Möbel, Reisen, Stylo-Fahrrad usw. Irgendwann holt einen der Ernst des Lebens wieder ein. Die eigenen Eltern liegen einem eh schon lange in den Ohren: "Kind, legst Du denn auch was zurück für später? Denk an Deine Rente!" Auch der nette Finanzvertriebler (der mit der Privathaftpflicht) riecht den Braten. Nicht umsonst malträtiert er einen im Dreimonats-Rhythmus mit Angeboten rund um Riester & Co.

Problem bei vielen dieser Versicherungsprodukte: Starre, unflexible Verträge und hohe Kosten, die nachhaltig die Rendite schmälern.



Der Experten-Tipp: Aktien als Altersvorsorge

Was aber tun? Müssen es immer die vorgefertigten Produkte sein, die der Staat bzw. die Finanzindustrie für uns bereit halten? Gibt es keine Alternative, die renditestark und trotzdem solide ist? Die gibt es! Aktien! Eine Anlage in Aktien eignet sich ganz hervorragend für die langfristig angesetzte Altersvorsorge.

Bitte jetzt nicht gleich panisch wegklicken! Leider haben wir Deutschen ein schwieriges Verhältnis zu Aktien. Wir denken an wilde Spekulationen. Dabei kann eine Anlage in Aktien nicht nur rentabel, sondern auch sehr solide sein, wenn zwei Dinge beachtet werden:

  • Der Zeithorizont sollte mittel- bis langfristig sein (10-15 Jahre), um vorübergehende Kurseinbrüche ausgleichen zu können.
  • Als Laie sollte man niemals in Einzelwerte investieren, sondern die Anlage immer über viele Unternehmen/Branchen/Länder breit streuen.

Für Laien eignen sich Indexfonds

Ein optimales Instrument, um auch als Laie mit Aktien für später vorzusorgen, ist ein sogenannter Indexfonds (oder auch ETF – Exchange Traded Fund genannt).

Ein Indexfonds bildet einen Aktienindex nach. Kauft man diesen z.B. auf den DAX, bildet er den DAX eins zu eins ab und ist an seine Entwicklung gekoppelt. Da im DAX 30 große deutsche Unternehmen enthalten sind, kauft man automatisch alle 30 Unternehmen. Die Anlage ist damit breit gestreut und das Risiko verteilt, ohne dass man sich selbst viele Gedanken dazu machen muss.

Möchte man noch breiter streuen und nicht nur vom Wohl und Wehe der deutschen Wirtschaft abhängig sein, kauft man gleich einen Indexfonds auf z.B. den breiter aufgestellten Weltindex MSCI World.

Das Schöne daran: Für das simple Nachbilden des Index braucht es keine hochbezahlten Fondsmanager. Die Kosten sind daher gering. So gut wie nichts von der erwirtschafteten Rendite wandert also in fremde Taschen. Auf lange Sicht macht das in Bezug auf die Wertentwicklung einen GEWALTIGEN Unterschied aus. Der "normale" Finanzvertriebler hat aufgrund mangelnder Provisionen meist keinen Anreiz, einem Indexfonds zu verkaufen. Man sollte daher in der Lage sein, das Thema selbst in die Hand zu nehmen.

Wie funktioniert das mit dem ETF – Exchange Traded Fund?

  • Man eröffnet ein Depot – am besten kostengünstig bei einer Direktbank.
  • Für dieses Depot richtet man einen sogenannten Sparplan ein. Dieser investiert dann monatlich ganz automatisch einen festen Betrag in die ausgewählten Indexfonds/ETFs.
  • Da Aktienmärkte teilweise stark schwanken können, muss man – je näher man dem eigenen Ruhestand kommt – den "Einstieg in den Ausstieg" vornehmen, also Stück für Stück Anteile am Indexfonds verkaufen und das Geld z.B. aufs Tagesgeldkonto legen. So geht man sicher, dass man später immer liquide bleibt.

Als junger Berufseinsteiger hat man ein wertvolles Asset in der Hand: den langen Zeithorizont. Dieser verbunden mit ordentlichen Renditen bei breit gestreuten ETF-Anlagen weist einen enormen Hebel auf. Das Gute daran: Wenn hinten mehr bei herauskommt, muss vorne auch nicht so viel investiert werden. Das schont hier und jetzt den Geldbeutel. Das schöne Leben kann also erstmal weitergehen – bis zum nächsten großen Thema: Familiengründung und Wohneigentum.

Aber keine Sorge! Der Finanzvertriebler (der mit der Privathaftpflicht) wird sich rechtzeitig vorher melden. So leicht gibt er sich nicht geschlagen...


1 x Rente BitteExperte Sebastian Tonn

Sebastian Tonn ist Autor des Ratgebers "1x Rente bitte! Die große Portion!" (FinanzBuch Verlag, 9,99 Euro). Mit seinem Web-Projekt anyonecan.de  und seinem YouTube-Kanal "AnyoneCan (Sebastian Tonn)" möchte er den Normalbürger fit in Sachen eigene Finanzen machen.

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Veröffentlicht am 27. Okt 2016 um 18:24 Uhr von christina kpoor
es lebe die rente ,die rente ist tot