Zwangsexmatrikulation
Exmatrikulationsbescheinigung in der Post gehabt? Keine Panik! | Foto: Thinkstock/Max Kegfire

Uni-Orga

24.06.2014

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14. Apr 2014

Anna Lenja Hartfiel

Uni-Orga

Zwangsexmatrikulation: Nichts geht mehr.

Oder doch?

Gründe für eine Zwangsexmatrikulation

Nichts geht mehr. Linda studiert im vierten Semester BWL, als sie den letzten Prüfungsversuch in Statistik nicht besteht. Das Resultat: Verlust des Prüfungsanspruchs. Zwangsexmatrikulation, oder Exmatrikulation von Amts wegen, wie es offiziell heißt. Linda ist nur ein Beispiel für Tausende von Studierenden an Unis in ganz Deutschland. Laut einer Studie der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) geben elf Prozent aller Studienabbrecher nicht bestandene Prüfungen als Grund für ihre Exmatrikulation an. Rund 19 Prozent können sich das Studium aufgrund finanzieller Probleme nicht mehr leisten.

In letzter Konsequenz erhalten die betroffenen Studierenden eine Exmatrikulationsbescheinigung. Die Exmatrikulation wird dann zum Ende des Semesters wirksam.

Zwangsexmatrikulation – und nun?

  • Ist das Nichtzahlen des Semesterbeitrags Grund für die Exmatrikulation, nehmen die meisten Hochschulen die Exmatrikulation gegen Zahlung des Semesterbeitrags und eine Bearbeitungsgebühr wieder zurück.
  • Wenn der Verlust des Prüfungsanspruchs Ursache der Exmatrikulation ist, gestaltet sich das Ganze um einiges komplizierter. Die Betroffenen sind meist verunsichert und stehen vor einer vermeintlichen Perspektivlosigkeit. "Daher ist es zunächst wichtig, dass sich die Studierenden beraten lassen. Sowohl bei der zentralen Studienberatung als auch in den Studienberatungen der jeweiligen Fachbereiche", erklärt Dr. Patrick Honecker, Pressesprecher der Uni Köln.

In Beratungsgesprächen lässt sich klären, ob die eingeschlagene Fachrichtung nicht die richtige war, oder ob ein Studium vielleicht der falsche Weg ist. Entscheidet man sich komplett gegen ein Studium, können Beratungsangebote der Bundesagentur für Arbeit für Studienabbrecher hilfreich sein. Entscheidet man sich für eine Ausbildung in der angestammten Fachrichtung, kann diese mitunter abgekürzt werden.

Kann ich gegen die Exmatrikulation klagen?

Wer an seiner Uni bleiben möchte, kann sich dort für einen anderen Studiengang bewerben. Ein Studium in der alten Fachrichtung ist so einfach jedoch nicht mehr möglich, da man nach dem Verlust des Prüfungsanspruchs laut Hochschulrektorenkonferenz bundesweit für den jeweiligen Studiengang gesperrt ist. Betroffenen bleibt dann noch die Möglichkeit, auf eine Universität im Ausland auszuweichen.

Auch der Blick in die Prüfungsordnungen anderer deutscher Universitäten kann sich lohnen. "Wenn für ein Fach in Berlin zwei Prüfungsversuche gelten, in Göttingen aber drei, könnte man sich da noch mal bewerben", erklärt Marian Lamprecht, Rechtsanwalt und Experte für Hochschulrecht. Doch auch wenn man an seiner Uni bleiben möchte, "gibt es viele Fälle, in denen man sich wehren kann. Entweder gegen die Prüfung an sich, oder gegen die Exmatrikulation", erklärt Lamprecht.

Dabei kommt es vor allem auch darauf an, welche Gründe zum Nichtbestehen der Prüfung geführt haben. Waren persönliche Probleme im Spiel, beispielsweise eine Trennung oder ein Trauerfall in der Familie, so liegen Lamprecht zufolge die Chancen, erfolgreich gegen eine Exmatrikulation vorzugehen, bei 70 Prozent.

Wenn die Uni zu einer außergerichtlichen Einigung bereit ist, kann dies schon innerhalb von zwei Wochen erfolgen – kommt es zu einem gerichtlichen Verfahren, kann es bis zu einem Jahr dauern. Während dieses Zeitraums ist die Exmatrikulation noch nicht wirksam und es kann, von dem strittigen Prüfungsmodul abgesehen, ganz normal weiterstudiert werden. "Es gibt jedoch auch einige Fälle, wo man am Ende nichts mehr machen kann", weiß Lamprecht. In diesem Fall ist endgültig Schluss mit dem gewünschten Studium.

Der Studienabbruch im Lebenslauf

Auch wenn danach ein anderes Studienfach oder eine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen wird – der Studienabbruch auf dem Lebenslauf bleibt. "Betroffene müssen sich zunächst von dem Gedanken des 'Flecks auf der Weste' lösen", rät der Bewerbungscoach Jürgen Hesse von Hesse/Schrader.

Vielmehr sollte man "selbstbewusst und selbstreflektiert" an Bewerbungen herangehen und den Fokus im Lebenslauf vielmehr auf das Studium und nicht auf den Abbruch legen. Denn auch wenn kein Abschluss erreicht wurde, hat man während der studierten Semester trotzdem Wissen und Fähigkeiten erworben. Wer seine Situation genauer erläutern will, dem empfiehlt der Experte die sogenannte "Dritte Seite" der Bewerbung. In diesem zusätzlichen Motivationsschreiben kann man Gründe für den Studienabbruch erklären und dem potenziellen Arbeitgeber zeigen, warum man auch ohne Abschluss interessant ist.

Am wichtigsten ist, "nicht den Eindruck eines Losers zu machen", meint Hesse. Dafür gebe es keinen Grund: Ihm sind einige Studienabbrecher bekannt, die heute beruflich sehr erfolgreich sind – ganz ohne Studienabschluss oder Diplom. "Häufig sieht man erst Jahre später, wofür dieser Einschnitt gut war."


InfoLinktipps

  • www.hochschulkompass.de: Das Angebot der deutschen Hochschulrektorenkonferenz bietet einen Überblick über Universitäten und Studienfächer in ganz Deutschland. So kann man das passende Fach finden, wenn man sich nach einer Zwangsexmatrikulation umorientieren will.
  • Der UNICUM Jobtest: Wer nach einer Zwangsexmatrikulation lieber direkt in die Berufswelt starten will, kann auf karriere.unicum.de herausfinden, welcher Job am besten zum Profil passt.
  • Auch die Bundesagentur für Arbeit bietet Studienabbrechern unter www.arbeitsagentur.de Hilfestellung.

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